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Suche: Hausarzt

09.05.2008 | 21:27 Uhr

Bis 2013 wird in Herne nahezu jeder vierte Hausarzt in Ruhestand gehen. Ein Versorgungsmangel droht, weil bei jungen Medizin-Absolventen wenig Interesse besteht, sich in einer Praxis niederzulassen

Von den 89 Hausärzten in Herne sind laut Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) 22 älter als 60 Jahre und werden folglich ihre Praxen in den nächsten fünf Jahren schließen.

In Herne-Mitte scheiden 15 von 40 Ärzten aus (38 %), in Sodingen drei von elf (27 %). Besser sieht es in Wanne aus, wo drei von 17 Hausärzten (18 %) das 60. Lebensjahr hinter sich haben. In Eickel wird nur einer von 21 Hausärzten den weißen Kittel ablegen. Im Bereich der Fachärzte ist das Nachwuchs-Problem nicht so eklatant: Hier scheiden bis zum Jahr 2013 "nur" 15 von 105 Medizinern aus (12 %).

"Auf uns kommt ein Nachfolgeproblem bei den Hausärzten zu", sagt KVWL-Sprecher Andreas Daniel. Herne sei einer der vier Patienten im Beritt der Kassenärztlichen Vereinigung, um die es bei der künftigen Versorgung mit Hausärzten am schlechtesten stehe (ähnlich liegen die Probleme in den Kreisen Lippe und Herford sowie in Hagen). Herne braucht junge Hausärzte, die Praxen übernehmen oder neu gründen. Doch das Interesse des Nachwuchses, als Hausarzt in einer eigenen Praxis zu arbeiten, hat nach Beobachtung der KVWL deutlich nachgelassen. 100 000 bis 150 000 Euro für die Einrichtung einer Praxis in die Hand zu nehmen, so KVWL-Sprecher Daniel, erscheine vielen nicht mehr erstrebenswert. Medizin-Absolventen suchten ihr berufliches Glück heute zunehmend in der pharmazeutischen Industrie, die mit gutem Geld und geregelten Arbeitszeiten locken könne. Zudem arbeiteten 12 000 deutsche Ärzte zurzeit im europäischen Ausland, weil sie dort besser bezahlt würden und weniger arbeiten müssten. Auch im Consulting, also in der Gesundheitsberatung, ergäben sich lukrative Möglichkeiten. "Der Arztberuf ist heute unattraktiv", kritisiert Daniel eine Entwicklung, die in den 1970er Jahren eingesetzt habe, als die Einkommensmöglichkeiten noch deutlich besser gewesen seien.

Um den verbleibenden, wenigen Nachwuchs für Hausarzt-Praxen wird es laut Daniel zunehmend einen "großen Konkurrenzkampf" geben. "Jeder", sagt der KVWL-Sprecher, "will einen jungen Arzt haben, nicht nur Herne." In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sei das Problem, die hausärztliche Versorgung sicherzustellen, mittlerweile schon derart enorm, dass über den hausärztlichen Einsatz von Krankenschwestern diskutiert werde. So gibt es in Mecklenburg-Vorpommern bereits einen entsprechenden Modellversuch mit speziell ausgebildeten, so genannten Telegesundheitsschwestern, die Patienten nach Anweisung eines Hausarztes betreuen, Therapien überwachen und zur Prävention beitragen. Auch machen sie Hausbesuche.

Soweit werde es im hiesigen Ballungsgebiet wegen seiner Standortvorteile nicht kommen, sagt Daniel. Aber die Sorge um die Hausarzt-Versorgung ist da.

Von Mirco Stodollick

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Kommentare
10.05.2008
21:16
Suche: Hausarzt
von Wedig | #1

Der Ärzteüberhang wird somit nicht vor 5 Jahren abgebaut sein. Zwischen 1996 und 2006 verstarben ca. 20.000 Einwohner. Wenn ein Hausarzt zur Existenzsicherung durchschnittlich 1000 Patienten in drei Monaten versorgen muß, so entspricht der Altersüberhang an Ärzten einem vormaligen Bedarf.
MIt der Nachbesetzung der Alterspraxen haben junge Hausärzte keine Existenzgarantie für auch nur fünf Jahre. Die Abschreibung von 150.000 Euro beansprucht in Abhängigkeit von den fiskalischen Anerkennungen über 10 Jahre. Begegne ich Ärzten , die mit Übernahmen gescheitert sind, so kann ich die Praxispleite kalkulatorisch nachvollziehen.

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