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Schwullesbisches Leben

Streit um schwullesbisches Leben in Herne

03.07.2012 | 12:42 Uhr
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehöre nicht in den öffentlichen Raum, sagt der SPD-Stadtverordnete Henryk Banski. Foto: SPD

Herne.   Das Thema „Schwullesbisches Leben“ sei offenbar bei der Stadt Herne noch nicht angekommen, hat Raoul Roßbach (Grüne Jugend) der Stadt vorgeworfen. Das ruft den SPD-Stadtverordneten Henryk Banski auf den Plan.

Kritik an der Verwaltung übt Raoul Roßbach von der Grünen Jugend: Das Thema LSBTTI – Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexualität und Intersexualität — sei offenbar noch nicht bei der Stadt angekommen, so der Sprecher der politischen Nachwuchsorganisation in Herne.

Die Antworten auf einen Fragenkatalog der Grünen Jugend zum schwullesbischen Leben in Herne „offenbaren leider an einigen Stellen Unverständnis, Tatenlosigkeit und Desinteresse“, so Roßbach. Vor allem zeigten sie: „Es gibt viel zu tun und wir stehen in Herne noch am Anfang.“

Dass die Stadt ihre Tatenlosigkeit damit rechtfertige, dass sich Jugendliche erst spät outeten und dann die Beratung in den Nachbarstädten und vor allem in Bochum suchten, sei „ein Armutszeugnis“. So könne es nicht weitergehen: „Schwule und lesbische Jugendliche brauchen Beratungs- und Jugendangebote“, so Roßbach. Außerdem seien die Schulen gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten, die sich nicht auf den Biologieunterricht beschränke und schon gar nicht mit der AIDS-Prävention in einen Topf geworfen werde.

„Absolut tatenlos“ und „offenbar grob uninformiert“ sei die Stadt im wichtigen Bereich Sport. Der schwullesbische Herner Sportverein „SC AufRuhr“ , der ein wichtiges Aushängeschild sein könnte, sei der Verwaltung offenbar nicht einmal bekannt.

Die Reaktion des Stadtverordneten Banski (SPD)

In einer als Privatperson abgegebenen Stellungnahme unter der Überschrift „Hilfe! Ich bin ein Hetero!“ kommt Banski zu dem Schluss: „Die Ausführungen von Herrn Rossbach und erst recht seine Forderungen sind weit von der politischen Realität entfernt.“

Die sexuelle Orientierung eines Menschen sei sein „intimer Privatbereich“ und gehöre nicht in den öffentlichen Raum, erklärt Banski. Er finde den heftigen Zärtlichkeitsaustausch sowohl bei gleich- wie bei ungleichgeschlechtlichen Paaren in der Öffentlichkeit „gleichermaßen abstoßend“. „Eine Diskriminierung ist ebenso abzulehnen wie eine Bevorzugung.“

Wenn Schwule oder Lesben Sportvereine gründen wollten, sei es ihre Sache und ihrer Mitgliedschaft beim Stadtsportbund stehe nichts im Wege. Und: Wenn zum Beispiel Eltern mit der sexuellen Ausrichtung ihrer Kinder nicht zurechtkämen, könnten sie entsprechende Familienberatungsstellen aufsuchen. „Angesichts des Sexualverhaltens von Männern – Neigung zur Promiskuität – halte ich aber die Aufklärung über AIDS für enorm wichtig.“ Es leuchte ihm aber nicht ein, was das alles mit der Verwaltung zu tun habe, so Banski in Richtung Roßbach. Solle die personell schlecht ausgestattete Stadt künftig „unter private Bettdecken“ schauen, um die sexuelle Ausrichtung Herner statistisch zu erfassen, fragt Banski.

Redaktion

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Kommentare
09.07.2012
11:18
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von ChristianG | #14

Schwul- Lesbisches Leben in Herne d.h für mich mal ein nettes Lokal zu haben wo man sich eben halt trifft. ( Biergarten, Cafe usw )
Ganz sicher gehört ein Autobahnparkplatz nicht zum normalen Schwulen Alltag. Nur eine Minderheit sucht solche Orte auf. Ausserdem was solche Orte betrifft da sind die Heten klar in Führung z.B Schloss Berge in Gelsenkirchen.....

