Unternehmen nutzt Herner Schule als Reklameplattform

Bei der Veranstaltung "speed4" in der Sporthalle der Max-Wiethoff-Grundschule sollten die Schüler einen Slalom-Parcours in kurzer Zeit absolvieren.
Bei der Veranstaltung "speed4" in der Sporthalle der Max-Wiethoff-Grundschule sollten die Schüler einen Slalom-Parcours in kurzer Zeit absolvieren.
Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Schulfremde Übungsleiter, Sponsoren als Finanziers, Medaillenübergabe im Autohaus: Ein Schweizer Unternehmen betreibt Werbung in Herner Grundschulen.

Herne.. Der Mann nennt sich „Motivator“. Jan (37, seinen Nachnamen will er nicht nennen) kann gut mit Kindern, die knapp 40 Grundschüler hat er im Griff. Die Turnhalle der Sodinger Max-Wiethoff-Schule gestern Vormittag, es ist der Auftakt zu den „Speed4-Schulmeisterschaften“. Die Kinder sollen einen 15 Meter langen Parcours laufen, es geht um Schnelligkeit, Reaktionsvermögen und Beweglichkeit. Neun Herner Schulen machen in diesen Tagen mit, jeden Tag eine andere. Es ist ein kommerzielles Unternehmen, das dieses sportliche Ereignis organisiert, die Speed4 Systems AG aus dem schweizerischen Zug bewirbt es mit den Worten „Wir bewegen Kinder“. Sponsoren finanzieren die Veranstaltung – und tragen so Werbung in die Grundschulen. Tabubruch oder eine legitime Kooperation?

Wenig Aufwand für die Lehrer

Die Veranstalter betonen, dass ihr Angebot keine reine Reklameaktion sei: „Trotz der Finanzierung durch Förderpartner bleibt die Speed4-Meisterschaft in der Schule werbefrei.“ Die Max-Wiethoff-Schule lobt die Zusammenarbeit. Der Tag sei „total schön für die Kinder“ gewesen, so Schulsportleiterin Sabine Bree. Dazu komme, dass der Wettbewerb für die Schule mit „keinem großen Aufwand“ verbunden sei.

Doch manche Beobachter sehen das Engagement kritisch. 2013 stellten CDU-Abgeordnete eine Kleine Anfrage an die Landesregierung, warum kommerzielle Anbieter wie Speed4 unterstützt würden. Vor allem die Abschlussveranstaltung am kommenden Samstag mit Kindern mehrerer teilnehmender Schulen hat zumindest ein Gechmäckle. Alle Schüler sind ins Autohaus Rath an die Bochumer Straße eingeladen.

Positive Resonanz von den Eltern

Das Unternehmen nutzte bereits die erste Herner Speed4-Auflage vor einem Jahr als Plattform. Kinder, die in ein Geschäft gelockt werden? „Schüler sind die Käufer von morgen“, sagt Serviceleiter Holger Pöllmann. Das Engagement seines Arbeitgebers sehe er dennoch „unkritisch“. Die Max-Wiethoff-Schule verweist auf Nachfrage darauf, dass die Sponsoren – neben Rath drei weitere Firmen – außer in einer in der Schule ausliegenden Broschüre nicht allzu publik würden. „Und im letzten Jahr haben wir von den Eltern eine positive Resonanz bekommen“, so Lehrerin Sabine Bree.

Die Stadt als Schulträger wurde über die Zusammenarbeit mit Speed4 nicht informiert. Sprecher Horst Martens auf Anfrage: „Werbung in Schulen sollte pädagogische Ziele haben. Die Stadt wird die Kooperation zum Anlass nehmen, mit den Schulen über die Grenzen von Sponsoring zu sprechen.“