Tafel ordnet umstrittenes Mahnmal hitorisch ein

Der langjährige Leiter des Stadtarchivs, Manfred Hildebrandt, der Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums, Egon Steinkamp und OB Horst Schiereck (v.l.n.r.) stellten am Freitag in Herne eine neue Informationstafel auf dem Südfriedhof vor.
Der langjährige Leiter des Stadtarchivs, Manfred Hildebrandt, der Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums, Egon Steinkamp und OB Horst Schiereck (v.l.n.r.) stellten am Freitag in Herne eine neue Informationstafel auf dem Südfriedhof vor.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Kriegerdenkmal auf dem Südfriedhof wird jetzt historisch eingeordnet. Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums hatten die Initiative ins Rollen gebracht.

Herne..  Mit Trommelwirbel und in Uniform marschierten sie Jahrzehnte lang am Volkstrauertag zum Steinquader mit dem metallenen Adler auf dem Südhof – so, als sei immer noch Heldengedenktag und das Mahnmal immer noch ein Kriegerehrenmal. Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums zettelten 2011 eine teilweise erbittert geführte Diskussion an. Sie kritisierten, dass an diesem 1934 von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken aufgestellten Denkmal immer noch Kränze niedergelegt würden.

Am Freitag, genau 70 Jahre nach Kriegsende, stellte Oberbürgermeister Horst Schiereck eine Gedenktafel vor dem Eingang zum Gräberfeld des Ehrenfriedhofs vor, die auf die fragwürdige Symbolik dieses Denkmals aufmerksam macht. „Endlich“, hätte die damalige Geschichts-AG wohl gesagt, wenn sie gestern dort gewesen wäre. Aber die Ehemaligen wohnen im Lande verstreut und konnten deshalb, so Schulleiter Egon Steinkamp, „leider nicht dabei sein“.

Das OHG und das Stadtarchiv, dessen ehemaliger Leiter Manfred Hildebrandt am Mittwoch ebenfalls zugegen war, recherchieren seit Jahren gemeinsam kritische Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus. 2011 wollte es der damalige Geschichtskurs nicht dabei bewenden lassen und startete eine Initiative, differenzierter mit dem ehemaligen Kriegerdenkmal umzugehen, sich deutlicher von den Gräueltaten des Naziregimes zu distanzieren. Der Oberbürgermeister ermutigte die Schüler damals, Vorschläge für einen kritischen Umgang mit dem Denkmal zu unterbreiten. Die Initiative stieß nicht nur auf Wohlwollen in der Bevölkerung. Die Emotionen kochten im November 2012 hoch, als Schiereck die Kranzniederlegung zur Ehrung der Gefallenen vom angestammten Platz auf dem Südfriedhof kurzerhand auf den Wanne-Eickeler Waldfriedhof verlegte, sehr zum Ärger der CDU: Sie griff Schiereck scharf an, sprach von einer „Verbannung“ der Veranstaltung – und lud ihrerseits zur Kranzniederlegung auf den Südfriedhof ein. Die Wogen sind mittlerweile geglättet.

Dass es so lange dauerte, bis die erläuternde Gedenktafel aufgestellt werden konnte, lag unter anderem an den Denkmalbehörden, die einige Schülervorschläge untersagten, weil sie den Ort nicht verändern wollten. Vorgeschlagen wurde beispielsweise, den Stein mit dem Adler durch eine Hecke oder eine Ummantelung optisch unwirksamer zu machen. Die jetzige Lösung erlaubt zwar weiterhin den Blick auf das Ensemble, allerdings keinen ungetrübten – und damit genau den richtigen.