Wanner Wohnblock Emscherstraße ist im Aufwind

Ivon Frey (26) vor dem Wohnblock Emscherstraße. Sie will für die Jugendlichen da sein.
Ivon Frey (26) vor dem Wohnblock Emscherstraße. Sie will für die Jugendlichen da sein.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Es tut sich was in der Hochhaussiedlung: Eine Streetworkerin kümmert sich um Jugendliche, Wohnungen wurden renoviert. Doch manche Probleme bleiben.

Ivon Frey ist erst seit Anfang des Monats da, aber eines hat sie über die Jungs und manche Mädels von der Emscherstraße schon gelernt: „Fußball ist ihnen heilig, der Sport geht über alles. Der Bolzplatz ist immer voll, auch im Winter.“ Sie plant deshalb ein mehrtägiges Turnier im Sommer. Die Kinder und Jugendlichen aus dem Block sollen sehen: „Es ist jemand da, der sich kümmert.“

Frey (26) hat als Jugendreferentin und Streetworkerin im Auftrag des Kirchenkreises eine ambitionierte Aufgabe übernommen – sie will für die, wie sie sagt, Kids da sein. „Wenn sie nur rumhängen, entsteht eine Negativspirale.“

Der Wohnblock an der Emscher-straße – in den 70ern für Bergleute gebaut und dann kontinuierlich heruntergewirtschaftet – gilt als eine der Herner Problemsiedlungen. 1000 Bewohner aus über 30 Nationen, davon 200 Kinder und Jugendliche. Doch zuletzt ist einiges passiert: Ein privater Investor kaufte die Anlage, ließ Wohnungen renovieren, Vorgärten herrichten. Die evangelische Kirche setzt mit Ivon Frey, die in einem angemieteten Apartment bei Hausaufgaben hilft und Vertrauensperson für ihre Kids sein will, auf eine Fachfrau – sie ist studierte Theologin mit Schwerpunkt Jugendarbeit. Die Emscher-straße im Aufwind.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Noch immer häufen sich die Problemfälle. „Die Kinder von hier erzählen in der Schule aus Scham nicht, wo sie wohnen“, sagt Gisela Lasek, eine pensionierte Sonderschullehrerin, die ehrenamtlich Sprachkurse gibt und sich seit sechs Jahren um die Menschen von der Emscherstraße kümmert. Die Fluktuation ist hoch, in den Treppenhäusern liegen Zigarettenkippen, es riecht nach Urin, manchmal kommt es auf den Fluren zu Streits unter Nachbarn – Türken gegen Kurden, zum Beispiel.

Ivon Frey sei nicht die erste, die sich um die Jugendlichen kümmern wollte, so Lasek – „andere haben schnell die Segel gestrichen, weil sie an die Eltern nicht rankamen“. „In den letzten Jahren gab es nur punktuelle Angebote. Ich dachte: Was bringt das eigentlich?“, sagt Friedhelm Libuschewski, Geschäftsführer der Evangelischen Jugend. Freys neu geschaffene und durch das Land geförderte Stelle ist für ihn „mein letzter Versuch, hier was zu machen“. Gisela Lasek hofft, dass es weiter aufwärts geht. „Jeder Tropfen auf den heißen Stein ist schon eine gute Sache.“

Kein leichtes Anliegen also, dem sich Ivon Frey in Wanne annimmt. Doch sie will sich nicht unterkriegen lassen. „Das ist eine krasse Herausforderung“, sagt sie. „Aber ich glaube, dass ich ganz gut mit den Kids zurechtkomme.“ Die Situation sei nicht hoffnungslos.