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Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung

29.07.2010 | 12:19 Uhr
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
Bekam selbst Post mit einer Drohung vor dem Jugendamt: die Arztfamilie Homayoun mit Dr. Stephanie Homayoun, Pascal, Chantal, Madelain und Dr. Mohammad Homayoun. Foto: Joachim Haenisch

Herne.Kinder sollen an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Tun sie das nicht, kann das Jugendamt eingeschaltet werden. Doch es gibt Probleme: Wegen der relativ neuen U7a-Untersuchung, die in veralteten Dokumentations-Heften noch gar nicht existiert.

Stephanie Homayoun staunte nicht schlecht, als sie im Januar den Brief des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit (LIGA) öffnete. Die LIGA warf der Herner Ärztin und dreifachen Mutter vor, dass sie bei ihrem drei Jahre alten Sohn Pascal die Vorsorgeuntersuchung U 7a nicht habe durchführen lassen. Sollte sie die fehlende Untersuchung nicht innerhalb von 14 Tagen nachweisen, werde die LIGA das Jugendamt informieren.

Nun ist es aber so, dass im Gelben Untersuchungsheft, das die Mutter für Pascal seit seiner Geburt führt, die U 7a gar nicht aufgeführt ist; nach der U 7 folgt dort direkt die U 8. Stephanie Homayoun ist hier kein Einzelfall. Livia Leichner, Kindergärtnerin in Herne, berichtet von weiteren Eltern, die Post von der LIGA erhalten haben. „Die Eltern sind aufgeregt wegen der Briefe. In ihren Untersuchungsheften fehlt die U 7a einfach“, stellt die Kindergärtnerin fest.

Des Rätsels Lösung: Die U 7a gehört seit 1. Juli 2008 auf Grund einer neuen Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Die Us dienen der Früherkennung von Krankheiten und zur Überprüfung des Entwicklungsstandes des Kindes. Gleichzeitig sollen sie auch helfen, mögliche Verwahrlosungen oder Misshandlungen aufzudecken. Die Us sind zwar nicht gesetzliche Pflicht, doch überprüft die LIGA seit September 2008, ob Eltern die Untersuchungen U 5 bis U 9 durchführen lassen.

Kassenärztliche Vereinigung sieht die Ärzte in der Pflicht

Stephanie Homayoun hat direkt auf den Brief reagiert und innerhalb von zwei Tagen einen Termin bei der Kinderärztin gemacht. „Man hat einfach Angst, dass die Daten an das Jugendamt weitergeleitet werden“, begründet sie ihren Schritt.

Bleibt die Frage: Warum werden Eltern nicht rechtzeitig über die U 7a informiert? Willi Schmidt, selbst Kinderarzt in Herne, sieht sich und seine Kollegen dazu weder in der Lage, noch in der Verantwortung: „Den Eltern Erinnerungen zu schicken, ist bürokratisch zu aufwendig“, sagt er. Schmidt sieht die Kassenärztliche Vereinigung-Westfalen-Lippe (KVWL) in der Pflicht : „Ich habe von der KV keine Info bekommen, ob und wann die Hefte ausgetauscht werden. Ich musste mir den Zettel mit der U 7a aus dem Internet runterladen und ihn den Eltern ins Heft legen“, beklagt der Kinderarzt.

Christopher Schneider von der KVWL bestätigt, dass die Ärzte selber tätig werden müssen: „Ein Arzt, der sich an uns wendet und neue Hefte anfordert, kriegt die neue Richtlinie beigelegt.“ Ihm ist bewusst, dass Ärzte wahrscheinlich erst dann neue Hefte anfordern, wenn sie ihren bisherigen Bestand aufgebraucht haben. Daher könnten Eltern auch heute noch Gelbe Hefte ohne einen Hinweis auf die U 7a vom Kinderarzt erhalten.

Mit einer Aktualisierung wäre das nicht passiert

Zuständig für Inhalt und Druck der Hefte ist die G-BA. Kristine Reis-Steinert von der G-BA geht davon aus, dass zeitnah zur Richtlinie neue Gelbe Hefte gedruckt wurden, „spätestens im Herbst 2008“. Dem widerspricht Schneider: „Bisher gibt es keine aktualisierten Hefte. Wir wissen auch nicht wann die kommen“, so der Pressereferent der KVWL. Trotz fehlender Neuauflage sieht Reis-Steinert die KVWL in der Verantwortung: „Die KVs müssen dafür sorgen, dass die Richtlinie umgesetzt wird.“

Fälle wie der von Stephanie Homayoun wären durch eine Aktualisierung der Gelben Hefte vermeidbar. Die Verordnung zum aufwendigen Datenaustausch zwischen Meldebehörden, Ärzten, LIGA und Jugendämtern trat zwei Monate nach Erlass der neuen G-BA-Richtlinie in Kraft. Eine Aktualisierung des Gelben Heftes ist innerhalb von zwei Jahren noch nicht gelungen.

Björn Bowinkelmann

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Kommentare
31.07.2010
07:41
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
von Der_Horsthausener | #10

Leute, regt Euch ab. Aber man kann nicht ethnische oder andere Maßstäbe ansetzen, um die Zielgruppen zu erreichen.
Migrantenkinder und sozialer Unterschichten müssen erreicht werden und nur so kann man dies umsetzen.
Da müssen aufmerksam und fürsorgende Erziehungsberechtigte, wie Sie es wohl offensichtlich sind, die Andersartigkeit aushalten.
Denken Sie auch mal an andere Kinder, wenn verwahrloste Eltern schon mit der Grunderziehung überlastet sind!

