Start für öffentliches WLAN soll in Herne im August erfolgen

Öffentliches WLAN will Unitymedia ab August in Hernes Innenstädten starten. Von der Ratsopposition gibt es Kritik an der Rolle der Stadt bei der Realisierung des kostenloses Internets in den Stadtzentren.
Öffentliches WLAN will Unitymedia ab August in Hernes Innenstädten starten. Von der Ratsopposition gibt es Kritik an der Rolle der Stadt bei der Realisierung des kostenloses Internets in den Stadtzentren.
Foto: Bastian Haumann
Ab August will Unitymedia kostenloses WLAN in Herne anbieten, so die Stadt. Andreas Prennig (Piraten) will ein Alternativangebot realisieren.

Herne.. Während es in vielen Städten längst öffentliches WLAN gibt, herrscht in Herne noch immer Funkstille. Das soll sich in Kürze ändern. Die Stadt erklärt auf Anfrage, dass das Unternehmen Unitymedia schon im August ein Angebot für kostenloses Internet in den Zentren von Herne und Wanne-Eickel starten möchte.

Aus der Opposition wird Kritik an der „kommerziellen Lösung“ und dem Vorgehen der Stadt laut. Piraten-Ratsherr Andreas Prennig kündigt an, über die Initiative „Freifunk Ruhrgebiet“ ein barrierefreies und nicht kommerzielles WLAN für Herne organisieren zu wollen. Auch rechtlich sei ein solches Netz kein Problem, so Prennig.

Vorherige Anmeldung nötig

Bis Ende 2015 will Unitymedia in 100 deutschen Städten öffentliche WLAN-Netze aufbauen, so die Botschaft des Unternehmens Anfang Juni. Die Erweiterung von Schaltschränken in den Zentren von Herne und Wanne-Eickel sei bereits erfolgt, so Stadtsprecher Christoph Hüsken zur WAZ. Eine Verdichtung der Zugangspunkte solle durch Einbeziehung von Geschäftskundenanschlüssen erfolgen.

„Das ist nicht das, was wir unter freiem WLAN verstehen“, sagt Pirat Prennig. Zur Wahrnehmung des Angebots müsse man sich zunächst anmelden. Und: Es sei unklar, was mit den Daten der Nutzer passiere.

Initiative für Freifunk

Dass Unitymedia mit seiner WLAN-Offensive Geld verdienen möchte, ist kein Geheimnis. In den Genuss des kompletten Angebots sollen nur zahlende Kunden des Unternehmens kommen. Während sie unlimitiert surfen können, sollen sich andere Nutzer mit ihrer Mobilfunknummer registrieren lassen. Und: Nicht-Kunden sollen sich bei jedem Ortswechsel erneut per Klick auf der jeweiligen Log-in-Seite neu einwählen müssen, so heißt es.

„Ich verstehe nicht, warum die Stadt hier auf eine kommerzielle Lösung setzt“, sagt Thomas Reinke, Grünen-Ratsherr und OB-Kandidat eines Ratsbündnisses. Was dieses Bündnis besonders wurmt: Nach einer Ratsinitiative von Piraten-AL für freies WLAN hatte OB Schiereck im November angekündigt, eine Arbeitsgruppe einrichten zu wollen. Das ist nicht geschehen. Man sehe „aufgrund der sich abzeichnenden positiven Entwicklung“ dafür zurzeit keine Notwendigkeit, erklärt die Stadt auf Anfrage. Und: Neben Unitymedia gebe es noch einen weiteren kommerziellen Interessenten, mit dem man im Gespräch sei. „Ich bin sehr enttäuscht, dass Herr Schiereck sein Versprechen nicht umsetzt“, sagt Andreas Prennig. Nach den Sommerferien wollen er und Mitstreiter ein nicht kommerzielles Freifunkangebot für Herne und Recklinghausen anstoßen.

Landtag baut auf bürgerschaftliches Engagement

Einen gemeinsamen Antrag „Freifunk in NRW: Bürgernetze ausbauen und weiter stärken“ haben SPD, Grüne und Piraten im Landtag eingebracht. Als medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion wirbt auch Alexander Vogt für ein solches Angebot.

Und was sagt der Herner SPD-Chef zur Situation in seiner Heimatstadt? „In Herne hat der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Frank Dudda bereits eine Initiative angekündigt. Das ist gut.“

Der Antrag im Land ziele auf die Unterstützung von Initiativen, die durch bürgerschaftliches Engagement getragen würden. „Es gibt aber auch eine Reihe Unternehmen, die im Netzbereich tätig sind und kostenlosen WLAN anbieten wollen. Diese Angebote sind nicht automatisch schlecht und sollten genau betrachtet werden.“