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Turm aus dem Mittelalter wirbt bald für „AufRuhr1225”

28.01.2010 | 13:09 Uhr
Turm aus dem Mittelalter wirbt bald für „AufRuhr1225”

Herne. Auf dem Europaplatz in Herne baut das LWL-Museum für Archäologie eine Turmhügelburg aus Holz wieder auf. Die Rekonstruktion dieses mittelalterlichen Bauwerks soll demnächst unübersehbar für die Ausstellung „AufRuhr1225” werben.

„Alle reden von Leuchttürmen - wir bauen einen richtigen Turm”, sagt Dr. Josef Mühlenbrock, Leiter des LWL-Museums für Archäologie am Herner Europaplatz. Einen Turm allerdings, der geradewegs aus dem 13. in das 21. Jahrhundert befördert worden zu sein scheint.Und so ähnlich ist es auch: Mit ihren 25 Metern Höhe soll die nach bestem Archäologenwissen original rekonstruierte „Motte” - wie die mittelalterlichen Turmhügelburgen aus Holz auch genannt werden - demnächst unübersehbar für die Ausstellung „AufRuhr1225” im Archäologie-Museum werben. Zugleich ist sie selbst eine der großen Ausstellungs-Attraktionen, denn es handelt sich nicht nur um ein einfaches Modell - die Burg ist benutzbar und vermittelt den Besuchern einen authentischen Eindruck, wie der Adel an Rhein und Ruhr lebte

Seit eineinhalb Wochen arbeiten Bernd Krupka und seine Mitarbeiter an den imposanten Gerüsten für die Wände, fügen in traditioneller Zimmermannsbauweise die massiven Fichtenbalken aus dem Sauerland zusammen, mit Holznägeln, Zapfen, Nut und Feder. Nur die Werkzeuge sind nicht von gestern: „So weit wollten wir es mit dem Originalnachbau dann doch nicht treiben”, sagt Josef Mühlenbrock.

Über 400 solcher Türme gab es mal

Innerhalb der 5,60 Meter breiten und elf Meter hohen Wände finden drei Stockwerke Platz, hinzu kommt ein überkragendes Turmzimmer und das ebenfalls mit Holz gedeckte Spitzdach. Über 400 solcher hölzerner Turmburgen hat es einst im Ruhrgebiet gegeben, sagt Prof. Michael Rind, Leiter der LWL-Archäologie für Westfalen, drei davon allein auf heutigem Herner Stadtgebiet: Schloss Strünkede hatte eine, Haus Crange und Eickel auch.

Erhalten ist keine einzige, nur aus Bodenfunden lassen sich noch Rückschlüsse ziehen. Auch Darstellungen dieser Burgen gibt es kaum. Und so mussten die Archäologen ganz schön tüfteln, um der Gestalt der Motten auf die Spur zu kommen. „Wir haben aber auch ein paar Kompromisse gemacht”, sagt Mühlenbrock. „Der Zugang zur Motte war früher wahrscheinlich in der ersten Etage. Das können wir aber aus praktischen Gründen nicht machen.” Wie für jedes normale Gebäude musste der LWL auch für die Motte bei der Stadt einen Bauantrag stellen: „Es gab aber keine Schwierigkeiten bei der Genehmigung”, sagt Mühlenbrock. „Wir brauchten auch keinen zweiten Fluchtweg zu bauen.”

Wetter hat den Zeitplan ein wenig durcheinander gewirbelt

Ist das hölzerne Gerüst in der Zimmerei zusammengesetzt, wird es wieder auseinandergenommen, zum Gelände des Archäologiemuseums transportiert und dort neu zusammengebaut, was etwa zwei bis drei Wochen dauert. Für den fünf Meter hohen Erdhügel, auf dem die Motte errichtet wird und das notwendige Ringfundament sorgt bereits eine der Sponsorenfirmen.

Das winterliche Wetter hat den Zeitplan für den Bau der Turmhügelburg etwas durcheinander gewirbelt. Eigentlich sollte sie schon mit Eröffnung der „AufRuhr”-Ausstellung in Betrieb gehen, aber das klappt nicht. Mitte März soll es nun so weit sein, rechnet Mühlenbrock, der die Bauabnahme durch den TÜV und das Bauordnungsamt in Ruhe über die Bühne bringen will.

Bis Ende des Jahres bleibt die Motte an ihrem Platz, dann wird sie wieder auseinandergenommen. Der LWL und auch Baumeister Bernd Krupka hoffen, dass sie danach woanders aufgebaut wird: „Zum Verfeuern”, so Krupka, „ist sie viel zu schade.”

Gabriele Heimeier

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