Vom Flüchtling zur Anwältin: Nizaqete Bislimi las in Herne

Nizaqete Bislimi  bei ihrer Lesung in Herne.
Nizaqete Bislimi bei ihrer Lesung in Herne.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Autobiografie „Durch die Wand“ schildert, wie das Mädchen aus dem Kosovo in der deutschen Gesellschaft ankam.

Herne..  Menschen wie sie werden gerne als Vorbilder angeführt. Mit Fleiß und Ausdauer, heißt es dann, schafft es auch ein Flüchtlingskind in die Mitte der Gesellschaft. Nizaqete Bislimi hat so eine beeindruckende Biografie vorzuweisen. Sie kam mit 14 Jahren mit ihrer Familie aus dem Kosovo, arbeitete sich von der Auffangklasse bis ins Jurastudium hoch und ist heute Anwältin für Ausländerrecht in einer Essener Kanzlei. Im fast vollen VHS-Saal gab sie am Montag mit Passagen aus ihrem Buch „Durch die Wand“ und im Gespräch Einblicke in ihr Leben.

Wenn sie heute Asylbewerbern gegenübersitzt, weiß sie, wie diese sich fühlen. Denn sie selbst hat 13 Jahre lang als „Geduldete“ gelebt und die damit verbundenen Diskriminierungen erfahren, angefangen beim Einkauf mit Gutscheinen: „Das war extrem erniedrigend“, sagt Bislimi, unterschieden sich sie und ihre Schwestern von ihren Klassenkameradinnen ohnehin durch ihre „komischen Klamotten von der Caritas“. Dass sie als Flüchtling mit auf Klassenfahrt nach London fahren durfte, verdankte Nizaquete der Hartnäckigkeit ihrer Lehrerinnen, die ein Visum für sie erkämpften.

Genauso entschlossen setzte sich die junge Frau selbst über alle Wände hinweg, die sich ihr in den Weg stellten. „Uns ging es gut“, sagt sie über ihre Kindheit im Kosovo, bevor die Familie vor dem Krieg flüchtete, aus Angst als Minderheit - die Mutter Romni, der Vater Ashkali - zwischen die Fronten zu geraten. Trotzdem: für die 14-Jährige war die Flucht „ein großes Abenteuer“.

Schon im Kosovo hätten die Schwestern gute Noten nach Hause gebracht, in Oberhausen wechselte Nizaquete („Ich wollte diese kompliziert lautende Sprache so schnell wie möglich lernen“) schon nach wenigen Monaten auf die Gesamtschule, wo sie 1998 das Abitur ablegte. Zu dieser Zeit hatte sie immer noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, den erstritt sie erst 2006 als Referendarin.

Die Zuhörer folgten ihr mit Interesse und hakten immer wieder nach, auch zu Bislimis Haltung zur Flüchtlingslage. „Die aktuelle Diskussion macht mir große Sorgen“, antwortete diese und meinte damit vor allem die Gesetzesverschärfungen. „Wir bewegen uns rückwärts.“ In einem allerdings ist sie sich einig mit der Kanzlerin: „Ich bin sicher, dass wir das schaffen werden.“