Trio begeistert in Herne mit bissigem Musik-Kabarett

Mit Biss und Charme: (v.li.) Matthias Reuter, Helmut Sanftenschneider und Chris Kramer bei ihrem Auftritt in den Flottmann-Hallen.
Mit Biss und Charme: (v.li.) Matthias Reuter, Helmut Sanftenschneider und Chris Kramer bei ihrem Auftritt in den Flottmann-Hallen.
Foto: Funke Foto Services
  • Trio präsentierte in den Flottmann-Hallen Mischung aus Musik und Kabarett
  • Sanftenschneider, Kramer und Reuter überzeugten mit Biss und Charme
  • Themen waren geile Igel, Ministerpräsidentin Kraft und Wanne-Eickeler Schleusenwärter

Herne..  Blues-Künstler Chris Kramer sitzt auf der Bühne. Auf dem rechten Bein schaukelt er seine Zigarrenkistengitarre, und im Gesicht hat er ein Schmunzeln. Er erzählt gerade die Geschichte eines Igels. „Früher habe ich mich immer eher für einen Tiger gehalten“, sagt er. Nachdem er einen Dokumentarfilm im Fernsehen gesehen habe, wisse er, dass das nicht stimme. „Nach dem Winterschlaf ist der Igel geil. Ohne groß zu zaudern, geht er direkt ins Gebüsch und sucht sich eine stachelige Dame. Wer findet sich darin nicht wieder?“ Natürlich hat der Musiker darüber auch einen Song geschrieben.

Nacheinander, miteinander und übereinander scherzen, singen und erzählen die drei Ruhrstadt-Musikanten Chris Kramer, Matthias Reuter und Helmut Sanftenschneider am Samstagabend in den Flottmann-Hallen. Mit Biss und Charme nimmt das Trio den Ruhrpott auseinander und setzt ihn in witzigen Songs und Anekdoten wieder zusammen.

„Besonders beeindruckt hat mich die Virtuosität mit der Mundharmonika“, erzählt Besucherin Mara Roschig. Sie fährt lachend fort: „Dabei ist der Name Mundharmonika im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen.“ Gemeint ist Chris Kramer, der seiner Mundharmonika auch im Mund noch höchst erstaunliche Töne entlocken kann, sehr zur Belustigung des Publikums in den Flottmann-Hallen. Ohnehin bringt der charmante Provokateur das Publikum mit seinem Mix aus Witz, Provokation und der Mundharmonika schnell zum Lachen.

Mit Feingefühl am Klavier

Auch Kabarettist Matthias Reuter treibt dem Publikum die Lachtränen in die Augen. Mit erstaunlichem Feingefühl am Klavier nimmt er den Ruhrpott und seine Bewohner mal mit Schärfe, mal mit Humor aufs Korn. Nicht nur die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihre von SPD und Grünen gebildete Landesregierung bekommen ihr Fett weg. Der Klavierkabarettist thematisiert auch die Integration von Flüchtlingen in einem ironisch unterhaltsamen Lied über Herrn Bulgur und Herrn Förster.

„Das Lied war eines meiner persönlichen Favoriten“, schwärmt die Besucherin Alice Jansen. „Es ist schön zu sehen, dass man ein ernstes Thema auch so witzig anpacken kann.“

Ernsthaftigkeit scheint für den Musiker und Entertainer Helmut Sanftenschneider Nebensache zu sein, zumindest an diesem Abend. Er liefert den wohl kompliziertesten Song der gesamten Veranstaltung. Und zwar: „ein melodramatisches Lied zum Mitschunkeln über eine Berufsgruppe aus dem Ruhrpott, über die sonst niemand schreibt, den Schleusenwärter aus Wanne-Eickel.“

Während der Albernheitsfaktor im Laufe des Abends immer mehr steigt, steigt auch die Stimmung des Publikums.

Witzig und ein bisschen verrückt

Besucherin Mara Roschig zieht ein positives Fazit: „Alles in allem war es ein sehr gelungener Abend, total witzig und ein bisschen verrückt.“ Karl-Heinz Maslona und Mechthild Dawitz können sich da nur anschließen: „Wir haben eine positive Überraschung erlebt.“