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Warnung vor den netten Zuhältern

26.10.2012 | 06:00 Uhr
Warnung vor den netten Zuhältern
Am Dienstag 21.06.2011 in Dortmund. Erfahrungen nach der Schliessung des Strassenstrich in der Nordstadt. Rundgang mit einer Mitarbeiterin der Mitternachtsmission Gisela Zohren. Die 21 JŠhrige Frau sitzt im Eingang von Haus Nr 8 in der Linienstrasse Foto: Ulla Michels / WAZ FotoPoolFoto: Ulla Michels

Herne.   Schüler der Erich-Fried-Gesamtschule erfuhren, wie sich „Loverboys“ an Schulen und im Internet ihre Opfer suchen.

„Loverboy“ - klingt eigentlich recht harmlos, dieser Begriff. Doch die Realität dahinter ist es nicht. Das erfuhren gestern etwa 60 Schüler der Erich-Fried-Gesamtschule bei einer Informationsveranstaltung.

Bei „Loverboys“ handelt es sich um Zuhälter, die Kontakt zu minderjährigen Mädchen aufnehmen, von großer Liebe sprechen, großzügige Geschenke machen und sich in den Freundeskreis der Mädchen einschleichen. Doch es ist nicht die große Liebe, am Ende werden die Mädchen zur Prostitution gezwungen. Die Männer sprechen ihre Opfer gezielt an Schulen oder über das Internet, besonders über Facebook, an.

Bei der Infoveranstaltung schilderten Vertreter der „Elterninitiative Loverboy Opfer in Deutschland“ (Eilod) ihre eigenen Erfahrungen und erläuterten den Schülern, wie sie Täter erkennen und sich schützen können. Folgende Beobachtungen könnten auf das Unwesen eines „Loverboys“ hindeuten, weiß Bärbel Solf, Leiterin des Kriminalkommissariats Vorbeugung in Bochum: Ein Mädchen hat plötzlich keine Zeit mehr für ihre Freundinnen und hat ihr Verhalten verändert; sie hat ein zweites Handy, sie hat einen Freund, der ein protziges Auto fährt.

Hohe Dunkelziffer

Dass das Phänomen einer großen Öffentlichkeit bislang so gut wie unbekannt ist, liege an der Tatsache, „dass viele Opfer sich schämten, sich zu offenbaren“, so Bärbel Kannemann von Eilod. Diese Einschätzung wird von Bärbel Solf geteilt. Beim Landeskriminalamt habe es in den vergangenen beiden Jahren keine Anzeige mit diesem speziellen Profil gegeben.

Dafür sei die Dunkelziffer umso höher, betonte Kannemann. Bislang habe die Elterninitiative bundesweit rund 200 Fälle registriert. Da stellt sich selbstverständlich die Frage, ob es auch in Herne Indizien für Loverboy-Aktivitäten gibt. „Man kann davon ausgehen, dass Herne keine Insel der Glückseligen ist“, vermutete Hernes Gleichstellungsbeaufragte, Sabine Schirmer-Klug. Nicht auszuschließen, dass sie Recht behält.

Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler auf die Berichte der Betroffenen deuten darauf hin, dass das Thema nicht völliges Neuland für sie darstellte. Darüber hinaus suchten einige Schülerinnen nach dem offiziellen Ende das persönliche Gespräch mit den Experten. Möglicherweise liegt das Problem näher als die Beteiligten es im Vorhinein ahnten.

Deshalb soll die Vorbeugung kein Einzelfall bleiben, weitere Klassen sollen vor den „Loverboys“ gewarnt werden.

Tobias Bolsmann

Kommentare
28.10.2012
02:31
Warnung vor den netten Zuhältern
von Xavinia | #3

Info-Veranstaltungen in Schulen sind bestimmt gut und richtig.
Was vielleicht noch fehlt: Infos für die Eltern.

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2012-10-26 06:00
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