Urteil - Vier Jahre Haft für den Kinderquäler aus Herne

Zum Prozessbeginn versteckte der Angeklagte (34) sein Gesicht hinter einer Akte. Mit im Bild: Sein Anwalt Wolfgang Bruch.
Zum Prozessbeginn versteckte der Angeklagte (34) sein Gesicht hinter einer Akte. Mit im Bild: Sein Anwalt Wolfgang Bruch.
Foto: Werner von Braunschweig, Archiv
Was wir bereits wissen
Ein Kinderquäler aus Herne muss vier Jahre hinter Gitter und 20.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Er hatte den Sohn (3) seiner Ex-Freundin misshandelt.

Bochum/Herne.. Versteinerter Blick, hängende Schultern, die Hände zu Fäusten gepresst: Der Peiniger (34) des kleinen Jamie aus Herne zeigte am Mittwoch keine Regung, als er sein Urteil entgegennahm: Vier Jahre Haft für einen Gewaltexzess – geprägt von unfassbarer Brutalität und gefühlloser Gesinnung.

Als die Richter des Bochumer Jugendschutzgerichts das Urteil verkündeten, war es mucksmäuschenstill im Saal. „Es war ein Martyrium für den kleinen Jamie“, sagte Richterin Hadwig Noesselt. „Ein zierliches, zartes Kind“ sei im Sommer 2014 auf grausame Weise misshandelt worden. Zum Repertoire des Mannes auf der Anklagebank gehörten laut Urteil u. a. eiskaltes Abduschen, Schläge ins Gesicht, Würgeattacken und Verbrennungen durch ein Feuerzeug. Als der Dreijährige in die Klinik kam, war er grün und blau geprügelt und praktisch blind. Es bestand akute Lebensgefahr.

"Der Junge war doch selbst schuld"

Auch die Mutter von Jamie wurde laut Urteil geschlagen, eingeschüchtert und bedroht. Sie war dem 34-Jährigen, der erst kurz zuvor in ihre Horsthauser Wohnung eingezogen war, offenbar hilflos ausgeliefert. Die 21-Jährige hat das Sorgerecht verloren, auch gegen sie wird ermittelt. Jamie, dem es körperlich wieder gut gehen soll, lebt heute bei seinem leiblichen Vater.

Der Angeklagte hatte sich auf einen Drogen-Blackout berufen. Einige Vorwürfe hatte er nach dem Motto „Der Junge war doch selbst schuld“ abgeschwächt. Das von ihm vor Gericht dargebotene Selbstmitleid sei „unerträglich“ gewesen, hieß es. Die Richterin in Richtung des Angeklagten: „Während wir die Fotos von einem misshandelten Kind angesehen haben, erzählen Sie uns, wie schlimm es ihnen mit der Wäsche gegangen ist.“

20.000 Euro Schmerzensgeld

Einen Großteil der Haftstrafe soll der Kinderquäler nun in einer geschlossen Therapieeinrichtung absitzen. „Er muss sein Drogenproblem in den Griff kriegen“, sagte Verteidiger Wolfgang Bruch. „Das ist die einzige Chance, die er noch hat.“

Mit der Vier-Jahre-Haftstrafe sprachen die Richter die erstinstanzliche Höchststrafe gegen einen Erwachsenen an einem Amtsgericht aus. Zivilrechtlich verurteilten sie den 34-Jährigen parallel zur Zahlung von 20.000 Euro Schmerzensgeld. „Jamies Familie hätte sich am Ende sogar eine noch höhere Strafe gewünscht“, sagte Opferanwältin Bettina Klett.