30.07.2010
09:39
Warnung vor dem Jugendamt
von Gerken | #9

Zudem ist dieses Thema doch auch nicht zum ersten Male in den Medien. Und das Ärzte das selber verpennen ...

Diese Maßnahme Überwachungsschwachsinn zu nenne finde ich allerdings sehr hämisch. Wie ist es denn überhaupt dazu gekommen??? Auslöser waren doch Fälle von Kindesmisshandlung und der öffentliche Schrei danach, dass so etwas der Staat doch frühzeitig feststellen müsse. Also dürfen wir jetzt nicht auf einmal von Überwachungswahn und faulen Beamten reden. Bleibt mal lieber ganz locker und seht diese Schreiben des Amtes als Erinnerung an einen Termin an und nicht als Drohung.

mfg
Gerken

30.07.2010
07:41
Warnung vor dem Jugendamt
von Michaela B. | #8

In den Praxisräumen der Kinder- und Jugendärzte hängen schon seit längerem Plakate die für die zusätzlichen Untersuchungen werben. Wir werden auch von unserem Kinderarzt angerufen wenn ein neuer Untersuchungstermin fällig ist! Also selber schuld kann ich da nur sagen wenn man Post bekommt!

30.07.2010
07:33
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
von Vorsichtige Mama | #7

Was ich nicht verstehe an der ganzen Sache ist das beide Eltern Ärzte sind die müßten das doch wissen oder? Vorallem weil sie auf der Geburtsstation im Marienhaus arbeitet bzw. gearbeitet hat. Sie ist auch bei dem gleichen Kinderarzt wie ich und wir sind vom Arzt selber darauf angesprochen worden. Meine Kinder sind im Gleichen Alter, waren auch im selben Kindergarten.

30.07.2010
00:08
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
von MaryJ | #6

Also im gelben Heft meines Jüngsten (geboren 24.7.2008) ist die U7a schon drin, es gibt also schon Aktualisierungen. Und die zusätzliche Untersuchung ging damals auch genug durch die Presse, jedenfalls bei uns. Ansonsten muss ich Nothingandnowhere zustimmen!

29.07.2010
20:22
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
von Claudia73 | #5

Auch wir sind von dieser Einrichtung angeschrieben worden. Unseren Termin konnten wir für unsere Tochter zur U 7a allerdings erst fünf Wochen später machen. Nach Rücksprache mit dieser Behörde war dies kein Problem. Die Leute waren dort sehr freundlich und kooperativ.

Wir finden es gut, dass man eine engmaschige Kontrolle der Kinder verlangt. Wie viele Eltern kümmern sich überhaupt nicht um ihre Kinder und würden Sprachstörungen, Hör- und Sehstörungen oder anderes nicht erkennen. Eine Früherkennung ist wichtig und in dem Alter entwickeln sich die Kinder rasant.

29.07.2010
17:38
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
von Nothingandnowhere | #4

Unser Kinderarzt hat uns ein türkis-weißes Heft gegeben, in dem die ganzen alternativen Untersuchungen drin stehen. Wo zum Henker ist also das Problem?

Ganz abgesehen davon halte ich diese Vorsorgeuntersuchungen ohnehin für ein zweischneidiges Schwert. Ja, Vorsorge ist wichtig, aber bitte nach aktuellen Erkenntnissen, nicht mit Größen- und Gewichtsperzentilen aus den 70ern (als Babys noch mit stärkereicher Flaschenmilch und schön Schmelzflocken bei fettgefüttert wurden und dementsprechend das Durchschnittsgewicht verfälschten)....

29.07.2010
17:14
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
von holmark | #3

EinOerer, so ist es. Nicht nur in Deutschland, auch in der EU gibt es viel zu viele Sesselpuper, die nichts Gescheites zu tun haben und deshalb ständig die Bürger mit neuem Schwachsinn drangsalieren.

Aber wir lassen uns das ja gern gefallen und schicken einen ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten als Beauftragten zum Bürokratieabbau nach Brüssel - und hören und sehen danach nichts mehr von ihm.

29.07.2010
16:57
Vorsorgeuntersuchung 7a sorgt für Verwirrung
von EinOerer | #2

Der Bürokratieirrsinn in diesem Land nimmt immer mehr satirische Züge an.......
Man könnte daraus schließen, dass es eine gewaltige Anzahl völlig überflüssiger Beamter hier gibt - und das die das gemerkt haben. Und aus lauter Angst, dass es sonst noch jemand merken könnte, wird täglich ein neuer Verordnungsschwachsinn erfunden, um irgendwie die eigene (Beamten-) Existenz zu rechtfertigen.......

29.07.2010
12:57
Warnung vor dem Jugendamt
von Gehmichweg | #1

Haben wir in Deutschland keine anderen Probleme? Das ist doch nun keine Sache um dies so aufzubauschen. Ist es tatsächlich eine Überforderung für einen Arzt ins U Heft einen Hinweis beizulegen, den er aus dem Internet geladen hat? Das könnte unter Service am Patienten laufen. Also etwas mehr Gelassenheit bitte.

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