Terror: Zeigen, was die Menschen verbindet

Aniela Thomalla-Pott im  Interview der Woche.
Aniela Thomalla-Pott im Interview der Woche.
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Was wir bereits wissen
Aniela Thomalla-Pott unterrichtet Französisch am Pestalozzi-Gymnasium.Der islamistische Terror und die Demonstrationen dagegen sind Thema.

Herne..  „Je suis Charlie“: Am Pestalozzi-Gymnasium sind die Terror-Anschläge in Paris und die anschließenden Solidaritätskundgebungen ein Thema im Schulunterricht. WAZ-Redakteur Martin Tochtrop sprach mit Französisch-Lehrerin Aniela Thomalla-Pott. Die 37-Jährige unterrichtet seit zwei Jahren am Pestalozzi-Gymnasium, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Frau Thomalla-Pott, wie haben Ihre Schüler die dramatischen Ereignisse in Frankreich aufgenommen und verarbeitet?

Aniela Thomalla-Pott: Wir haben das direkt am Freitag in der Abiturklasse thematisiert. Ich habe gefragt, was wisst ihr eigentlich über die Ereignisse in Paris? Natürlich auf französisch. Die Schüler waren relativ gut informiert. Sie haben direkt Charlie Hebdo erwähnt und die Aktionen, die geplant waren. Ich habe auf Aktionen hingewiesen, zum Beispiel, dass sich Menschen vor dem deutsch-französischen Institut in Essen versammelt und Kerzen aufgestellt haben. Unsere Schüler haben letztes Jahr eine Klassenfahrt nach Paris gemacht und waren deshalb besonders betroffen.

Wie haben Sie sich persönlich auf den Unterricht vorbereitet. Welche Medien nutzen Sie?

Ich habe ins Internet geschaut und da vor allem auf die Nachrichten der französischen Fernsehsender, aber auch in die Tageszeitungen, wie Le Monde, und mir Stichpunkte gemacht.

Gibt es nach der Betroffenheit der Schüler, die ja im Unterricht noch verstärkt wurde, den Wunsch zu reagieren, Aktionen zu starten?

Einige Schüler wollen jetzt Referate zu verschiedenen Themen anfertigen. Arbeitsthema soll ‘Je suis Charlie’ sein. Sie wollen sich mit einer Powerpoint-Präsentation vor allem auch mit den Reaktionen der Bevölkerung und einzelner Staaten auf den Anschlag und den Märschen in den Städten beschäftigen. Eine Gruppe hatte schon vorher das Thema ’Das Zusammenleben der Religionen in Frankreich’. Jetzt wollen sie erst recht daran arbeiten und sich noch mehr über den Islam informieren.

Lenken Sie das Thema auch auf die politische Problematik in Deutschland, beispielsweise die Pegida-Demonstrationen?

Wir haben unseren Blick zunächst auf die frankophone Welt gerichtet. Wir planen aber am 8. Mai einen Friedenstag und überlegen, ob wir das Thema da mit hineinnehmen und eventuell Solidaritätsaktionen vorbereiten.

Wissen Sie, wie das aussehen könnte?

Auf jeden Fall soll an unserer Schule gezeigt werden, was die Menschen verbindet und nicht, was sie trennt. Wir wollen nicht so sehr auf die Unterschiede eingehen, sondern vielmehr fragen: Was haben wir gemeinsam? Wir leben alle in einem Land, trotz unterschiedlicher Kulturen. Das vereint uns eher.

Die relativ hohe Quote von Schülern mit ausländischen Wurzeln am Pestalozzi-Gymnasium, ist da das Interesse an Themen wie Ausländerfeindlichkeit besonders stark?

Auch die Schüler der sechsten Klasse haben das direkt angesprochen. Madame, wissen Sie, was in Frankreich passiert ist? Da wurde mir die Entscheidung abgenommen, ob ich das thematisiere oder nicht. Die Muslime innerhalb des Kurses haben sich unmissverständlich vom Terror abgegrenzt. Ich habe deutlich gemacht, dass das Fundamentalisten sind. Die finden wir ja auch bei den Juden und bei den Christen. Wir müssen klar unterscheiden zwischen diesen Gewalttätern und Muslimen, die ihre Religion friedlich ausüben.