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Tauschring

Talente stehen hoch im Kurs

08.12.2009 | 07:00 Uhr

Seit gut zwei Jahren gibt es den Tauschring Bickern/Unser Fritz. Seine Mitglieder helfen einander je nach ihren Fähigkeiten. Sie tauschen Zeit.

Zweige mit Tannenzapfen zieren den Tisch mit allerlei Weihnachtsgebäck und Dekoration. Daneben liegt eine Mappe mit Liedtexten – obenauf „Alle Jahre wieder”. Der Duft von frischem Kaffee steigt in die Nase. Gut 20 Frauen, Männer und Kinder sitzen an dem Tisch. Ein Weihnachtstreffen. Von Geschenken ist aber nichts zu sehen. Kann auch nicht, denn im Bürgerzentrum „Pluto” an der Wilhelmstraße trifft sich heute der Tauschring Bickern/Unser Fritz. Getauscht wird nichts Greifbares, sondern Zeit gegen Zeit.

Info
BIENE in Bronze

Tauschring-Mitglied Charalampos Theocharidis hat eine Internetseite entworfen – im Tausch versteht sich.

Diese wurde jüngst von der „Aktion Mensch” mit einer bronzenen BIENE ausgezeichnet. BIENE steht für „Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten”.

 

„Der Tauschring hat sich gut entwickelt”, sagt der Vorstandssprecher Manfred Herrschaft. Initiiert wurde er von Stefan Peters im Rahmen des Stadtteilprojekts. Die Zahl der Menschen, die Zeit gegen Zeit tauschen, ist mittlerweile auf 50 angestiegen. Jeder bringt ein, was er kann. Der Zeitaufwand wird in „Talenten” gemessen. Eine Stunde sind 20 Talente. Jeder, der mitmacht, bekommt ein Zeitkonto. „Und – ob Professor oder Hartz-IV-Empfänger, für alle hat eine Stunde 60 Minuten”, sagt Herrschaft.

Danja Schäfer, die heute mit ihrem Sohn Paik da ist, macht seit Juli beim Tauschring mit. Eine Schwester und eine Nachbarin haben der Röhlinghauserin davon erzählt. Und sie ist begeistert. Die allein erziehende Mutter ist froh, wenn ihr bei kleinen handwerklichen Arbeiten im Haushalt geholfen oder ihr Sohn mal von der Schule abgeholt wird. „Dafür habe ich zum Beispiel einem Junggesellen beim Bügeln geholfen”, erzählt die 43-Jährige. Passend zur Jahreszeit bietet sie auch an, Adventssterne zu basteln oder dabei zu helfen. Erika Hyna ist seit einem Jahr dabei. Sie hat heute auch für die Tischdekoration gesorgt. Die 58-Jährige bietet aber auch Fahrdienste an, betreut Kinder oder erledigt Näharbeiten. Und die patente Frau aus Bickern hat auch schon eine Nähmaschine repariert. Und was hat sie dafür bekommen? „Es ist Quatsch, zu meinen, beim Zeitkonto müsse unter dem Strich plus-minus Null stehen. Niemand ist verpflichtet, jeden Monat etwas zu machen”, betont Erika Hyna.

Kontakt aufnehmen können die Mitglieder untereinander beim monatlichen Treffen am ersten Donnerstag oder im Internet (www.tauschen-ohne-geld.de).

Am Ende des Jahres läuft die Förderung aus dem Stadtteilprojekt aus. „Wir sind aber gut aufgestellt”, ist sich Manfred Herrschaft sicher, dass weiter Zeit gegen Zeit getauscht wird. Und zwar nicht nur in Bickern/Unser Fritz.

Dietmar Mauer

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