Vielfalt sorgt für ein Plus bei Anmeldungen

„Ein Leben lang lernen!“ Für einige eher ein Gräuel, für die Mehrheit aber ein Wunsch, der zumeist an der fehlenden Zeit scheitert. Festgelegte Termine ohne Wahlmöglichkeiten verhindern oft das Verlangen nach mehr Bildung, nach der Erweiterung des eigenen Horizonts, nach Lernen in der Gemeinschaft. Hier aber setzt die Volkshochschule Herne/Wanne-Eickel an. Im umfangreichen VHS-Angebot kann sich jeder „seinen“ Kurs suchen, passgenau auch für Schüler, Studenten, Teilzeit-Eltern, im Schichtdienst Beschäftigte oder Menschen im Ruhestand. Und: Die Volkshochschule beschränkt sich nicht auf ihre „Stammsitze“ an der Wilhelmstraße in Wanne-Eickel und im Kulturzentrum, sondern bietet Kurse in den unterschiedlichen Stadtbezirken an. Über die Arbeit und Aufgaben der VHS sprachen wir mit Heike Bandholz (55), seit Sommer 2010 Leiterin der kommunalen Weiterbildungseinrichtung.

Die Anmeldezahlen steigern kontinuierlich an. Wie kommt’s?

Bandholz: Für mich ist unsere Angebotsvielfalt der Schlüssel. Bei uns kann der Schulabschluss nachgeholt, der lädierte Rücken gestärkt und das Lieblingsessen gekocht werden. Zudem aktualisieren wir unser Programm kontinuierlich, um am Puls der Zeit zu sein. Ein Beispiel sind Angebote zu Stressprävention und Stressmanagement im Job oder zum Thema Achtsamkeitstraining. Hier steigt die Nachfrage zunehmend. Das trifft auch auf unsere Kurse am Wochenende zu. Hier sehen viele eine willkommene Möglichkeit, sich jenseits des Berufsalltags Zeit zu nehmen für persönliche Interessen wie das Erlernen einer Fremdsprache, die Vervollkommnung von EDV-Kenntnissen oder Kreativtechniken. Auch unsere einwöchigen Bildungsurlaube als Angebot, sich in kompakter Form Kenntnisse anzueignen, sind gefragt. Wir hatten sogar schon einen Teilnehmer aus Freiburg. Denn „Chinesisch für den Beruf“ wird natürlich nicht überall angeboten. Im aktuellen Semester, das noch bis zum 26. Juni andauert, zählen wir 7 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Wie finanziert sich die VHS?

In der Hauptsache durch die Entgelte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zum Teil arbeiten wir in unseren Maßnahmen mit Mitteln der Bundes oder auch des Europäischen Sozialfonds. Und es gibt neben dem kommunalen Beitrag die Förderung des Landes nach dem Weiterbildungsgesetz. Davon werden u. a. die Gehälter von zurzeit 15 festangestellten Mitarbeitern bezahlt. Und die Honorare der rund 300 Dozentinnen und Dozenten, die pro Semester bei uns tätig sind.

Haben Sie Probleme, Dozentinnen oder Dozenten zu finden?

Nein, überhaupt nicht. Mich erreichen ständig Initiativbewerbungen. Unser Team der Dozentinnen und Dozenten ist nicht nur hoch qualifiziert, sondern identifiziert sich mit den Aufgaben. Die wichtigsten sehe ich nach wie vor in der Integration, der beruflichen Weiterbildung und der Grundbildung bis hin zu anschlussfähigen Schulabschlüssen.

Wie vernetzt ist die VHS in der Stadt?

Wir kooperieren mit städtischen Dienststellen. Wir bieten Fortbildungen für Beschäftigte der Stadtverwaltung an. Wir kooperieren u.a. mit der Martin-Opitz-Bibliothek, dem Eine-Welt-Zentrum, der Caritas, dem Ev. Kirchenkreis, dem Dekanat Herne, mit Moscheevereinen und der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen. Für Unternehmen der Herner Wirtschaft bieten wir passgenaue Inhouse-Seminare an. Die Mitarbeiterschulung in einer gewünschten Fremdsprache, etwa mit dem Gesundheitssektor als Spezifikum, ist hierfür ein Beispiel.

Gibt’s mal Beschwerden, wenn Kurse zu früh ausgebucht sind?

Weniger. Denn soweit möglich doppeln wir Kurse. Das heißt, wir richten einen weiteren Kurs gleichen Inhalts ein. Im laufenden Semester haben wir die stärkste Nachfrage im Bereich Gesundheit & Bewegung, gefolgt vom Kochen, der kulturellen Bildung sowie der Beruflichen Bildung/EDV und natürlich in den Integrationskursen. Ein Alleinstellungsmerkmal unserer VHS ist übrigens das Angebot seltener Sprachen. So lernen in einem Japanisch-Kurs auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Gelsenkirchen, Bochum oder Recklinghausen mit. Der Kurs in einer Fremdsprache jenseits des „Mainstreams“ hat damit die Chance, auch durchgeführt zu werden.

Wer jetzt Interesse bekommen hat - wann beginnt denn das neue Semester?

Die Anmeldungen beginnen am 10. August 2015. Sie sind schriftlich, per Fax, im Internet oder telefonisch möglich. Zwei Tage zuvor, am 8 August, liegt unser neues Programmheft der WAZ bei, anschließend ist es in den Rathäusern und vielen öffentlichen Stellen zu finden. Das Semester startet dann am 31. August und dauert bis zum 15. Januar 2016.