SV Unser Fritz hofft zum Jubiläum auf Spielerin aus Uganda

Martin Pohl, Vorsitzender des SV Unser Fritz, würde zum Open-Turnier gerne Phiona Mutesi begrüßen.
Martin Pohl, Vorsitzender des SV Unser Fritz, würde zum Open-Turnier gerne Phiona Mutesi begrüßen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der SV Unser Fritz wird 60 Jahre alt. Der Verein hofft, zum Open-Turnier im Juni Phiona Mutesi aus Uganda begrüßen zu können. Noch fehlen Sponsoren.

Herne..  Der Schachverein Unser Fritz feiert in diesem Jahr runden Geburtstag. Seit 60 Jahren kombinieren und rochieren die Mitglieder. Das Gründungsdatum ist sehr einprägsam: 15.5. 1955. Das böte sich für eine Jubiläumsfeier an, doch beim Verein steht das Sportliche im Vordergrund. Vom 3. bis 7. Juni findet wieder das Open-Turnier statt.

Das hat sich in den vergangenen Jahren eine guten Ruf erspielt, regelmäßig ziehen Internationale und Großmeister Läufer, Springer und Dame. In diesem Jahr - so hofft Vereinsvorsitzender Martin Pohl - wird eine besondere Teilnehmerin am Brett sitzen: Phiona Mutesi (siehe Zweittext). Vor einiger Zeit stolperte Pohl im Internet über ein Porträt über Mutesi. „Ich fand die Geschichte so schön, dass ich der Meinung war, dass man sie weitererzählen muss“, sagt Pohl. Und am besten lässt sich der ungewöhnliche Lebenslauf schildern, wenn Mutesi nach Wanne kommt und ihre Geschichte selbst erzählt. Pohl geht es nämlich nicht darum, einen „Stargast“ für das Turnier zu präsentieren. Er hat eine soziale Komponente im Blick. Wenn Kinder aus Wanne, die selbst nicht auf der Sonnenseite stehen, Mutesis Geschichte hören, hätten sie ein Beispiel dafür, dass das Leben durchaus Chancen bereit hält.

Schwierige Kontaktaufnahme

Doch Phiona Mutesi von Uganda ins Stadtteilzentrum Pluto zu holen - dort hat der Verein seine Heimat -, das stellte und stellt Pohl vor Herausforderungen. Erstes Problem: Kontakt aufnehmen. Facebook und Twitter erwiesen sich als Sackgassen, auch über den Weltschachverband FIDE kam Pohl nicht weiter. Zum Glück reiste im vergangenen Jahr ein Vereinsmitglied nach Uganda. Er nahm Kontakt mit Mutesis Trainer auf.

Der konnte schon eine gute Nachricht mitteilen. Zwar sei im Juni auch in Uganda Schulzeit, doch er sieht keine Probleme, dass Phiona Mutesi nach Wanne kommt. Auch eine andere Frage ist geklärt: Eine Unterkunft steht zur Verfügung. Ein anderes Problem ist bislang ungelöst: die Finanzierung des Fluges. Für zwei Personen werden rund 4000 Dollar fällig, das kann der Verein aus eigenen Mitteln nicht stemmen. Deshalb sucht Martin Pohl Sponsoren. Erste Signale gebe es bereits, doch Pohl würde gerne noch ein wenig mehr Geld sammeln, um die Mission, in der Mutesi das Schachspielen lernte, finanziell etwas zu unterstützen.

Die Geschichte von Phiona Mutesi liest sich wie ein Märchen

Die Geschichte von Phiona Mutesi liest sich fast wie ein Märchen:

Das Mädchen, das nicht mal sein Geburtsdatum kennt (zwischen 1993 und 1995) ist quasi Waise: Vater und ältere Schwester gestorben, die Mutter nie zu Hause. Ihre Heimat ist ein Slum mit Namen Katwe in Ugandas Hauptstadt Kampala. Sie hungerte fast jeden Tag, an lesen und schreiben lernen war nicht zu denken. Phiona Mutesi war Analphabetin.

Ein Wendung bekommt ihr Leben 2005. Als sie wieder einmal um Essen bettelte, traf sie in einer Kirche auf Robert Katende, der Missionar und Schachlehrer ist. Sein Angebot: Sie bekommt etwas zu essen, wenn er ihr Schach beibringen darf. Mutesi stimmte zu. Katende erkannte sofort ihr Talent und förderte sie. Schnell schlug sie die stärksten Spieler des Schachprojekts. Inzwischen hat sie ihr Land bei zwei Schacholympiaden vertreten. Lesen und schreiben hat sie gelernt, auch Englisch kann sie nun. „Schach hat mir die Möglichkeit gegeben, wieder zur Schule zu gehen. Und mir gezeigt, dass es noch ein anders Leben gibt“, sagte Phiona Mutesi einmal im Gespräch mit der Tageszeitung „Welt“.

Mittlerweile ist auch eine Biografie über sie erschienen, Titel „Die Königin von Katwe“. Und der Disneykonzern hat sich die Filmrechte gesichert.