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Und sie reden doch

15.06.2012 | 17:13 Uhr
Und sie reden doch
Über das Thema „Strom absperren“ geben die Herner Stadtwerke nicht gerne öffentlich Auskunft. Nun mussten sie im Sozialausschuss die Hosen runterlassen und Zahlen nennen.Foto: Stefan Kuhn

Herne.   Warum die Stadtwerken bei einigen Themen lieber schweigen, die Stadtmitarbeiter gerne in die Bezirksvertretung Sodingen kommen und der Deutsche-Bahn-Chef Besuch aus Wanne-Eickel erhielt.

Die „Verschlossene Auster“ verleiht die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche Jahr für Jahr und „würdigt“ damit die größten Auskunftsverweigerer in Politik und Wirtschaft. Wollte man diesen Negativpreis auf Herne herunterbrechen, wäre ein städtisches Unternehmen gaaanz weit vorne: die Stadtwerke. In der Debatte um die angeschlagene Stadtwerke-Tochter WHE tauchte die Geschäftsführung in der (längst nicht ausgestandenen) Krise regelrecht ab und kanzelte im Gegenzug sogar noch den WHE-Betriebsrat ab, der aus Sorge um den Betrieb öffentlich Stellung bezogen hatte. Nach WAZ-Informationen sorgte erst der Druck aus Politik bzw. Aufsichtsrat dafür, dass sich WHE-Chef Christian Theis äußerte. Schweigen hat bei der Stadttochter offenbar System: So verweigerte die Stadtwerke der WAZ Ende Februar auf Anfrage eine Auskunft auf die Frage, wie vielen Menschen in Herne wegen offener Rechnungen der Strom abgedreht worden ist. Und das, obwohl das Unternehmen als städtische Einrichtung rechtlich zur Auskunft verpflichtet ist, wie bundesweit in mehreren Gerichtsurteilen festgestellt worden ist. Nur so viel verriet eine Sprecherin damals der WAZ: Das Ganze sei „kein großes Thema“. In dieser Woche mussten die Stadtwerke nun doch die Hosen runterlassen: Auf Anfrage von Gabi Bitzer (Soziale Gerechtigkeit) gaben die Stadtwerke im Sozialausschuss an, dass in diesem Jahr bisher 600 Haushalten der Strom abgeschaltet worden sei. Kein großes Thema? Die Herner Schuldnerberatung hatte bereits im Februar darauf hingewiesen, dass angesichts explodierender Energiekosten immer mehr Menschen ihren Strom nicht mehr zahlen könnten.

Berlin war für die beiden Wanner-Eickeler FDP-Politiker Frank Leschowski und Ulrich Steinharter eine Reise wert. Doch während andere Touristen Ziele wie Brandenburger Tor, Reichstag oder Neue Nationalgalerie ansteuern, zog es das Duo zur Hauptverwaltung der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz. Nicht, um das Gebäude zu besichtigen, sondern: um für Wanne-Eickel zu trommeln. Die Liberalen übergaben Bahn-Chef Rüdiger Grube persönlich einen Brief. Darin schlagen sie vor, dass eine ICE-Zugeinheit nach Wanne-Eickel benannt wird - so wie es die Bahn zu Ehren berühmter Persönlichkeiten und bekannter Städte auch sonst handhabt. Und warum gerade Wanne-Eickel? Als Stadt der 1000 Züge habe sich Wanne-Eickel nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Güterbahnhof Europas entwickelt, begründen die Liberalen ihren abgefahrenen Vorstoß. Die Antwort steht noch aus.

Noch ‘ne frohe Botschaft: Es wächst zusammen, was zusammengehört. Schon zur nächsten Landtagswahl könnte der Herner Wahlkreis das komplette Stadtgebiet umfassen; die Eickeler müssten dann nicht mehr fremd wählen und bei Bochumer Kandidaten ihre Kreuzchen machen. Hintergrund: Wegen der großen Zahl der Überhangmandate bei der Landtagswahl und hoher zusätzlicher Kosten streben alle Parteien eine Wahlkreisreform an. Und diese könnte dazu führen, so glaubt zumindest SPD-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter Alexander Vogt, dass Bochum einen Wahlkreis verliert und Herne wahltechnisch „vereint“ wird. Ob die Bochumer Genossen das wohl ebenso sehen und widerstandslos einen ihrer drei Wahlkreise abtreten?

Das Zitat der Woche stammt von Henny Marquardt (SPD). Die Bezirksbürgermeisterin klärte am Mittwoch in der Bezirksvertretung darüber auf, warum die Sitzungen in Sodingen bei den Mitarbeitern der Verwaltung so beliebt sind: „Sie kommen so gerne zu uns, weil sie wissen, dass sie nach der Sitzung sieben Tage beschäftigt sein werden“, so Henny Marquardt.

Redaktion

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Kommentare
19.06.2012
10:58
Stromkunden der Stadtwerke Herne
von Borniger | #2

Den Kunden, denen die Stadtwerke den Strom abgeschaltet haben, kann man nur diesen Tipp geben: Sie sollten sich an die Stadt Herne wenden, denn immerhin haben die Stadtwerke Herne in 2011 den Gewinn des Vorjahres in Höhe von 18.000.000 (in Worten: achtzehn Millionen) Euro an die Stadt Herne überwiesen. Vielleicht hat die Stadt ein Einsehen und korrigiert die viel zu hohen Preise der Stadtwerke gegenüber diesen Kunden.

16.06.2012
20:18
Wanner-Eickeler FDP-Politiker ...
von nachdenken | #1

Die rückwärtsgewandten Politiker sollten besser mal nachfragen, ob nicht auch der Aufgang zum hintersten Gleis in Wanne-Eickel mit Aufzügen hätte ausgebaut werden können.
Würde auch Radfahrern das Leben erleichtern, wenn sie das Rad nicht noch Treppen hoch schleppen müssen...
Das hätte wenigstens für die Bürger direkt spürbare Erleichterungen geben können, statt pseudointeressante Namensgebungen.

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