Verrückter Polizist auf Mission sammelt für gute Zwecke

Bobby zu Besuch: Andy Seery (Mitte) auf der Wache in Wanne mit Henning Uebel und Kathrin Hegel.
Bobby zu Besuch: Andy Seery (Mitte) auf der Wache in Wanne mit Henning Uebel und Kathrin Hegel.
Foto: Martin Tochtrop
Was wir bereits wissen
Andy Seery (47) bewegt ein rollendes Krankenbett über 2500 Kilometer von Birmingham bis nach Posen. Er sammelt dabei Geld.

Herne..  Ein freundlicher Bobby auf den Straßen Londons war er einmal, wahrscheinlich sogar ein sehr freundlicher. Doch seit seinem schweren Motorradunfall ist Andy Seery pensioniert. Und seit seiner Genesung quasi im Namen des Herrn unterwegs. Mit einem fahrbaren Krankenbett, das er ziehen, aber auch als Fahrrad benutzen kann.

Es ist eine Mission, die den 47-Jährigen seit 2010 auf die Reise führt. Seitdem er wieder gesund ist – er war nach einem Motorrad-Unglück vor sieben Jahren sogar halbseitig gelähmt – hilft er einem Kinderkrankenhaus und bedürftigen Veteranen der britschen Armee auf äußerst ungewöhnliche Art. Das umgebaute Krankenbett ist ein „Eyecatcher“, wie der Brite sagt, die Leute bleiben stehen, fragen, was das soll, und lachen. Denn der Riesenteddy, den Andy Seery durch die Lande kutschiert, hängt zwar am Tropf, aber der ist aus einer – leeren – Flasche Wodka hergestellt. „Mad cop“ wird er in seiner Heimat genannt, verrückter Polizist. Ob Seery die Flasche mit seinem Freund Henning Uebel (41) ausgetrunken hat oder mit jemand anders auf der langen Wegstrecke von Birmingham bis ins polnische Posen, wen interessiert das schon. Jedenfalls haben sich Uebel und Seery im Lauf der Jahre angefreundet, und der englische Gast ist ein gern gesehener, wenn er sich mal wieder in Wanne-Eickel anmeldet. Ein paar Tage bleibt er hier, dann geht’s weiter nach Werne, dort ist Halbzeit auf der 2500 Kilometer langen Strecke. „Herne ist eine freundliche Stadt“, sagt der freundliche Polizist.

Natürlich kann er nicht die direkte Strecke nehmen und demonstriert, dass Deutsch immer mehr in die englische Sprache einfließt: „I can’t go highways, I go zickzack.“ Er rappelt nicht mit der Spendenbox, er wartet lieber, bis die Leute fragen, ob sie spenden dürfen. Und er arbeitet mit einer Reihe von Sponsoren zusammen. Einer von ihnen ist Peter Meinken von der gleichnamigen Alten Drogerie, „Drugstore Meinken“ heißt es entsprechend auf einem Aufkleber, der am rollenden Bett klebt.

Ob Kinder, die im Hospital in Birmingham leben oder Kriegs-Veteranen aus Afghanistan, die verletzt oder psychisch krank sind und teilweise auf der Straße leben müssen: Seery liegt deren Schicksal am Herzen. Er sagt aber auch: „Meine Mission ist Geld zu sammeln, und nicht, die britische Regierung zu kritisieren. Nach seiner Pensionierung will er nicht rasten und rosten, sondern sich engagieren. „Meine Losung lautet: Das Leben wird nicht an seiner Länge gemessen, sondern daran, wie man es nutzt.“ Wirklich hart an seiner Tour sei nur, dass er seine elfjährige Tochter sehr vermisst. Dass er manchmal müde werde, sei dagegen „no problem“. „Dann lege ich mich einfach in mein Bett.“