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Woher in Herne der Wind weht

06.08.2008 | 18:26 Uhr

Ein Hufschmied fertigte den Hahn der "Heiligen Familie". Auf der Kreuzkirche thront in der Höh' ein Dreigestirn.Um den Erhalt des Bonifatiusturms gab es hitzige Diskussionen, aber er durfte bleiben

Kugel, Kreuz und Hahn thronen auf der Kreuzkirche in Herne-Mitte. Fotos: WAZ, Wolfgang Quickels

ÜBER DEN DÄCHERN VON HERNE UND WANNE-EICKELWas haben Bergsteiger, Hufschmiede und Schuhverkäufer mit den Spitzen Herner Kirchtürme zu tun? "Jede Menge", erklärten uns Experten.

Heilige Familie Holsterhausen Sie ist gewissermaßen der Teenager unter den Herner Kirchen: Die Kirche der katholischen Gemeinde Heilige Familie in Holsterhausen wurde nach dem Krieg aus "geklopften Steinen" erbaut, im Jahr 1954 eingeweiht und hatte in ihrem jungen Leben mit vielen "Kinderkrankheiten" zu kämpfen: Mehrfach wurde das Dach vom Sturm abgedeckt, das Holz der Schallklappen im Glockenturm war morsch, und auch der Hahn von der Spitze musste mal erneuert werden. "Der Drehfuß am Hahn war komplett korrodiert und musste vor zirka 25 Jahren ausgetauscht werden", erinnert sich Organist Norbert Henning und liefert die Gründe für die steten Malaisen gleich mit: "Nach dem Krieg bestand einfach Not am Material, und es wurde alles viel zu schnell hochgezogen. Die Qualität blieb dabei auf der Strecke." Den Organisten verbindet aber trotzdem eine innige Beziehung zur Spitze: Sein Großvater, Hugo Henning, hat als einer der letzten Hufschmiede von Wanne-Eickel den Hahn für die Kirchturmspitze geschmiedet.

Kreuzkirche Herne Als im Juli 1875 das klassische "Dreigestirn" aus Kugel, Kreuz und Hahn auf die Spitze der evangelischen Kirche gesetzt wurde, nahm die Zeremonie fast Züge eines Volksfestes an. Die Herner Zeitung berichtete damals, der Polier habe "eine zweckentsprechende Rede gehalten" und wusste zu verkünden: "Die Besorgnis, der Hahn möchte sich nicht drehen, hat sich als unbegründet erwiesen. Jetzt weiß man, woher in Herne der Wind weht und kann den Mantel danach hängen." Ebenfalls medien- und publikumswirksam gestaltete sich mehr als 100 Jahre später eine Schönheitsbehandlung der Turmuhr: "Zwei findige Bergsteiger haben sich 1983 durch die Turmluke abgeseilt, um das Ziffernblatt der Turmuhr von Taubendreck zu befreien", weiß Archivar Günter Knefelkamp zu berichten.

St. Bonifatius-Kirche Herne Zusammen mit der Spitze der Kreuzkirche prägt der Turm der Bonifatiuskirche das Gesicht der Bahnhofstraße. Und das, obwohl es ihn heute fast nicht mehr geben würde. Als man im Dezember 1974 die neue Bonifatiuskirche eingeweiht hatte, begann man parallel die alte, inzwischen marode Kirche aus dem Jahr 1871 abzureißen. "Um den Erhalt des Turms gab es damals heftige Auseinandersetzungen", erinnert sich Dr. Bernhard Nauen, ehemaliger Vorsitzender des Pfarramtsrates. Auch die eine oder andere verbale Spitze soll während der damaligen Diskussionen angebracht worden sein. Der Turm blieb. Das wahre Highlight des Turms der katholischen Kirche findet sich jedoch am Boden, und nicht in luftiger Höhe: Bei der Renovierung des Schuhgeschäfts Schlatholt, das sich seit Ende der 1970er Jahre in der unteren Turmetage befindet, wurde auch der alter Turmeingang wieder freigelegt. Pastor Christian Gröne freut sich, dass das Turmportal nun im Schaufenster zu bewundern ist.

Von Susanne Meimberg

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