Vier Herner Fußballplätze stehen vor dem Aus

Auch der Kunstrasenplatz Reichsstraße steht auf der roten Liste. Der DSC Wanne-Eickel könnte zum Stadion Wanne umziehen, so der Vorschlag.
Auch der Kunstrasenplatz Reichsstraße steht auf der roten Liste. Der DSC Wanne-Eickel könnte zum Stadion Wanne umziehen, so der Vorschlag.
Foto: MARTIN KERSTAN PHOTOGRAPHY / FUN
Was wir bereits wissen
Voraussichtlich vier Herner Fußballplätze sollen aufgegeben werden. Das fordert ein vom Sportausschuss eingesetzter Runder Tisch.

Herne..  Ende 2013 haben Verwaltung und Politik mit Blick auf rückläufige Mitgliederzahlen in Vereinen erstmals über die Aufgabe von Fußballplätzen in Herne nachgedacht. Nun wird es ernst.

Der vom Sportausschuss eingesetzte „Runde Tisch Fußballsport“ mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Stadtsportbund und Fußballsport hat in nicht öffentlichen Sitzungen unter Federführung der Sportwissenschaftler Professor Horst Hübner und Oliver Wulf von der Universität Wuppertal einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Dieser sieht bis 2019 die Schließung von mindestens vier Plätzen vor.

Und diese Anlagen sollen laut dem (der WAZ vorliegenden) Katalog aufgegeben werden:
– Reichsstraße in Eickel:Der DSC Wanne-Eickel soll zum Stadtion Wanne umziehen, wo ein Ascheplatz Kunstrasen erhalten soll. Der bestehende Kunstrasen auf der Reichsstraße müsste nach Angaben der Verwaltung 2019/20 erneuert werden.
– Wiesenstraße und Gartenstraße (Horststadion) in Holsterhausen: Die Standorte sollen zusammengelegt werden, der verbleibende Platz soll Kunstrasen erhalten. Dieser Vorschlag sei von den Vereinen Armina und SV Holsterhausen selbst an die Verwaltung herangetragen worden, heißt es.
– Schaeferstraße I & II in Herne-Mitte: Einer der beiden Plätze soll aufgegeben werden. Am verbleibenden Standort soll Kunstrasen verlegt werden.
– Forellstraße in Baukau: Der Platz soll aufgegeben werden; gleichzeitig soll das Stadion Strünkede einen Kunstrasen und ein neues Jugendspielfeld bekommen. Die über das Kommunalinvestionsprogramm des Bundes zu finanzierende Maßnahme ist bereits in der konkreten Planung.

Damit nicht genug: Auch für die beiden laut dem Runden Tisch „sehr schlecht ausgelasteten“ Plätze Görresschule und Stratmanns Hof soll eine Zusammenlegung geprüft werden. Für den Fußballplatz an der Franzstraße müsse die Auslastung verbessert oder eine Aufgabe geprüft werden.

Wie geht es nun weiter? Zunächst gehe der Katalog in den Verwaltungsvorstand, berichtet auf Anfrage SPD-Ratsherr Kai Gera, der Vorsitzender sowohl des Sportausschusses als auch des Runden Tisches ist. „Anschließend wollen wir den Maßnahmenkatalog in einer öffentlichen Veranstaltung den Vereinen vorstellen.“ Nach einer Aufbereitung durch die Verwaltung stünden dann am Ende die politischen Beeschlüsse in den zuständigen Gremien.

Das soll möglichst zeitnah geschehen, denn: Eigentlich sollte das Paket schon 2015 verabschiedet werden, doch unter anderem durch den Rechtsstreit um die Belegung des Fußballzentrums Horsthausen verschob sich der Zeitplan.

