Unfall-Opfer aus Herne will Schadensersatz von der Bahn

Um die hundert Stundenkilometer war die S-Bahn schnell, als sie den Wagen des Herners rammte.
Um die hundert Stundenkilometer war die S-Bahn schnell, als sie den Wagen des Herners rammte.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der schwere Unfall am Bahnübergang Pferdebachstraße in Witten ist für das Opfer längst nicht abgeschlossen. Kann der Herner mit Schmerzensgeld rechnen?

Witten/Herne.. Der verheerende Zusammenstoß zwischen einem Zug und einem Auto am Bahnübergang Pferdebachstraße in Witten im Dezember 2014 könnte für die Bahn und ihre eingesetzten Subunternehmen möglicherweise noch teuer werden.

Der Anwalt des Unfallopfers, einem 54-jährigen Herner, kündigt gegenüber unserer Zeitung an, das Verkehrsunternehmen und die zur Sicherung des damals schrankenlosen Bahnübergangs eingesetzten Firmen in die Haftung zu nehmen und notfalls zu klagen. „Irgendjemand muss dafür haften“, sagt der Verkehrsrechtsexperte Harald Stöcker.

Unfall wie durch ein Wunder überlebt

Weil die Schranke zum damaligen Zeitpunkt defekt war, mussten Streckenposten den Übergang mit einem Flatterband sichern, was aber nicht geschah. Es kam zum Horrorunfall, bei dem der 54-Jährige von einem 95 Stundenkilometer schnellen Zug erfasst worden war, aber wie durch ein Wunder schwer verletzt überlebt hatte.

In der zivilrechtlichen Auseinandersetzung könnte es angesichts der Schwere des Unfalls um hohe Summen gehen. Anwalt Harald Stöcker spricht allein für ein mögliches Schmerzensgeld von einem Betrag im unteren fünfstelligen Bereich. Hinzu kämen Kosten für Schäden am Auto, Fahrtkosten und Verdienstausfälle. Das Unfallopfer erlitt schwere Knochenbrüche und Prellungen und ist seit dem Zusammenstoß arbeitunfähig. Der Herner tastet sich derzeit im Rahmen einer Eingliederungsmaßnahme wieder an den Job heran.

Flatterband-Provisorium währte elf statt sieben Tage

Ob beziehungsweise wie viel Geld am Ende fließen wird, steht noch genauso in den Sternen wie das verantwortliche Unternehmen, das in die Kasse greifen müsste. Die Bahn, die die Notlösung mit dem Flatterband elf statt der eigentlich vorgeschriebenen maximal sieben Tage aufrechterhalten hatte? Sie rechtfertigte sich: Eine damals bestellte provisorische Schranke sei erst verspätet geliefert worden. Im Falle der Bahn steht auch die Frage im Raum, ob sie ihre Subunternehmen – falls sie dies nicht getan hat – hätte kontrollieren müssen, zumindest stichprobenartig.

Horrorunfall Oder sind doch die Sicherheitsfirmen – CS und Pilotbau – in der Pflicht? Hatten sie Mitarbeiter ausreichend geschult? In einem Unfallgutachten kritisiert das Eisenbahnbundesamt, Hilfsposten könnten „ohne jegliche Tauglichkeitsprüfung und ohne auch nur geringste bahnbetriebliche Kenntnisse für die Sicherung von Bahnübergängen eingesetzt werden.“

Hoffnung auf außergerichtliche Einigung

Viele offene Fragen müssten nun in der zivilrechtlichen Auseinandersetzung geklärt werden, so Rechtsanwalt Stöcker. Nach Informationen unserer Zeitung will die Bahn nun Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft einsehen, um den Sachverhalt einordnen zu können. Fragen unserer Zeitung zur Klage, möglichen Fehlern und Lehren beantwortete die Bahn bis zum Donnerstag (7.1.) nicht.

Wer auch immer zivilrechtliche Verantwortung tragen muss: Opferanwalt Stöcker ist zuversichtlich, dass es eine außergerichtliche Einigung geben wird – möglicherweise auch zwischen den drei Firmen. Falls nicht, müsse man vor Gericht ziehen. „Die Latte für die Bahn liegt hoch, falls sie sich einer Haftung entziehen will.“