Überfall mit „Vendetta“-Maske in Herne

Justitia muss über die Angeklagte entscheiden.
Justitia muss über die Angeklagte entscheiden.
Foto: Monika Kirsch
Was wir bereits wissen
Landgericht: 20-Jährige bedauerte unter Tränen ihre Taten. Aus Verzweiflung sprang sie einst aus dem 3. Stock. „Ein totales Chaos in mir“.

Bochum/Herne..  Die Maske des Anarchisten V aus dem Comic „Vendetta“ vor dem Gesicht, eine Pistole in der Hand: So hat eine junge Frau aus Herne vor anderthalb Jahren einen Kiosk an der Hauptstraße in Wanne überfallen. Seit Mittwoch steht sie in Bochum vor Gericht.

Der Prozess hatte noch gar nicht begonnen, das musste sich die 20-Jährige auch schon die ersten Tränen aus dem Gesicht wischen. „Ich möchte am liebsten noch einmal ganz von vorne anfangen“, sagte sie den Richtern. „Ich habe einfach nie gewusst, was richtig oder falsch ist.“

Die Geschichte der jungen Frau ist ein Sozialdrama sondergleichen. Heimaufenthalte, Obdachlosigkeit, aus allen Schulen rausgeflogen, die Mutter Alkoholikerin, irgendwann die ersten Straftaten. Und was das Traurige ist: Die 20-Jährige macht vor Gericht einen netten Eindruck. Die Lehrer sagen sogar, dass sie locker das Zeug zur Fachoberschulreife hat. Das glaubt sie auch selbst. „Mir macht die Schule ja Spaß. Aber ich hatte immer zu viel Wut in mir.“

Mit 15 ist sie aus dem Fenster gesprungen - aus Frust und Verzweiflung. Dass sie den Fall aus dem 3. Stock überlebt hat, war eigentlich ein Wunder. Das Becken, zwei Wirbel, die Oberschenkel - alles war gebrochen. „Ich musste danach wieder ganz neu Laufen lernen.“

Es war wahrscheinlich die verklärte Liebe zu ihrer alkoholkranken Mutter, die die heute 20-Jährige nicht zur Ruhe kommen ließ. „Ich wollte immer wieder zu ihr zurück. Obwohl sie mich geschlagen hat.“ Nur deshalb sei sie auch ständig aus dem Heimen abgehauen. „Da war ein totales Chaos in mir.“

Später kamen dann auch noch Haschisch, Amphetamine und eine große Gleichgültigkeit hinzu. Die Straftaten ließen dann nicht lange auf sich warten. Die Staatsanwaltschaft hat gleich eine ganze Serie aufgelistet. Neben dem bewaffneten Überfall auf das Lottogeschäft (keine Beute) soll die Angeklagte mit einem Freund auch noch bei Netto in die Kasse gegriffen haben. Beute hier: 1700 Euro.

Zum Prozessauftakt legte sie ein Geständnis ab. Jetzt hofft sie auf eine Bewährungsstrafe.