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Von der Waldschule zur Privatschule

20.05.2012 | 08:00 Uhr
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Von der Waldschule zur Privatschule
Unter Denkmalschutz: die Waldschule an der Wiescherstraße in Constantin. Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool

Herne.   Im Sommer läuft die Waldschule aus. Am 5. Juni muss der Rat entscheiden, ob das Grundstück an den Betreiber eines Nachhilfeinstituts verkauft wird. Dieser will in dem Gebäude eine Privatschule einrichten.

Nur noch 21 Mädchen und Jungen besuchen zurzeit die Waldschule in Constantin; unterrichtet werden sie von drei Lehrern. Mit den Sommerferien läuft die Gemeinschaftsgrundschule aus Mangel an Schülern aus. Das 1907 errichtete und 1994 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude soll aber weiterhin ein Ort des Lernens bleiben: Ein Bildungs- und Nachhilfeinstitut aus der Region will in den alten Gemäuern eine Privatschule eröffnen.

Nach WAZ-Informationen soll es eine weiterführende Schule werden, die Schüler auch bis zum Abitur führen soll. Eine Gewinnorientierung soll dabei im Vordergrund stehen, so war zu hören. Los gehen soll es – mit begrenzter Schülerzahl – nach den Sommerferien.

Voraussetzung wäre allerdings, dass der Rat am 5. Juni in nicht öffentlicher Sitzung dem Vorschlag der Verwaltung folgen und grünes Licht für den Verkauf der Waldschule bzw. des 3500 qm großen Grundstücks an der Wiescherstraße geben wird. Nach WAZ-Informationen steht das Grundstück für eine niedrige sechsstellige Summe zum Verkauf. Der potenzielle Käufer, ein Herner, hielt sich auf Anfrage bedeckt. Vor dem Verkauf wolle er über Details nicht öffentlich Stellung nehmen, sagte er.

Die zuständige Schulaufsicht der Bezirksregierung Arnsberg bestätigte, dass es Gespräche mit dem Bildungsinstitut gegeben hat. Genehmigungspflichtig wäre die Privatschule nur, wenn sie als so genannte „Ersatzschule“ geführt werde, so eine Sprecherin. Wenn sie dagegen den Status einer „Ergänzungsschule“ erhalten soll (was hier offenbar der Fall ist), wäre sie nur anzeigepflichtig.

Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff reagierte gelassen auf die Pläne: Für die Herner Schulen sei dies wohl keine direkte Konkurrenz, sagte sie der WAZ. Sie hätte es aber begrüßt, wenn das Bildungsinstitut nicht nur mit der Abteilung Liegenschaften verhandelt hätte, sondern im Vorfeld auch das Gespräch mit der Schulverwaltung gesucht hätte.

Der Kaufinteressent, mit dem die Stadt offenbar bereits weitgehend Einigkeit erzielt hat, müsste im Gegenzug für den Erwerb des im Landschaftsschutzgebiet liegenden Grundstücks eine Reihe von Verpflichtungen eingehen. So dürften bauliche Veränderungen nur in enger Abstimmung mit der Stadt erfolgen. Und: Eine Nutzung auf dem Grundstück z.B. durch Spielhallen und Peepshows wird streng untersagt. Würde der Käufer innerhalb der nächsten zehn Jahre gegen Auflagen verstoßen, ginge das Grundstück zum jetzigen Kaufpreis zurück an die Stadt.

Auch über die Folgenutzung folgender Schulen müssen sich Stadt und Politik Gedanken machen: Grundschule Dannekamp (bereits frei gezogen), Janosch-Förderschule Bismarckstraße (zieht spätestens 2014 in die auslaufende Overwegschule), Grundschule Görresstraße (läuft 2014 aus), Grundschulen Langforthstraße und Regenbogenschule (Fusion 2013 in der Hauptschule Jürgens Hof), Hauptschule Königin-Luise (läuft 2013 aus). Die Hauptschule Gustav-Adolf läuft aus, es ist jedoch eine schulische Folgenutzung geplant. Die Freiherr-vom-Stein-Hauptschule wird ab 2012 durch das Berufskolleg Steinstraße genutzt; das Nebengebäude Manteuffelstraße wird aufgegeben. Auch fürs Nebengebäude der Josef-Grundschule an der Karlstraße gibt es perspektisch keine Verwendung mehr.

Redaktion

Kommentare
25.05.2012
19:21
Von der Waldschule zur Privatschule
von Texterinforkids | #2

Das nenne ich Engagement für die Bildung und die Region - immerhin wird der Stadt ja wohl die Fürsorge für ein denkmalgeschütztes Gebäude abgenommen, oder? Ich frage mich allerdings, wieso im Artikel stattdessen die "Gewinnorientierung" in den Vordergrund gestellt wird. "Verlustorientierung" können sich allenfalls öffentliche Institutionen leisten, eine Zeitung auch nicht.

20.05.2012
10:53
Und wieder wurde versäumt, die Bürger über die wahren Hintergründe aufzuklären denn
von Tante.Otti | #1

jeder Bürger hätte sich schon alleine bei einem abgekürzten Vornamen des mutmaßlichen Käufern denken können, welche Art von Bildungsinstitut bzw. Ersatzschule dort untergebracht wird.

Egal, Rotkäppchen als Hauptfigur eines urdeutschen Märchens trug auch als Kind ein rotes Kopftuch...

2 Antworten
Von der Waldschule zur Privatschule
von HubiHerne | #1-1

Wer braucht so eine Privatschule in Herne??? Niemand. Es gibt genug genug gute Schulen hier.

Zitat: Eine Gewinnorientierung soll dabei im Vordergrund stehen, so war zu hören.
von Tante.Otti | #1-2


Bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis die unterrichteten "Bildungsfächer" und deren Inhalt auch der umliegenden Gesellschaft bekannt wird.

Vor allem spricht es ja für einen transparenten Vorgang...die betretenen Gesichter derer, die im Nachgang wieder von nichts geahnt oder gewusst haben, kennen wir leider schon alle :-/

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