Thekenkräfte gegen den Sonnenuntergang

Die Herner Kultstätte "Sonne" macht bald zu. Hier der Zapfer Henning Hartmann. Herne, 26.12.2014. Bild: Martin Kerstan / FUNKE Foto Services
Die Herner Kultstätte "Sonne" macht bald zu. Hier der Zapfer Henning Hartmann. Herne, 26.12.2014. Bild: Martin Kerstan / FUNKE Foto Services
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / FUNK
Was wir bereits wissen
Als Henning Hartmann geboren wurde, hatte die „Sonne“ schon ihre ersten wilden Jahre hinter sich. 1977 an der Feldkampstraße gegründet, war die Szenekneipe 1990 umgezogen, in die Traditionsgaststätte „Haus Biermann“ an der Shamrockstraße, wo früher die Bergleute nach der Schicht eingekehrt waren. Dort steht Henning (23) seit fünf Jahren am Tresen, wenn er nicht gerade studiert, Heilpädagogik.

Herne.. Als Henning Hartmann geboren wurde, hatte die „Sonne“ schon ihre ersten wilden Jahre hinter sich. 1977 an der Feldkampstraße gegründet, war die Szenekneipe 1990 umgezogen, in die Traditionsgaststätte „Haus Biermann“ an der Shamrockstraße, wo früher die Bergleute nach der Schicht eingekehrt waren. Dort steht Henning (23) seit fünf Jahren am Tresen, wenn er nicht gerade studiert, Heilpädagogik.

Henning ist einer der jungen Mitarbeiter und Gäste der Kneipe, die die „Sonne“ nicht so einfach untergehen lassen wollen. Zusammen mit ein paar Freunden möchte er die Kneipe an anderem Ort in Herne weiterführen. „Die Sonne ist mehr als eine stinknormale Kneipe“, sagt Henning. Was die Veranstaltungen genauso betreffe wie das Publikum und den Umgang miteinander. „Es ist ganz klar, dass es in Herne solche Räume geben muss.“ Gesucht wird nun ein Ort in Alt-Herne, an dem sich Kultur und Kneipe begegnen können. Der städtische Fachbereich Kultur und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft wissen Bescheid.

Kultkneipe Was Henning und seinen Mitstreitern vorschwebt, sei gar nicht weit entfernt von dem, was die Gründer 1977 wollten, bemerkt „Hotte“ Jebram, einer der Männer der ersten Stunde. „Wir hatten die gleichen Ideen. Wir wollten ein freies Jugendzentrum, unabhängig von öffentlicher Finanzierung.“ Dass die „Sonne“ später doch irgendwann vom Kulturamt Geld bekam, sogar eine Weile 5000 Mark im Jahr, störte dann auch nicht .

Hotte Jebram ist inzwischen 58 Jahre alt und als Sozialarbeiter ausgelastet. Zwar plant er die Veranstaltungen noch mit und steht auch bisweilen an der Theke, „aber die letzten Jahre nicht mehr so intensiv.“ Jeden Tag in der Kneipe, das passt für ihn nicht mehr. Trotzdem: „Ich fänd’ es schade, wenn die ,Sonne’ den Bach runtergehen würde.“ Deshalb will er den jungen Kollegen beim Aufbau einer neuen „Sonne“ in der Anfangsphase zur Seite stehen. Fest steht für ihn: „An der Shamrockstraße gibt es keine Zukunft.“ Ende Januar ist Schicht am Schacht, das Haus ist zu marode.

Was an Mobiliar noch zu retten ist, wird man sehen. Der Tresen sicher nicht: „Der ist über 100 Jahre alt und fest eingebaut “, bedauert Henning Hartmann. „Das ist hohe Zimmermannskunst.“ Auch die Decke mit den Autogrammen ist dann verloren. „Es ist schade, das alles aufzugeben.“ Schon aus eigenem Interesse wünscht sich Henning einen neuen Sonnenaufgang. „Das ist die letzte Ausgehmöglichkeit in Herne“, sagt er. Zumindest für ihn und Gleichaltrige, die Musik jenseits des Mainstreams mögen, von Rock über Punk und Ska bis zu Soul, Funk und HipHop. Für sie gibt es nur eine Alternative: „Fahren wir nach Bochum oder gehen wir in die ,Sonne’?“