Wie man eine Woche ohne Google übersteht

Wer suchet, der findet: Es gibt durchaus Alternativen zu Google.
Wer suchet, der findet: Es gibt durchaus Alternativen zu Google.
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Was wir bereits wissen
Google ist fast überall. In Europa laufen nahezu 90 Prozent aller Anfragen über diese Suchmaschine. Tobias Bolsmann hat es eine Woche ohne probiert.

Google ist - fast - überall. In Europa laufen nahezu 90 Prozent aller Anfragen über diese Suchmaschine. Das amerikanische Unternehmen scheint das Internet zu dominieren, Antworten auf Fragen suchen wir bei Google, dem Marktführer. Der IT-Riese ist aber auch ein Datenkrake, mit jeder weiteren Anfrage sammelt er neue Erkenntnisse über uns Verbraucher. Stellt sich die Frage: Kann man eigentlich ohne Google auskommen? Und welche Alternativen gibt es? WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann hat es eine Woche lang ausprobiert.

Schon der Einstieg in den Ausstieg ist holprig. Ich überlege, welche anderen Suchmaschinen es noch gibt und wie ich sie erreiche. Yahoo.de oder Yahoo.com? Ich pfusche - und suche mit Google die anderen Suchmaschinen. Jetzt sollte ich aber doch den Giganten hinter mir lassen können - nee, doch nicht! Mein Problem: Die privaten Mails bekomme ich über eine Googleadresse. Ich behelfe mir mit einem Trick. Diese Nachrichten rufe ich ab sofort ausschließlich über mein Smartphone ab. Aber auch das hilft nicht völlig, denn das Laptop zu Hause hat als Startseite? Richtig, Google! Was wiederum offenbart, wie stark wir schon auf das große G konditioniert sind. Dazu passt, dass ich an Tag 3 zu Hause in Gedanken doch die Googlesuche benutze. Auch in der Redaktion spielt mir die Gewohnheit Streiche. Wenn ich etwas suchen möchte, rutsche ich mit der Maus in meinem Internetverlauf immer wieder auf Google - weil es dort an erster Stelle steht.

Mit der Zeit bessere ich mich. Mal nehme ich Bing, mal Yahoo. Schwierigkeiten habe ich keine, ich bekomme eigentlich immer die Antwort, die ich gesucht habe. Diese beiden Suchmaschinen liefern mir auch Nachrichten des Tages - ein Service, den ich bei Google intensiv genutzt habe.

Es gibt aber auch exotische Alternativen zu Google: Haben Sie schon mal von Duckduckgo.com gehört? Als ich diesem Namen in der Redaktion erwähne, mustert mich eine Kollegin mit einem Blick, als ob sie an meinem Geisteszustand zweifele. Die Ente wirbt mit folgendem Slogan: „Die Suchmaschine, die Dich nicht verfolgt.“ Es werden eben keine persönlichen Daten gesammelt. Auch dort bekomme ich alles, was ich brauche. Bei Unternehmen - wie Vulkan oder Adams Armaturen - steht deren Homepage an erster Stelle. Keine Beschwerden also.

Und es gibt noch ein Angebot: Qwant.com. Kannte ich selbst auch bislang nicht. Qwant wirbt ebenfalls mit strengen Datenschutzbestimmungen, bietet also auch eine Möglichkeit, dem Datenkraken Google zu entrinnen. Und auch dort komme ich in aller Regel zum Ziel.

Es geht also durchaus ohne Google. Die „eine Woche ohne“ hat mein eigenes Suchverhalten verändert. Ich streue meine Anfragen. Mal Bing, mal Duckduckgo - aber auch Google. Wenn ein Krake acht Arme hat, habe ich vielleicht vier abgestreift...

Direktvergleich mit ausgewählten Suchwörtern

Anhand von ausgewählten Suchworten haben wir Suchmaschinen verglichen. Einer der Begriffe: Unser Fritz.

Google: erster Treffer Künstlerzeche, dann Wikipedia-Eintrag zur Zeche Unser Fritz und der SV Unser Fritz; geliefert werden auch Fotos und eine Karte.

Bing: liefert bei der Abfrage die gleichen Treffer in der gleichen Reihenfolge, auch eine Karte ist abrufbar, Bilder kann man extra anklicken und sind reichlich vorhanden.

Yahoo: Auch hier werden Künstlerzeche, Wikipedia und SV Unser Fritz zuerst genannt, eine Karte ist ebenso vorhanden wie Bilder.

Duckduckgo: Erste Abweichung. Ganz oben steht eine Anzeige zu Hotel in der Nähe von Unser Fritz. In der Trefferliste steht ganz oben die Seite mindat.org, die sich mit Mineralien beschäftigt; es folgt eine Seite über deutsche Postleitzahlen, dann die Seite photosynth.net. Danach öffnet sich die Seite yelp.com mit Hinweis auf den Boxring Unser Fritz, erst dann folgt der Wikipedia-Eintrag. Fotos gibt es, eine Karte muss unter der Rubrik „Places“ angeklickt werden.

Qwant: liefert die Künstlerzeche, den Wikipedia-Eintrag, dann den Wikipedia-Eintrag zu Herne. Es folgt der SV Unser Fritz. Parallel werden allgemeine Angaben zum Bergwerk angezeigt. Quelle ist Wikipedia. Bilder und Videos werden geliefert, dazu Links auf soziale Medien. Eine Karte findet sich nicht.

Im direkten Vergleich zeigt sich, dass Google, Bing und Yahoo spätestens nach den Buchstaben „Unser Fri“ Unser Fritz als Ergebnis vorschlagen, Duckduckgo und Qwant nicht.

Wie schlau sind die Suchmaschinen eigentlich bei falscher Schreibweise? Wir versuchen: Kranger Kirmes.

Google schlägt schon nach „Kranger“ die kompletten Ergebnisse zur Cranger Kirmes vor; Bing schlägt „Krangertech“ vor, aber auch schon die Cranger Kirmes; gleiches gilt für Yahoo; Duckduckgo schlägt nichts vor, zeigt bei den Ergebnissen aber die Cranger Kirmes vor; auch Qwant bügelt die falsche Schreibweise aus und zeigt die Cranger Kirmes.