Wanderfalken dürfen in Herne auf Strommast nisten
14.04.2010 | 11:00 Uhr 2010-04-14T11:00:00+0200
Herne.In Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern RWE hat das Herner Umweltamt jetzt drei Nistkästen für Wanderfalken aufgehängt: in luftiger Höhe von 40 Metern und zwischen Stromleitungen mit bis zu 220 Kilovolt Spannung.
Da baumelt er an einem dicken Seil: der neue Luxusbungalow für Falco peregrinus, den Wanderfalken. Etwa 50 mal 60 Zentimeter misst der rund 40 Kilo schwere Kasten, seine Metallhülle glitzert in der Sonne, darunter verbergen sich mehrfach verleimtes Holz und eine Isolierschicht – damit es der künftige Bewohner auch muckelig warm hat.
Der Wanderfalke wird etwa ein Kilo schwer, zwischen 30 und 50 Zentimeter groß, hat eine Flügelspannweite von mehr als einem Meter und soll sich mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h auf seine Beute stürzen.
Vor dem großzügigen Wohnraum erstreckt sich eine weitläufige Sonnenterrasse, vom Vogelimmobilienmakler auch Anflugbrett genannt: Wenn der Vogelnachwuchs zum ersten Mal sein Nest verlässt, soll er nicht gleich in die Tiefe fallen. „Ich brauch’ drei Schrauben“, ruft ein RWE-Mitarbeiter aus 40 Meter Höhe runter auf den Acker. Der Kasten ist oben angekommen, direkt über der (von oben gerechnet) ersten Traverse des insgesamt 43 Meter hohen Strommasten im Landschaftsschutzgebiet Voßnacken.
Drei Nistkästen in Herne
Nachdem das Falkenapartment ordentlich verschraubt ist, kommt noch die Auslegeware hinein: ein ganzer Sack feinster Quarz-Kies – „damit die Eier nicht rollen“, erklärt Martin Pawlicki vom Umweltamt. Drei Nistkästen dieser Art hat er in Zusammenarbeit mit dem zuständigen RWE-Projektleiter Hendrik Schulz in Herne installiert. „Herne ist landesweit, nach Gütersloh, die zweite untere Landschaftsschutzbehörde die so etwas macht“, sagt Pawlicki.
Wo genau die Kästen hängen, will er nicht an die große Glocke hängen, denn: „Der Wanderfalke hat nicht nur Freunde.“ Nachdem der Wanderfalke in NRW bereits so gut wie ausgestorben war, wurden zuletzt 120 Brutpaare gezählt, darunter auch ein Vogelpaar in einem bereits 1993 an einem Wanner Schornstein installierten Kasten. Was für die Naturschützer ein Riesenerfolg, ist anderen ein Dorn im Auge: „Es gibt Leute, die schießen auf Wanderfalken. Vor allem Taubenzüchter sehen den Raubvogel gar nicht so gern in der Nähe ihrer Tiere“, erklärt Pawlicki. Denn Tauben gehören, neben anderen Kleinvögeln wie Krähen oder Elstern, zum Speiseplan des Wanderfalken. Weil er in Wohnangelegenheiten eher faul ist und selbst keine Nester baut, andererseits aber große Höhen und ruhige Umgebungen bevorzugt, könnte so ein Strommast-Penthouse äußerst attraktiv für den prächtigen Greifvogel sein.
Nicht jeder Strommast ist dafür nutzbar
Dass nicht jeder Strommast für den Ausbau zum Wanderfalken-Wohnturm perfekt ist, weiß Hendrik Schulz von der RWE: „Der kleinste Abstand zwischen zwei Leiterseilen beträgt hier 3,60 Meter. Das ist groß genug, um zu verhindern, dass der Vogel mit beiden Schwingen ein Leiterseil berührt.“ Denn dann, drückt es Martin Pawlicki gleichermaßen drastisch wie anschaulich aus, „würde sich der Falke in einem Lichtbogen auflösen“.
Die drei neuen Kästen, zwei im Voßnacken und einer an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel, warten ab sofort auf neue Mieter. Dass die, wenn sie denn einmal eingezogen sind, durch Wartungsarbeiten nur selten gestört werden, dafür will RWE – quasi als Hausmeister – sorgen. Dass die Wanderfalken sich in ihrer Nachbarschaft auch wohl fühlen, darauf wollen die ehrenamtlichen Naturschützer der Stadt ein Auge, und ein Fernglas, haben: Willkommen, Wanderfalke.
21:33
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09:28
Zitat:
Wo genau die Kästen hängen, will er nicht an die große Glocke hängen, denn: „Der Wanderfalke hat nicht nur Freunde.“
und Zitat:
Die drei neuen Kästen, zwei im Voßnacken und einer an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel, warten ab sofort auf neue Mieter.
Toll gemacht, liebe WAZ-Redaktion, bravo :-0
Ansonsten: schönes Projekt, ich hoffe, die Falken bleiben ungestört.