Till Raether gibt in Herne gerne Auskunft über seine Arbeit

Beim 2. Herner Krimi-Sommer: Till Raether.
Beim 2. Herner Krimi-Sommer: Till Raether.
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Was wir bereits wissen
Der Journalist und Autor war zu Gast beim 2. Herner Krimisommer in den Alten Druckerei und las dort aus „Blutapfel“

Herne..  Till Raether weiß, was das Publikum bei einer Lesung erwartet. Bei der Fortsetzung des Krimi-Sommers in der Alten Druckerei steht sein zweiter Roman „Blutapfel“ im Mittelpunkt, und der Autor spricht selten sachlich, dafür meistens persönlich über seine Arbeit.

Sie kreiste bis 2014 um journalistische Themen. Der 46-Jährige Raether war stellvertretender Chefredakteur der „Brigitte“ und arbeitet heute als freiberuflicher Redakteur. Sein erster Krimi „Treibland“ wurde im Vorjahr für den deutschen Krimi-Preis „Glauser“ nominiert. Darin schickte er erstmals Adam Danowski auf Verbrecherjagd in Hamburg, und in seinem zweiten Fall ist der dünnhäutige Kommissar wieder in der Hansestadt unterwegs - und wieder steht er oft am Rand der Überforderung. Nach einem Mord im Elbtunnel bewegt sich Danowski bei der Recherche durch Höhlen und Gänge im Untergrund des urbanen Molochs.

Der Amtsarzt hat ihm einen Achtsamkeits-Meditationskurs verordnet, und mit einer Szene aus dieser trendigen Besinnungsübung stellt der Autor seine Figur dem Herner Publikum vor. Die konzentrierte Anbetung einer einsamen Rosine in der Weite der Handfläche will Danowski nicht gelingen. Bald darauf schockiert er seine neue Kollegin, indem er sich ein paar Tausend naturheilkundliche Globuli auf einmal in den Rachen schüttet und ein ironisches „Ich glaube, es wirkt schon“ hinterher schickt. Auch wohlwollende Zeitgenossen haben es nicht leicht mit Danowski. Weil der aber nicht nur ein eigenwilliger Charakter, sondern auch Kommissar ist, führt ihn der Autor bei der Lesung auch im klassisch-kriminalistischen Einsatz vor - atmosphärisch dicht und spannend.

Moderator Jochen Schübel stellt präzise Fragen und verirrt sich nicht im Nirwana der Textgenese. Dort kennt sich nur der Autor aus, der gern Auskunft gibt. Über den Bekanntenkreis als Inspirationsquelle literarischer Figuren und über die Eitelkeit des Journalisten. Und weil Raethers Interesse an psychologischen Themen aus dem Nahbereich menschlicher Konflikte nicht erschöpft ist, wird Danowski wohl weiter ermitteln, wie der Autor verrät.