Warum Herner Busfahrer ganz harte Kerle sind

So gemächlich laufen sie nur für den Fotografen: die Busfahrer Torsten Keuenhoff (li.) und Udo Förster auf dem HCR-Betriebshof
So gemächlich laufen sie nur für den Fotografen: die Busfahrer Torsten Keuenhoff (li.) und Udo Förster auf dem HCR-Betriebshof
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Bei spektakulären Extremsportrennen sammelt das ,Team Camerone’ Geld für soziale Zwecke. Doch manche halten die Mitglieder schlicht für bescheuert.

Herne.. Sie machen keinen Hehl daraus: Manche Kollegen halten sie für ein „bisschen wahnsinnig“. Kein Wunder angesichts dessen, was Torsten Keuenhoff und Udo Förster so in ihrer Freizeit treiben: Unter-Tage-Marathons im Salzbergwerk, 24-Stunden-Läufe oder Ultrarennen, die die Teilnehmer über brennende Heuballen und unter Elektrozäunen her führen – für die beiden Busfahrer ist das Alltag. Die Skepsis einiger Kollegen ändert jedoch nichts daran, dass die HCR seit geraumer Zeit zu einem kleinen Refugium für Extremstsportler wird.

Denn Keuenhoff und Förster stecken an mit ihrer Lust auf Schmerzgrenzen. Vor einem Jahr gründeten sie das „Team Camerone“, einen eingetragenen Verein, dessen Mitglieder durch die Teilnahme an Extremläufen Geld für soziale Zwecke sammeln. Inzwischen sind sie schon zu acht im Team, sechs stehen in Diensten des Nahverkehrsunternehmens. „Wir finden das gut. Als Fahrer sitzt man viel, es dient der Gesundheit, wenn die Mitarbeiter Sport treiben“, sagt HCR-Sprecher Dirk Rogalla. „Ein Ausgleich zur Arbeit hinterm Lenkrad“, nennt Förster (49) seine exzessive Leidenschaft, und Keuenhoff (34) wurde zunächst „immer dicker“, als er vor bald zehn Jahren bei der HCR anfing.

Über 1000 Euro für die Schlaganfallhilfe gesammelt

Wobei sportliche Fahrer in Herne Tradition haben. Jahrzehntelang trafen sich viele in einer Laufsportgruppe, bis die sich Anfang der 90er auflöste. Udo Förster ist der einzige von damals, der noch im Unternehmen ist – „alle anderen sind pensioniert, einige auch schon tot“. Später hat er seinen Kumpel Keuenhoff angestachelt. Der war „sehr unsportlich“, als Förster ihn zu einem Hürdenlauf überredete. „Ich musste echt kämpfen“, sagt Keuenhoff, „aber ich habe Geschmack am Sport gefunden.“

Der gebürtige Bochumer vom Eickeler Bruch hat zuletzt über 1000 Euro für die Deutsche Schlaganfallhilfe gesammelt, als er in einem Wanner Fitnessstudio Stunden auf dem Laufband verbrachte und sich jeden Kilometer von Sponsoren vergüten ließ. Auch Udo Förster lässt andere von seinem Bewegungsdrang profitieren. Die Organisatoren des Rennens „Rad am Ring“ zeichneten ihn mit einem „Charity-Award“ aus – weil er über den Förderverein „Phoenix Marienhospital“ Brustkrebspatientinnen unterstützt.

Ungewöhnlicher Herner Volkslauf als Ziel

All das sind „nur die Anfänge“, so Keuenhoff, „wir wollen als Verein größer werden“. Das Team Camerone möchte einen Herner Volkslauf auf die Beine stellen – vielleicht in einem Parkhaus, Hauptsache ungewöhnlich. „Verrücktes zieht immer“, sagt Förster. Er muss es wissen.