Theater Kohlenpott vor der Premiere von „Patricks Trick“

Jan-Friedrich Scharper in „Patricks Trick“.
Jan-Friedrich Scharper in „Patricks Trick“.
Foto: Bodemer
Was wir bereits wissen
Das Stück von Kristo Šagor nähert sich unterhaltsam dem Thema Behinderung. Am Sonntag ist Premiere in den Flottmann-Hallen.

Herne..  Gold und silber, pink und blau schimmert die Showbühne. Patrick rauscht herein, strahlend wie einst Frank Sinatra begrüßt er im Scheinwerferlicht die Zuschauer mit einem samtweichen „Come fly with me“. Nur wenige Momente später wird er ihnen von seinem Bruder erzählen, den er sich immer gewünscht hat. Und der plötzlich Gestalt annimmt, als er elfjährig seine Eltern in der Küche belauscht. „Behindert“ wird er sein. Aber was bedeutet das?

Kein „pädagogischer“ Zugang

Das Theater Kohlenpott hat sich mit „Patricks Trick“ ein Stück ausgesucht, das von Behinderung erzählt, ohne dabei „pädagogisch“ zu werden, wie Regisseur Frank Hörner es nennt. Kristo Šagor hat es erst im letzten Jahr veröffentlicht, im September 2014 war in Leipzig die Uraufführung. „Es ist schwer, gutes Kindertheater zu finden“, weiß Frank Hörner, der deshalb häufig mit dem Theater Kohlenpott Stücke entwickelt. „Aber dieses ist ein tolles Stück.“ Mehrere Theater haben den Stoff entdeckt, gesehen hat Hörner wohlweislich noch keine Inszenierung vor der eigenen Premiere am nächsten Sonntag. Sicher ist aber: So wie in Herne hat es noch keiner angefasst - ohne Requisiten und ohne dass sich die Protagonisten einmal umziehen. Sie sind Erwachsene, die sich in verschiedenen Zeiten bewegen.

„Die Showästhetik nimmt dem Thema die Brisanz“, erklärt Frank Hörner. Der Swing und der Jazz, die Glitzerkulisse und die Figuren im Smoking transportieren eine „Leichtigkeit“, mit der auch das Kind Patrick mit der Neuigkeit umgeht. Patrick (Manuel Moser) erfährt, dass sein ungeborener Bruder vielleicht nicht sprechen können wird. Um zu erfahren, wie er ihm die Sprache beibringen kann, sucht er mehrere Menschen auf. Seinen Freund Valentin, einen kroatischen Boxer und einen Professor - alle gespielt von Jan-Friedrich Scharper. „Šagor nimmt den Jungen ernst“, sagt Dramaturgin Gabriele Kloke. Patricks unbefangener Blick und seine Naivität seien auch Erwachsenen im Umgang mit Behinderung zu wünschen. „Man ist nicht behindert, man wird behindert“: Dieser Satz hat Manuel Moser besonders gut gefallen. „Wo ist die Norm?“, fragt sich auch Jan-Friedrich Valentin, ein neues Gesicht beim Theater Kohlenpott.

Der 29-Jährige lebt nach einem Engagement am Kinder- und Jugendtheater Bremerhaven als freier Schauspieler in Köln, wie Manuel Moser (37), den Herner Zuschauern aus Theater-Kohlenpott-Produktionen wie „Leider Deutsch“ oder „Du, Du und Ich“ kennen. Er spielt bereits das vierte Mal unter der Regie von Frank Hörner, ist selbst auch Regisseur und leitet die Pottfiction-Gruppe.