Taschendiebe sind eine regelrechte Plage in der City

Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 800 bis 900 Fälle allein im Bereich der Bahnhofstraße. Eine 74-Jährige schildert ihrenFall.

Herne..  Doris Hortz ist nicht nur traurig, weil ihr in einem Schuhgeschäft im Herzen Hernes soviel Bargeld gestohlen wurde, die 74-Jährige ist auch mächtig sauer wegen der Dreistigkeit der Diebe. 300 Euro hatte die Hernerin gerade von der Bank geholt, sie wurden ihr mitsamt Portemonnaie bei der Anprobe aus der Umhängetasche gestohlen, obwohl sie diese extra über ihre Schulter gehängt hatte. WAZ-Recherchen ergaben, dass Taschendiebe an der Bahnhofstraße und Umgebung zur regelrechten Plage geworden sind. Sage 800 bis 900 Fälle registrierte die Polizei 2014 allein in diesem Bereich.

Ob Schuhfiliale, Supermarkt oder Citycenter, wer in der Herner Innenstadt einkaufen geht, sollte dringend auf seine Wertsachen achten. „Portemonnaies werden vornehmlich aus Mantel- oder Handtaschen gestohlen“, berichtet Polizeipressesprecher Volker Schütte. Dementsprechend seien 95 Prozent der Opfer Frauen. Außerdem: „Zweidrittel der Geschädigten sind über 50 Jahre alt“. Gerne schlügen die Kriminellen beim Schuhkauf zu, wenn Kundinnen einen Probelauf machten und ihre Handtasche unbeaufsichtigt ließen.

Ganz selten werden Täter auf frischer Tat ertappt, manchmal von aufmerksamen Verkäuferinnen. In einigen Fällen würde der Diebstahl auch auf Videos von Überwachungskameras festgehalten. Als größte Tätergruppe grenzt die Polizei Drogenabhängige und sogenannte „reisende Täter“ ein, die oft schon im Kindesalter von ihren Familien auf Diebestour geschickt würden. „Wir haben schon Elfjährige geschnappt“, erläutert Schütte.

Das „kriminelle Repertoire“ der Taschendiebe sei äußert umfangreich, fast täglich würden neue Finessen bekannt. Die Polizei kennt eine ganze Palette von Tricks, die zum „Handwerkszeug“ von Taschendieben gehören.

Rempel-Trick

Das Opfer wird im Gedränge angerempelt oder „in die Zange“ genommen; beim Einsteigen stolpert der Vordermann, er bückt sich oder bleibt plötzlich stehen. Während das Opfer aufläuft und abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche.

Drängel-Trick

In vollen Bussen oder Bahnen rückt ein Dieb unangenehm dicht an das Opfer heran, das ihm den Rücken zuwendet und so die Tasche „griffbereit“ anbietet.

Stadtplan-Trick

Fremde fragen das Opfer nach dem Weg und halten ihm einen Stadtplan vor oder bitten es - etwa auf Bahnhöfen - an einen ausgehängten Plan. Während sich das Opfer abgelenkt ist, plündern andere Täter die Hand- oder Umhängetasche.

Geldwechsel-Trick

Fremde bitten das Opfer, eine Münze zu wechseln. Wenn das Opfer die Geldbörse zieht und das Münzfach öffnet, wird es vom Täter abgelenkt. Während der Krminelle beispielsweise seine Münze in die Börse wirft, nimmt er gleichzeitig und unbemerkt Banknoten heraus.

Beschmutzer-Trick

Insbesondere nach einem Bankbesuch wird das Opfer von Kriminelle „versehentlich“ mit Ketchup, Eis oder einer Flüssigkeit bekleckert. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das Geld aus einer der Bekleidungstaschen.

Supermarkt-Trick

Im Supermarkt fragen Fremde das Opfer nach einer bestimmten Ware. Während es danach sucht, wird die Tasche am Einkaufswagen ausgeräumt.

Blumen-Trick

Ein Fremder begrüßt das Opfer freundschaftlich, umarmt es dabei oder steckt ihm eine Blume an. Während das Opfer überrascht und verdutzt ist, verschwindet die Brieftasche.

Tipps der Polizei

Damit es nicht heißen muss „haltet den Dieb“, gibt das Kommissariat Vorbeugung des Polizeipräsidiums Warnhinweise und Tipps:
– Taschendiebe lassen sich am typischen suchenden Blick erkennen: Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute.
– Tragen Sie Geld, Schecks, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper.
– Tragen Sie Hand- und Umhängetaschen verschlossen auf der Körpervorderseite oder klemmen Sie sie sich unter den Arm.
– Benutzen Sie einen Brustbeutel, eine Gürtelinnentasche, einen Geldgürtel oder eine am Gürtel angekettete Geldbörse.
– Legen Sie Geldbörsen nicht oben in Einkaufstasche, Einkaufskorb oder Einkaufswagen, sondern tragen Sie sie möglichst körpernah. Hängen Sie Handtaschen im Restaurant, im Kaufhaus oder im Laden (selbst bei der Anprobe von Schuhen oder Kleidung) nicht an Stuhllehnen und stellen Sie sie nicht unbeaufsichtigt ab.
– Seien Sie besonders misstrauisch, wenn Sie jemand ablenken will. Wie Sie sich vor Trickdiebstählen schützen können, erfahren Sie beim Kommissariat Kriminalprävention / Opferschutz unter 0234 / 909 4040. Unter dieser Rufnummer kann auch ein Termin mit einem Herner Seniorensicherheitsberater vereinbart werden.