Wie Horst Schiereck die Herner Karnevalisten hofiert

Dankbare Zuhörer: Horst Schiereck empfängt Manuela Kolarczik und Peter Peters.
Dankbare Zuhörer: Horst Schiereck empfängt Manuela Kolarczik und Peter Peters.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Oberbürgermeister geht in seine letzte Karnevalssession. Beim Empfang des Prinzenpaares zeigte sich, warum er zu den Jecken eine besondere Beziehung hat.

Es beginnt die Zeit der Abschiede. Im September endet nach elf Jahren die Amtszeit von Horst Schiereck. Gestern empfing er „Peter I.“ Peters und „Manuela II.“ Kolarczik, das Prinzenpaar der Herner Karnevalsgesellschaft (HeKaGe), im Rathaus. Schiereck (66) nutzte den Pflichttermin für launige Plaudereien.

Der Oberbürgermeister geht in seine letzte Karnevalssession. Für den nicht als Menschenfänger bekannten Sozialdemokraten eine Zeit, in der er mit seinem speziellen, durchaus feinen Humor punkten kann.

Natürlich sollte er wieder etwas sagen zu seinen kostümierten Gästen. Der Ex-Lehrer hielt die Ansprache aus dem Stand. „Das diesjährige Motto“, so Schiereck, „lautet ja: ,Ob aus Nah oder Fern, nach Herne kommen alle Narren gern’. Ich möchte sagen – die sind schon längst alle da!“ Das knappe Dutzend Karnevalisten an dem ovalen Konferenztisch in Raum 212 lachte herzlich. Das Stadtoberhaupt fand nette Worte. Der Rosenmontagszug sei zu einem Publikumsmagneten geworden, die HeKaGe habe das Brauchtum in dieser Stadt bekannt gemacht. Nach der Rede moderierte er das Gespräch weiter. Er sprach von seinen Vorgängern Willi Pohlmann und Manfred Urbanski, nahm die innerstädtische Rivalität zwischen Wannern und Hernern („Alle Menschen werden Brüder und Schwestern, oder so“) und sich selbst („Ich stehe bei Gruppenbildern immer vorne, weil ich ein abgebrochener Zwerg bin“) auf die Schippe.

Wer die Empfänge und Rathausstürme in den letzten Jahren verfolgt hat, sah oft einen rhetorisch gewandten OB, der sichtlich Freude hatte an ironischen Plaudereien mit Prinzen, Prinzessinnen und Funkenmariechen. Das war nicht immer so. „Am Anfang seiner Amtszeit war er reserviert“, sagt Klaus Mahne, der in über 30 Jahren als Präsident der HeKaGe mehrere Oberbürgermeister kommen und gehen sah. Schiereck – sicher kein Karnevalisten-Naturell – habe seine Truppe erst kennenlernen müssen. „Ein Bürgermeister steht immer in der Öffentlichkeit. Er muss abschätzen, mit wem er sich sehen lassen kann.“ Für den Verein ist ein guter Draht zum Rathaus wichtig. Wenn das Prinzenpaar den OB besucht, berichtet die Presse und wirbt so für die nächsten Veranstaltungen. „Es wissen immer noch nicht alle Menschen, dass in Herne Karneval gefeiert wird.“

Auch wenn mit Schiereck bald ein Freund des Karnevals abtritt, ist den Herner Jecken nicht bange vor der Zeit danach. Mahne: „Frank Dudda, der potenzielle Nachfolger, war schon bei unseren Prunksitzungen im Kulturzentrum. Er weiß also, wer wir sind.“