Umdenken bei der Bluttransfusion

Ein ohnehin schon geschwächtes Immunsystemen, etwa durch eine Infektion oder große Operation, wird durch eine Transfusion zusätzlich geschwächt, heißt es am Evangelischen Krankenhaus Herne.
Ein ohnehin schon geschwächtes Immunsystemen, etwa durch eine Infektion oder große Operation, wird durch eine Transfusion zusätzlich geschwächt, heißt es am Evangelischen Krankenhaus Herne.
Foto: dpa
Sonntag ist Weltblutspendetag: Ein Blick auf das Evangelische Krankenhaus Herne, das nun verstärkt auf Eigenblut setzt. Um das Immunsystem zu schützen

Herne..  Dass Bluttransfusionen Leben retten können, steht außer Frage. Große Blutverluste nach Unfällen oder Operationen können so wieder ausgeglichen werden. Allerdings können Bluttransfusionen auch gefährlich sein. „In den letzten Jahren hat es ein Umdenken gegeben“, sagt Prof. Dr. med. Eckhard Müller, Chefarzt für Anästhesiologie am Evangelischen Krankenhaus Herne. „Die Nutzen der Transfusion wurden in den letzten Jahren überschätzt, die Risiken hingegen unterschätzt“, sagt der Arzt. Schließlich sei eine Bluttransfusion die Transplantation eines flüssigen Organs. „Jede Transfusion ist eine enorme Herausforderung für das Immunsystem. Besonders bei ohnehin schon geschwächten Immunsystemen etwa durch eine Infektion oder große Operation wird es durch eine Transfusion zusätzlich geschwächt“, weiß Müller. Dadurch komme es bei jeder Transfusion auch zu einer Steigerung des Infektionsrisikos.

Patienteneigenes Blut im Fokus

Es gebe außerdem erste Hinweise, dass Menschen, die sich bei einer bestehenden Krebstherapie einer Bluttransfusion unterzogen haben, später ein höheres Risiko hätten, Tochtergeschwülste zu bilden. „Das liegt wahrscheinlich ebenfalls am geschwächten Immunsystem zur Zeit der Transfusion“, vermutet Müller. Das EvK hat sich daher dem „Patient Blood Management“ angeschlossen, einem Konzept, nach dem Fremdblut bei Behandlungen und Operationen nur sparsam eingesetzt und das Patienteneigene Blut stärker in den Fokus gerückt wird. Dazu wurden eine Reihe von Maßnahmen entwickelt: So wird vor großen Operationen überprüft, ob eine Blutarmut vorliegt. In einem Drittel der Fälle beruht diese auf Eisenmangel. In diesem Fall wird dem Körper durch Gabe von Eisen ermöglicht, wieder mehr eigenes Blut zu bilden. Patienteneigenes Blut wird bei Operationen möglichst aufgefangen und dem Patienten direkt wieder zugeführt. Ebenso wird beim Patient Blood Management ein Auskühlen der Patienten verhindert, um dadurch einen starken Blutverlust während Operationen zu vermeiden. „Wir konnten unseren Verbrauch von Blut in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent reduzieren. Bis April haben wir 1400 Transfusionseinheiten verbraucht“, so der Chefarzt. Die eingesparten Blutmengen haben allerdings auch wirtschaftliche Folgen. „Blut ist ein Riesengeschäft“, weiß Müller. Aufgrund des neuerdings sehr restriktiven Einsatzes des Blutes drohe in manchen Blutspendezentralen bereits das Risiko, dass etwa Mitarbeiter entlassen werden müssten.

Blutspenden sind rückläufig

Trotz des restriktiven Umgangs mit Blut, wie etwa beim EvK, stellt der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes die Notwendigkeit zum Blut spenden heraus. „Blut ist noch nicht künstlich herzustellen, daher sind Spenden so wichtig“, sagt Heinz Kapschak, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes West. Eine besonders wichtige Blutgruppen gebe es nicht: „Für jeden Menschen ist die Blutgruppe am wertvollsten, die er selber hat.“ Einzige Ausnahme sei die Blutgruppe 0 negativ. Sie sei universell einsetzbar und könne an jeden weitergegeben werden. „Allerdings haben nur sechs Prozent der Bevölkerung diese Blutgruppe“, weiß Kapschak.

Der Blutspendedienst des DRK hat mit einem deutlichen Spenderrückgang zu kämpfen: „Unsere Lager lehren sich.“ 387 000 Menschen spendeten von Januar bis Ende Mai Blut. „Im gleichen Zeitraum 2014 waren es noch 401 000 Spender“, sagt der Pressesprecher. Besonders Negativ-Blutgruppen würden fehlen. „Wir führen den Rückgang auf die Brückentage und das schöne Wetter der letzten Zeit zurück. Doch die Patienten in den Krankenhäusern sind auch in der Urlaubszeit dringend auf Blutspenden angewiesen“, appelliert Kapschak.

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