05.07.2012
21:43
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Name von Moderation entfernt | #13

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.07.2012
19:14
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von T.Findteisen | #12

Vielleicht mag ja jemand dieses Interview lesen. Es beschreibt sehr schön, worum es geht – die Selbstverständlichkeit der eigenen Identität und Persönlichkeit im Alltag. Nicht nehr! Nicht weniger.
http://www.taz.de/Homosexualitaet-am-Arbeitsplatz/!96739/

05.07.2012
00:22
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von GrueneJugendHerne | #11

Die Grüne Jugend Herne hat auf die Aussagen des Herrn Banski reagiert.

http://jugend.gruene-herne.de/2012/07/04/wir-haben-ein-politisches-problem/

Natürlich finden wir auch, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist für Toleranz und Entfaltungsmöglichkeiten zu kämpfen. Dafür brauchen wir jedoch die Zivilgesellschaft UND die Politik/die Verwaltung. Es ist beispielsweise nicht Aufgabe der Stadt nun eine Kneipenszene aufzubauen. Es ist aber beispielsweise ihre Aufgabe Aufklärung an Schulen zu fördern und für eine gute Jugendhilfepolitik zu sorgen.

Es gibt viel zutun und wir brauchen da viele die mit anpacken.

04.07.2012
20:38
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von WindomEarle | #10

Schade, dass man hier wieder so viele "typische" Kommentare findet. Mit den Worten "So etwas brauchen wir nicht in der Innenstadt" Sextreffpunkte an der Autobahn indirekt mit besseren Angeboten für Jugendliche (z.B. einen Ort, an dem niemand gemoppt, bedroht oder beleidigt wird) gleichzusetzen ist mehr als traurig...

Auch der Satz "Mit dieser gewollten Ausgrenzung diskreminiert man sich ja wohl selbst." schiebt die Schuld und Verantwortung an einer unbefriedigenden Situation mal wieder den eigentlich Benachteiligten zu. Selber gewählte Ausgrenzungen sind heute leider noch immer nötig, um nicht dauernd blöd angemacht zu werden oder sich gar um die eigene Gesundheit sorgen zu müssen.

Wie naiv einige der Aussagen von Herrn Banski sind ist offensichtlich. Es ist nebenbei bemerkt übrigens merkwürdig, wenn seine "als Privatperson abgegebene Stellungnahme" in der WAZ unter der Überschrift "Die Reaktion des Stadtverordneten Banski (SPD)" zu finden ist. Sehr privat das Ganze...

04.07.2012
18:38
Ist zwar total normal, aber normale Zustände sind es nicht. Im öffentlichen Raum hat die
von Tante.Otti | #9

nichts zu suchen. Gleich wer da wen sucht. Darkrooms heissen so, weil es da schon abgegrenzt von denen wird, die NICHT zuschauen wollen, was andere zur Schau stellen!

Beispiel Autobahnparkplatz Lusebrink. Offener Verkehr, wo die Natur es nicht vorgesehen hat und Mensch an diesen gepflegten Naturplätzen auch nicht.

Da schaut der Schnuedel aber schon mal durch das Nebenloch und wenn da doch mal wer so bldö ist und seinen Bedürfnissen an dafür vorgesehenen Orten nachkommen möchte, der darf sich gleich Kerle in SChlüpfer, Windel oder Netzstrumpfhosen ansehen. Toll, wenn Familien mit Kind(ern) da reinmüssen!

Die Greisenschau endet leider nicht beim Wohnwagen.

Davon gibt es viele, bei der Polizei in NRW für Autobahnraststätten gemeldete Vorgänge.

So etwas brauchen wir nun wirklich nicht in der Innenstadt!

2 Antworten
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von T.Findteisen | #9-1

Hä?

Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von T.Findteisen | #9-2

Da kennt sich ja jemand aus auf den Autobahnrastplätzen der Ruhrmetropole!

04.07.2012
17:09
Es stimmt
von kmannke | #8

Zumindest dass in Herne kaum schwules Leben stattfindet, kann ich als Schwuler bestätigen. Dies aber zur Aufgabe der Stadt Herne zu machen halte ich für falsch. Hier liegt es an uns tätig zu werden, uns zu organisieren, wie z.B. im SC AufRuhr, Aufklärungs- und Beratungsangebote zu bereitzustellen. Wenn wir es schaffen, einen CSD oder einen Rosa Strippe in Herne zu organisieren, werden wir sicherlich auch von der Verwaltung unterstützt.

Deshalb widerspreche ich auch Herrn Banski entschieden. Meine sexuelle Orientierung ist nämlich ein Thema im öffentlichen Raum, ob ich will oder nicht. Sie alleine verhindert die Blutspende. Sie ist der Grund, wehalb auch noch im Jahr 2012 Versicherungsverträge abgeleht werden, sie erschwert mir die Gründung einer Familie. Zum Glück wird sie in Teilen vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzt geschützt. Ein Erfolg, der nicht ohne eine öffentliche, organisierte Bewegung möglich gewesen wäre.






04.07.2012
07:31
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von Kernow | #7

Dass die Gruppen sich teilweise aber auch selber ausgrenzen sieht man schon daran, dass sie einen eigenen Sportverein gründen, besondere Kneipen besuchen und sich irgendwie ein Ghetto aufbauen.

Mit dieser gewollten Ausgrenzung diskreminiert man sich ja wohl selbst.

1 Antwort
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von T.Findteisen | #7-1

Historisch gesehen wurden Schwulen Ghettos aufgedrängt, den Vorurteilen à la Banski zum "Dank". Davon ist, bei uns, zum Glück nicht mehr viel übrig (markanter Wendepunkt der Aufstand an der New Yorker Christopher Street, der alljährlich als CSD gefeiert wird).
Die angesprochene schwule Subkultur ist etwas ganz anderes als Ghetto-Bildung: Zuvörderst Selbsthilfe dort, wo sie (leider) noch nötig ist. Zum anderen eine prima Gelegenheit, gleich und offen leben zu können. Das unterscheidet sie nicht von anderen, interessensbezogenen Vereinen: Als Handballer gehe ich ja auch nicht zum Fußballverein; aber den Fußballverein als Ghetto bezeichnen zu wollen, käme mir nicht in den Sinn.

Zum SC AufRuhr sei gesagt: Er ist ein Sportverein, bei dem alle willkommen sind, die es nicht stört, dort überwiegend auf schwule (und lesbische) Mitmenschen zu treffen.

04.07.2012
00:19
Streit um schwullesbisches Leben in Herne
von pillenknick | #6

Der Kommentar von Herrn Banski – der leider nicht im Wortlaut zu lesen ist – zeigt, wie sehr er am Thema vorbei redet.
Es geht nicht nur darum, ob Menschen ihre sexuelle Orientierung leben können, sondern wie sie es können. Es geht auch darum, dass Menschen in einem Klima leben können, in dem sie aufgrund ihres Lebens nicht diskriminiert werden.
Die Aussagen von Herrn Banski spielen in derselben Liga wie „Was Schwule in ihren eigenen vier Wänden machen, ist mir herzlich egal.“, und zeigen trotz aller anderswo vorgeschobener Toleranz nur, dass die Sichtbarkeit anderer Lebensentwürfe – und somit letztlich auch die Lebensentwürfe selbst – als störend empfunden wird.

Wer denkt eigentlich nach dieser Einengung noch an alle anderen Angesprochenen der Gruppe LSBTTI?

Einem Klima der Offenheit, in dem niemand fürchten muss, wegen seiner selbst diskriminiert zu werden, sind Aussagen, wie Herr Banski sie tätigt, abträglich.

03.07.2012
22:00
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

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