"Was ist los, Wanne-Eickel?"
25.01.2009 | 18:25 Uhr 2009-01-25T18:25:22+0100Jugendzentrum "Der Heisterkamp" begab sich mit Hip-Hop auf neues Terrain. Initiative für "Backyard-Sound Vol. 1" kam aus dem eigenen Haus. Weitere Veranstaltungen geplant
"Das ist hier, Alter! Original! 62!", schallt es freudig vom Parkstreifen vor dem Jugendzentrum "Der Heisterkamp", ansässig auf der gleichnamigen Straße mit eben dieser Hausnummer, 62. Am Samstag läutete das Jugendzentrum seine diesjährige Konzert-Saison ein, und mit ihr stand eine musikalische Neuheit auf dem Programm: Hip-Hop!
"Hip-Hop hat es hier früher sicher schon mal gegeben", mutmaßt Patrick Ochnio, "aber in diesem Jahrtausend ist es das erste Mal." Das Jugendzentrum, sonst eher für rockige Töne bekannt, wolle sich damit auch anderen Szenen öffnen. "Die sind hier aus dem Haus und haben uns quasi die Tür eingerannt, da lag es nahe, denen mal so einen Abend zu gönnen", erklärt Ochnio, Mitarbeiter des Heisterkamp.
"Die", das sind Marko Habel und Christopher Christen alias "Ruhrpottkinder". Kennengelernt haben sich die beiden Schüler bei einem Hip-Hop-Workshop im Heisterkamp, heute steht das Duo als eine von sechs weiteren Rap-Gruppen auf der Bühne. "Das war unsere Idee mit dem Konzert, aber der Heisterkamp hielt das direkt für eine coole Sache", sagt Marko Habel. Und so lud der 18-Jährige befreundete Künstler aus Herne und der näheren Umgebung ein, das Jugendzentrum sorgte für Räumlichkeit und Technik - fertig war die Jam. Jam, so nennen die Hip-Hopper ihre Konzerte.
Den Anfang macht dann auch ein echtes Wanne-Eickeler Urgestein. Ilias Leimakis alias DaGrek, "der erste Rapper in Herne", eröffnet am frühen Abend die Runde. Der 38-Jährige fühlt sich dem Hip-Hop seit über 20 Jahren verbunden, versuchte sich zunächst tanzend als Breakdancer, fand dann aber Mitte der 1980er zum Rap. "Als ich angefangen habe, da haben die Leute gesagt, lass das sein, dass bringt hier nichts", erinnert sich Leimakis. Heute ist Hip-Hop allgegenwärtig, die neuesten Entwicklungen lehnt der Altmeister aber ab: "Alle die hier heute rappen, sind mehr Hip-Hop als Bushido und dieser ganze Gangster-Rap."
Ins gleiche Horn blasen auch die "Ruhrpottkinder". "Das hier ist nicht so eine Bushido-Scheisse", stellt Marko Habel zur Jam-Idee klar. "Leute wie Bushido zerstören die Träume der Menschen, die rappen, dass es keine Perspektiven gibt, und rufen zum Drogenkonsum auf", fügt Christopher Christen wütend hinzu. "Wenn wir Lieder schreiben, wollen wir die Leute aufbauen."
Bevor die beiden ihre Botschaft jedoch unters Volk bringen dürfen, ist zunächst die Formation "RWB" an der Reihe. Mit einem lauten "Was ist los, Wanne-Eickel?" bringen die Bochumer zum ersten Mal Stimmung in den mäßig gefüllten Konzertraum. Nur rund 40 Konzertbesucher haben sich eingefunden, diese wissen "RWB" dafür aber umso mehr zu begeistern, bevor sie Platz machen für den nächsten Act.
"Wanne-Eickel ist hart, aber wir sind hart im Nehmen", gibt Jiotti "Jot" Grammatikas, Moderator der Veranstaltung, die Marschroute vor, dann sind die "Ruhrpottkinder" an der Reihe. Habel heißt jetzt Neiz, Christen nennt sich Pablo Chriztobar. Im Takt nickende Köpfe und in der Luft wippende Arme sind vor der Bühne zu sehen, die "Ruhrpottkinder" feiern das Publikum, den Heisterkamp und sich selbst. "Macht mal Lärm!", fordern sie immer wieder, das Publikum folgt. Als alles vorbei ist, sind die beiden dann auch mehr als zufrieden. "Alles war geil", lobt sogar Veteran Leimarkis. Und auch Patrick Ochnio, der Rock-gewöhnte Heisterkamp-Mitarbeiter, ist mit der Veranstaltung zufrieden, wagt sogar einen Vergleich: "Die Stimmung ist super, die Leute feiern genauso, trinken auch Bier - und vom Schweiß auf der Bühne ist da auch kein Unterschied."
Fotostrecke auf DerWesten.de/herne
12:44
jap das muss ich auch sagen.... der artikel gefällt mir!
nochmals danke und bis dann
Lieben gruß Marko
11:58
Ein sehr gelungener Artikel,
danke und grüße