Vor 50 Jahren kam Kanzler Ludwig Erhard

Bundeskanzler Ludwig Erhard besuchte vor 50 Jahren die Zeche Friedrich der Große.
Bundeskanzler Ludwig Erhard besuchte vor 50 Jahren die Zeche Friedrich der Große.
Was wir bereits wissen
Der Mann mit der ewig qualmenden Zigarre besuchte vor 50 Jahren denSchacht 6 von „Friedrich der Große“. Die Kohlenkrise nahm trotzdem ihren Lauf.

Herne..  Als am 2. April 1965, vor 50 Jahren also, eine Fahrzeugkolonne mit einem weißen Polizeiporsche mit den Kennzeichen D-3909 an der Spitze das Zechengelände an der Ilseder Straße befährt, hatte der inzwischen 64-jährige Bergwerkschef ein großes Ziel erreicht: Bundeskanzler Ludwig Erhard und Ministerpräsident Franz Meyers wollen den neuen Schacht 6 von „Friedrich der Große“ besuchen.

Doch Werksleiter Helmuth Heintzmann wird danach bitter enttäuscht, denn der Kanzler und seine Regierung halten das auf „Piepenfritz“ gegebene Versprechen, 140 Millionen Tonnen Ruhrkohle im Jahr abzunehmen, nie ein. Die Kohlenkrise im Revier nimmt ihren Lauf.

Mit dem neuen Schacht 6, der einst 75 Millionen Mark (37,5 Mio. Euro) gekostet hatte, wollte die Muttergesellschaft Ilseder Hütte den Erhalt des Herner Pütts über weitere Jahrzehnte hinaus sichern. Die Stadt Herne stand damals den Erweiterungsplänen des niedersächsischen Stahlkonzerns, zu dem „Piepenfritz“ einst gehörte, skeptisch gegenüber, denn am Rande des Werksgeländes sollte die lange geplante OWIII, eine Umgehungsstraße (die heutige A 42), vorbeiführen.

Schließlich korrigierten die Planer die Trassenführung ein wenig, so konnten bereits Mitte der 1950er-Jahre die vorbereitenden Arbeiten zum Abteufen des „Großen Fritz“, wie Werksleiter Heintzmann den Schacht in seiner letzten Rede im Dezember 1966 vor seiner Pensionierung bezeichnete, fortgesetzt werden. Bis zur ersten Seilfahrt dauerte es aber noch bis zum 1. Februar 1966. Damit war aber auch das Schicksal der Schächte 1 und 2 an der Werderstraße besiegelt. Nun begann hier der Abriss der Anlage, die seit 1870 bestand.

Nazis wollten Bergwerk sprengen

Dabei hatte das Ende des Herner Pütts schon vor 70 Jahren vor der Tür gestanden, denn Pioniere der Wehrmacht und SS-Einheiten wollten hier Ende März 1945 den sogenannten „Nerobefehl“ aus Berlin umsetzen. Alle wichtigen Werke und Betriebe sollten nämlich den einrückenden Alliierten nur als „verbrannte Erde“ in die Hände fallen. Die Konzernleitung in Peine bewies Weitblick und versuchte nun das Schlimmste zu verhindern, sie beauftragte daher Betriebsdirektor Helmut Heintzmann, der seit 1937 der Herner Werksleitung angehörte, und Fahrsteiger Wilhelm Kunz, mit einer heiklen Aufgabe – sie sollten die beiden Anlagen vor der Zerstörung retten. Daher scharten Heintzmann und Kunz jeweils 40 Kumpels um sich, rüsteten sie mit alten Flinten und Jagdgewehren aus, die Sprengkommandos konnten vertrieben werden. Ein gefährliches Unterfangen, denn bei diesem Einsatz starb nachweislich ein Kumpel. Es war der damals 30-jährige Johann Wilhelm Märker, der aus Übach-Palenberg stammte. Später wurde er in seiner Heimat beigesetzt.

Die örtliche Parteileitung ließ nun Heintzmann und Kunz am 1. April 1945 verhaften. Am Tag zuvor hatten die Amerikaner mit dem Beschuss der Zechenanlagen in Horsthausen begonnen. Ein Beobachter lenkte vom Schacht 5 aus den Einsatz. Auch die Kanalbrücke an der Ludwigstraße wurde in jenen Tagen vollkommen zerstört. Erst am 9. April endeten die Kämpfe, die Alliierten marschierten in Herne ein.

Heintzmann und Kunz wurden aber kurz nach ihrer Verhaftung vor ein Sondergericht gestellt und zum Tode verurteilt. Ein Bewacher ließ sie jedoch frei. Tagelang versteckten sich danach die beiden Verurteilten in Herner Kellern, bevor sie am 8. April wieder zu ihren Familien und zu ihrem Pütts zurückkehrten.

Helmuth Heintzmann wurde danach von den Alliierten mit der Leitung von „Friedrich der Große“ und den Castroper Schachtanlagen „Victor“ und „Ickern“ betraut. Von 1948 bis 1966 war er Chef von „Piepenfritz“. Er starb 1979 im bayrischen Tutzing