Unkraut kann sogar lecker sein

Exkursion mit Kräuterfrau Anke Roßmannek.
Exkursion mit Kräuterfrau Anke Roßmannek.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Anke Roßmannek ist Kräuterpädagogin. Zum Tag des Unkrautsgibt sie Tipps, was nicht unter den Grubber, sondern auf die Gabel gehört.

Herne..  Schon beim Rausgehen aus der Tür findet sie das erste Pflänzchen. „Schauen Sie mal, daraus lässt sich ein prima Magenbitter machen.“ Was vielen Kleingärtnern ein Graus, lässt Anke Roßmanneks Herz erst richtig höher schlagen: Unkraut, auch Wildkraut genannt. „Die Grenzen sind da fließend“, so die Kräuterpädagogin.

Heute ist der Tag des Unkrauts. Grund genug, das sonst so ungeliebte Grün endlich einmal über den Klee zu loben. Kaum jemand, der so viel zu diesem Thema zu berichten weiß wie Anke Roßmannek. Ein paar Tipps, die hat sie beim Gang durch den noch spärlich bewachsenen Behrenspark auch gleich parat.

Löwenzahn

„Die Wurzeln des Löwenzahns kann man in Wodka einlegen, etwas Kandis dazu, und nach vier bis sechs Wochen hat man einen hervorragenden Kräuterschnaps“, weiß sie aus Erfahrung. Die Blätter, die eignen sich ohnehin für den Salat. Damit hat sich aber die Vielseitigkeit dieses Unkrauts noch lange nicht erledigt. Aus den gelben Blüten lässt sich köstliches Gelee machen. Blüten in einen Topf geben und Wasser hineingeben, so dass die Blüten bedeckt sind. Anschließend ein Mal kurz aufkochen lassen, über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag abseihen. „Auch wenn es etwas komisch riecht, wird das Gelee wirklich honigsüß“, verspricht Anke Roßmannek vorab. Vorausgesetzt natürlich, die Blüten werden anschließend mit Gelierzucker verarbeitet. „Die Zubereitung erfolgt dabei wie bei allen anderen Marmeladen auch.“

Giftig?

Um ein Vorurteil aus der Welt zu räumen: Giftig ist die Flüssigkeit im Stiel des Löwenzahn keineswegs. „Das ist ein Märchen aus alten Zeiten, erfunden von Müttern, die nicht wollten, dass die Sonntagskleidung schmutzig wird“, weiß die gelernte Pharmazeutisch Technische Assistentin. Wenn die Kinder damals das saubere Kleid anhatten und nach der Kirche auf der grünen Wiese spielen wollten, versaute ihnen der Löwenzahn den feinen Zwirn. Denn, wenn auch nicht giftig, gilt aber: Die Flüssigkeit färbt die Kleidung braun.

Gänseblümchen & Co.

Zum Salat passt irgendwie alles: Auch Gänseblümchen. „Eine Hand voll hinein, allein an den Geschmack muss man sich erst gewöhnen.“ Auch Wiesen- oder Rotklee eignet sich für einen frischen Salat. Gleiches gilt für die lilafarbenen Blüten des Taubnesselkrauts. Alles ist bei genauerer Betrachtung in der Natur irgendwie zu irgendwas nützlich. „Wir müssen achtsam gegenüber der Natur sein und nicht alles gleich vernichten.“ Gärtner sollten einfach versuchen, das Unkraut im Zaum zu halten. Schließlich habe alles seine ökologischen Nischen. In diesem Sinne: Ab in den Garten und Guten Appetit.