Talent-Kolleg in Herne soll Jugendliche fördern

Sind Partner beim „Talent-Kolleg“: (v.li.) Felix Streiter (Stiftung Mercator) Hernes OB Horst Schiereck und Bernd Kriegesmann (Westfälische Hochschule).
Sind Partner beim „Talent-Kolleg“: (v.li.) Felix Streiter (Stiftung Mercator) Hernes OB Horst Schiereck und Bernd Kriegesmann (Westfälische Hochschule).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In Herne startet ein „Talent-Kolleg“: Begabte Jugendliche vor allem aus Nichtakademiker-Familien sollen an Studium oder Beruf herangeführt werden.

Herne erhält eine neue Bildungseinrichtung: Nach den Sommerferien öffnet an der Viktor-Reuter-Straße ein „Talent-Kolleg Ruhr“. Dort sollen talentierte Schüler vor allem aus Elternhäusern ohne akademische Tradition und unabhängig von Herkunft oder Einkommen ans passende Studium oder den passenden Beruf herangeführt werden. Träger ist die Westfälische Hochschule (Gelsenkirchen), die Finanzierung übernimmt die Stiftung Mercator (Essen). Herne stellt die Räume zur Verfügung.

Herne im Zentrum des Ruhrgebiets sei der ideale Standort, sagte Prof. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule, als er am Dienstag das Talent-Kolleg gemeinsam mit den anderen Akteuren im Herner Rathaus vorstellte. 200 Schüler jährlich sollen künftig in ihrer Freizeit in den Räumen der ehemaligen Innenstadt-Förderschule individuell gefördert werden, etwa in Deutsch, Englisch oder Mathe.

Angesprochen seien „Talente, die in schwierigen Kontexten hervorragende Leistungen bringen“. Etwa das Mädchen libanesischer Herkunft, das mit fünf Geschwistern, aber ohne eigenes Zimmer aufwachse, für seine Eltern die Behördengänge erledige und dennoch ein Abitur von 2,5 schaffe, erläuterte Kriegesmann. Talent-Potenziale wie dieses, betont er, würden zu oft nicht genutzt. Um auch zukünftig im Wettbewerb der Regionen bestehen zu können, müsse das Ruhrgebiet diese ausschöpfen.

Hilfe der Lehrer nötig

Fünf Vollzeitkräfte und mehrere Dutzend Lehrbeauftragte, darunter ein Talentscout, sollen die Schüler ab den Klassen zehn fit machen für Hochschule und Beruf. „Sie sollen die besten Qualifizierungsmaßnahmen erhalten, die wir bieten können“, legt Marcus Kottmann (Westfälische Hochschule), die Messlatte hoch. Zunächst, betont Suat Yilmaz, Talent-Koordinator der Hochschule, „brauchen wir die Hilfe der Lehrer“. Sie sollen schauen, welche Jugendlichen geeignet sind fürs Kolleg. Mitarbeiter der Westfälischen Hochschule wollen zudem regelmäßig an die Schulen kommen, sich mit Lehrern austauschen, an Konferenzen teilnehmen, mit Schülern reden. Generell gelte: Alle Schulen könnten sich beteiligen, Schüler sich auch selbst bewerben.

Die Verantwortlichen bei der Stadt Herne zeigen sich hoch erfreut über das Engagement von Hochschule und Stiftung in dieser Stadt. „Das tut Herne gut“, kommentiert Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff. OB Horst Schiereck nennt das Talent-Kolleg ein „ambitioniertes Projekt“ sowie ein „neues, wichtiges Glied in der Bildungskette“. Er weiß: „Der Bildungserfolg von Schülern hängt noch zu stark von der Bildungserfahrung in den Elternhäusern ab.“