Der Katalog wurde von den Vertretern der Ratsfraktionen einstimmig verabschiedet; die Linke enthielt sich. Veronika Buszewski (Linke) hatte bereits im Rat in der Debatte um das „Handlungskonzept Wohnen“ kritisiert, dass es der Stadt bei der Aufgabe von Sportplätzen auch darum gehe, „Filetstücke“ für die Wohnbebauung zu erschließen.

Kai Gera weist dies entschieden zurück. Die Bedarfsanalyse von Professor Hübner habe 2013 bewiesen, dass aufgrund der schwachen Auslastung von Anlagen und der rückläufigen Zahl der aktiven Kicker Handlungsbedarf bestehe. Dass bei der Aufgabe auch eine mögliche Verwertung des Grundstücks als ein Kriterium herangezogen werde, sei legitim.

Starker Mitgliederrückgang, großer Sanierungsbedarf

Bis 2020 werde es in Herne rund 5000 junge Fußballer unter 25 Jahren weniger geben. Das geht aus der 2013 im Auftrag der Stadt von Sportsoziologen der Universität Wuppertal erstellten Bedarfsanalyse vor.

Seit 2006 sind die Mitgliederzahlen bei Jungen unter 19 Jahren um mehr als ein Viertel gesunken. 17 von 38 Vereinen haben schon keine Jugendabteilung mehr. Hinzu komme, dass viele der 31 Fußballplätze auf den 22 Anlagen sanierungsbedürftig seien.

Die Bewertungen der anderen Fußballplätze

Und zu diesen Ergebnissen kommt der Maßnahmenkatalog für die anderen Fußballplätze in Herne:
– Gelsenkirchener Straße: Heir seien keine aktuellen Maßnahmen notwendig.
– Cranger Straße: Der Standort sei derzeit leicht unterdurchschnittlich ausgelastet. Aktuelle Maßnahmen seien jedoch nicht notwendig. Eine Aufgabe wäre auch nicht ohne Weiteres möglich, weil die Umkleidegebäude aus dem Kommunalpaket II finanziert worden sind (Zweckbindungsfrist von 15 Jahren).
– Hauptstraße, Wilhelmstraße, Emscherstraße: Hier bestehe kein Handlungsbedarf; alle Standorte seien mit Kunstrasenplätzen ausgestattet und wiesen hohe Auslastungen auf.
– Schadeburgstraße: Der Verein VfB Börnig hat 2015 überwiegende aus eigenen Mitteln einen Kunstrasenplatz errichtet. Aktuelle Maßnahmen seien nicht notwendig.
– Bladenhorster Straße: Auch hier sieht der Runde Tisch keine Notwendigkeit, einzugreifen – auch wenn der Stnaodrt momentan „unterdurchschnittlich“ ausgelastet sei.
– Volkspark: Hier bestehe ebenfalls kein Handlungsbedarf; der SV Sodingen könne noch auf das Jugendspielfeld im Stadion Sodingen zurückgreifen.
– Voßnacken: Es sei eine Auslastungsvcerbesserung anzustreiben, so der Runde Tisch. Das Gremium weist darauf hin, dass an diesem Standort 2010 ein neues Vereinsheim entstanden sei.
– Vödestraße: Eine mittlere Auslastung bescheinigen die Verantwortichen der Anlage. Akutelle Maßnahemn seien nicht erforderlich.
– Bergstraße: Der stark ausgelastete Platz soll 2017 einen neuen Kunstrasen erhalten.
– Wiescherstraße: Für den auf Bochumer Stadtgebiet liegenden Platz sei eine Auslastungsverbesserung anzustreben, heißt es. Hintergrund: Die Stadt bereitet zurzeit die Erneuerung der Flutlichanlage vor; ein Bauantrag in Bochum ist eingereicht worden.
– Fußballzentrum Horsthausen: Der Runde Tisch sieht keinen Handlungsbedarf für diese neue Anlage.
– Pantrings Hof: Für den von der Emschergenossenschaft angemieteten Standort sei eine Auslastungsverbesserung anzustreben.