Stark in Sprachen
03.11.2011 | 14:39 Uhr 2011-11-03T14:39:00+0100
Herne. Die Horsthausenerin Hülya Uslu ist Stipendiatin der START-Stiftung.Das Berufsziel der 16-jährigen Schülerin: Lehrerin.
„Wahre Geschichten. Mich interessieren vor allem wahre Geschichten“, sagt Hülya Uslu über die Auswahl ihres Lesestoffs. „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist so eine Geschichte, auf die die 16-Jährige in einem Fernsehbericht aufmerksam wurde. Ganz schwere Kost – und definitiv kein Stoff für eine schöne Geschichte. Den liefert vielmehr das eigene Leben der Leseratte: Die Schülerin der Realschule Strünkede – die sich schon im zweiten Jahr im Kinder- und Jugendparlament der Stadt engagiert – ist seit Beginn des Schuljahrs Stipendiatin der Stiftung START – und kann jetzt wie NRW-weit 49 weitere Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ein breites Angebot an Bildungs- und Freizeitseminaren nutzen.
„Vor kurzem war ich auf einem Rhetorik-Seminar in Bonn“, erzählt das dunkelhaarige Mädchen mit den grünen Augen, dessen Eltern ihre Wurzeln in Zonguldak an der türkischen Schwarzmeerküste haben. In Bonn haben die Stipendiaten von einer Trainerin gelernt, wie sie sich richtig präsentieren, wurden bei Übungen gefilmt, und sie haben diskutiert, wie sie auf andere Menschen wirken. „Offen und gleichzeitig zurückhaltend“, sagt Hülya und lächelt. Hülya ist eloquent, sie kann sich gut ausdrücken. Alles Dinge, die ihr bei der Bewerbung um das Stipendium geholfen haben (siehe Kasten).
Ebenso wie ihre Fremdsprachenkenntnisse: Neben Deutsch spricht die Schülerin Englisch, Französisch und Türkisch, das sie zu Hause mit ihren Eltern spricht. „Ich kann auch türkisch lesen und schreiben, meist versuche ich, türkische Bücher zu lesen. Aber es könnte viel besser sein“, sagt sie selbstkritisch. Text-Analysen wie im Deutschen könne sie im Türkischen nicht verfassen. Was sie schade findet: „Ich hätte mir so sehr Türkisch-Unterricht in der Schule gewünscht“.
Immerhin sind Sprachen auch ihre Stärken, in Englisch und Französisch gibt sie Nachhilfe-Unterricht. Ihre Lehrer hatten sie aufgrund der guten Leistungen gefragt, ob sie anderen auf die Sprünge helfen wolle. Ihre Französisch-Lehrerin Nicole Gladczak war es auch, die sie auf das Stipendium aufmerksam machte. Dabei hat sie ins Schwarze getroffen, denn Hülya hat schon seit einigen Jahren ein klares Berufsziel: „Lehrerin – für Englisch und Französisch natürlich“. Hülya interessiert besonders die Vermittlung von Wissen. Ihr Französisch hat die 16-Jährige – „auch mit Hilfe von Händen und Füßen“- im Schulaustausch in Hernes Partnerstadt Henin-Beaumont austesten können: „Und es hat gut geklappt.“ Auf ihrer Wunschliste steht noch eine Sprachreise nach Großbritannien – ein Wunsch, der mit Hilfe des Stipendiums jetzt auch realisierbar wird.
„Für Sonderausgaben können wir bis zu 700 Euro beantragen“, erklärt sie. Zusätzlich zu dem Sonderposten und den Seminaren gibt es monatlich 100 Euro Taschengeld, das für Bildungszwecke ausgegeben werden soll. Und eine sehr gute neue Freundin gab’s noch oben drauf: „Auf dem Kennenlern-Treffen in Wuppertal habe ich Ikram getroffen. Sie hat marokkanische Wurzeln und kommt aus Dortmund. Wir haben uns schon getroffen, telefonieren jeden Tag“. Mit der geht sie dann auch mal shoppen – „wie es Mädchen gerne machen“. Eine schöne Geschichte, die das Leben schreibt. Hülyas Leben.
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