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Wahrheit oder Karriere

15.10.2007 | 22:36 Uhr

Der Herner Autor Jan Zweyer hat sein zehntes Buch vorgelegt. Der historische Kriminalroman "Franzosenliebchen"geht einem Frauenmord in Herne zur Zeit der Ruhrbesetzung nach. Recherchen in Archiven und Bibliotheken

Herne im Januar 1923. Keine zwei Wochen ist es her, dass die Franzosen wegen ausstehender Reparationsleistungen das Ruhrgebiet besetzt haben, da wird in Börnig die Bergarbeitertochter Agnes Treppmann ermordet. Die in Verdacht geratenen französischen Soldaten werden freigesprochen, doch für die Reichsregierung in Berlin ist der Fall nicht erledigt. Sie schickt den jungen Beamten Peter Goldstein, der bald ins Visier der Besatzer wie der Widerstandskämpfer gerät . . .

Mit Peter Goldstein hat der Herner Autor Jan Zweyer nach Rainer Esch und Jean-Paul Büsing in seinem zehnten Buch eine Figur geschaffen, die wie ihre Vorgänger das Zeug zum widersprüchlichen Serien-Helden hat. "Franzosenliebchen" heißt Zweyers erster historischer Krimi, nach einem heute fast vergessenen Schimpfwort übrigens, mit dem deutsche Frauen belegt wurden, die mit den Besatzern zu "poussieren" wagten. Ihn habe die Zeit interessiert, sagt der studierte Sozialwissenschaftler, der im Hauptberuf für einen "Ruhrgebietskonzern" arbeitet, und mit ihr die Frage, "ob die Besetzung legitim war oder nicht". Um ein historisch stimmiges Umfeld für seine Geschichte bemüht, kniete sich Zweyer über Monate in die Recherche. Las Nazi-Abhandlungen vom Schlage "Ruhrgebiet in Ketten" und kommunale Geschichtsbücher wie "Recklinghausen unter französischer Besatzung", aus denen er gelegentlich ein Ereignis nach Herne verlegte. Ein paar künstlerische Freiheiten müssen sein, meint der Autor: "Ich sprenge auch die Bladenhorster Brücke."

Er findet es "spannend, ein Buch da spielen zu lassen, wo ich mich auskenne", sagt der seit zwölf Jahren in Teutoburgia beheimatete Zweyer. Gespräche mit Bewohnern des Stadtteils halfen ihm bei der Rekonstruktion des alten Herne wie das Stadtarchiv, wo er Zeitungsartikel abfotografierte, und das Katasteramt, das ihm Markscheiderkarten von 1923 besorgte. "Insgesamt habe ich zwei Jahre für die Recherche und den Schreibprozess gebraucht."

Entstanden ist trotz alledem eine "pralle Ermittlungsgeschichte", verspricht Jan Zweyers Dortmunder Verleger Rutger Booss, die Auftakt einer Trilogie sein könnte. Denn die Frage "Wahrheit oder Karriere?", der sich Goldstein in den 20er Jahren stellt, könnte ihn auch im Dritten Reich und in der Adenauerzeit beschäftigen.

Jan Zweyer:

Franzosenliebchen Grafit Verlag, 11 Euro www.jan-zweyer.de

Von Ute Eickenbusch

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