Woanders mitmischen
18.09.2009 | 20:03 Uhr 2009-09-18T20:03:00+0200Eigentlich wollte er immer in Herne bleiben. Und eigentlich will er es auch gar nicht an die große Glocke hängen. Aber es ist amtlich: Sebastian Maier geht weg aus Herne – und mit ihm das Künstlerkollektiv „Tengu".
Seit 15 Jahren ist Sebastian Maier in der Musikszene der Stadt aktiv, als Musiker und Produzent, als Dozent und Chef des eigenen kleinen Plattenlabels „Z-Music". Vor allem aber als Kreativer, bei dem in der Vergangenheit immer viele Fäden zusammenliefen, wenn es um Jugendkultur, junge Musik und Veranstaltungen ging.
Die Liste von Maiers kreativen Machenschaften in seinem Tonstudio (im Keller eines Wohnhauses in der Schaeferstraße), dem „Tengu Basement", reicht vom deutschsprachigen Hip-Hop-Projekt „Tengu" bis zum Elektro-Rave von „Susanne Blech". Bei zahlreichen Einzelkünstlern und musikalischen Bündnissen – bei „Sola Plexus", „Sulal Kool", „Roger Paris", „Jens Schlager", „Danja Atari" und „Sue" – hat (oder hatte) Maier seine Finger mit ihm Spiel. Sein 1994 gegründetes Musiklabel „Z-Music" hat aktuell vier Künstler unter Vertrag, bei der Herner U-Bahn-Party „Light Level" geben regelmäßig Musiker aus Maiers Stall den Ton an.
„Und jetzt gehen wir nach Essen", sagt der studierte Soziologe, Jahrgang 1980. Den neuen Nachbarn des „Tengu Basements" war die Geräuschkulisse des Tonstudios zu viel, Maier brauchte neue Räumlichkeiten: Die Kontaktaufnahme mit der Herner Wirtschaftsförderungsgesellschaft vor etwa sechs Wochen brachte jedoch nicht den erhofften Erfolg: „Die Mitarbeiter waren sehr nett und haben mir auch zwei Immobilien angeboten, aber die waren viel zu groß", sagt Maier. Dann könne man ihm leider nicht weiterhelfen, ließ man den Jungunternehmer wissen. Die über informelle Wege versuchte Kontaktaufnahme zum Herner Kulturamt und zur Künstlerzeche Unser Fritz blieb ebenfalls erfolglos.
Ganz anders die Reaktionen in umliegenden Ruhrgebietsstädten: „In Bochum gibt es bei der Wirtschaftsförderung einen eigenen Ansprechpartner für den Bereich Kultur, dort wurde ich sofort zum persönlichen Gespräch eingeladen und mit einer Liste von Optionen versorgt", so Maier. Ähnlich sei es in Essen gewesen. Dort, im Stadtteil Horst, in der Zeche Wohlverwahrt, hat Sebastian Maier über die lokale Wirtschaftsförderungsgesellschaft „schnell und unkompliziert" ein neues, kreatives Plätzchen gefunden. Der Vertrag ist bereits unterschrieben, die Renovierung im Gange, „Tengu" also künftig ein Essener Künstlerkollektiv.
„Für die Herner Musik- und Kreativenszene kommt das einer Katastrophe gleich", kommentiert Chris Wawrzyniak vom Herner Kulturhauptstadtbüro den Weggang des Künstlers und seiner Mitstreiter und fügt hinzu: „Wir sollten noch einmal darüber nachdenken, warum wir Kreative wie Maier und ,Tengu' nicht in unserer Stadt halten können." Sebastian Maier selbst legt größten Wert darauf, keine verbrannte Erde zu hinterlassen, er werde in Herne wohnen bleiben und auch in Zukunft für Projekte und Veranstaltungen in der Stadt zur Verfügung stehen.
Jedoch sagt er auch: „Ich bin eh schon einer der Letzten gewesen, die noch hier geblieben sind, weil Herne als Stand- und Veranstaltungsort einfach sehr ,unsexy' ist. Ich glaube aber auch, dass sich die Aktiven im Kulturbereich sehr suboptimal verknüpfen."
09:51
Stimmt, Herne ist eine Arbeiterstadt.
Mittlerweile hat jedes 3. Kind einen Migrationshintergrund und die Entfremdung in manchen Stadtteilen ist auch schon sehr hoch.
Aber wen kümmerts, wenn die Stammwählerschaft aus ehemaligen Bergleuten vor dem letzten Urnengang (bzw. werden dann wohl eher getragen) und Wählern mit hoher Arbeitslosigkeit besteht?
Mehr braucht Herne nun wirklich nicht!
Selbst das Grün spriesst so schön am Strassenrand und die plötzlich und völlig unerwartet von den Bäumen gefallenen Blättern werden hoffentlich bald und vollständig von den vorbeirasenden Autos weggefegt.
Ach Herne, watt is dat schön!
16:28
„Die Mitarbeiter waren sehr nett und haben mir auch zwei Immobilien angeboten, aber die waren viel zu groß
Wahrscheinlich wurden ihm Hertie und das C&A Gebäude angeboten *lol*
Künstler adé!!
22:30
Ganz anders die Reaktionen in umliegenden Ruhrgebietsstädten
wir sind ja auch ne Wohnstadt. wir brauchen keine Kultur, keine Industrie, kein Gewerbe.
wir wohnen hier nur.
möglichst noch ne Autobahn in der Nähe.
Wohnung, Auto, 306, U35. mehr brauchn wa net