„Stadtmusikanten“ im Altenheim

Das Theater Zitadelle zeigte das Stück "Berliner Stadtmusikanten" im Rahmen des Strünkeder Sommers in Herne .
Das Theater Zitadelle zeigte das Stück "Berliner Stadtmusikanten" im Rahmen des Strünkeder Sommers in Herne .
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Berliner Theater Zitadelle präsentierte im Herner Schloss Strünkede ein brisantes Thema als heiteres Puppenspiel für Erwachsene.

Herne..  „So’n Altenheim wär’ ja nicht schlecht, wenn da nicht so viele alte Leute wären.“ Mit diesen Worten trifft der Neuankömmling Herr Spatz am Mittwochabend in den „Berliner Stadtmusikanten“, einem Gastspiel des Theaters Zitadelle im Kaminzimmer von Schloss Strünkede, den Nagel auf den Kopf.

Und das ist den anderen Insassen auch klar: Frau Kuh, Herr Wolf und Frau Katz sind das triste Absolvieren ihres Tagespflichtprogramms bei den schlecht gelaunten, unmotivierten Pflegern Eugen und Gisela schon lange herzlich leid. Sie reagieren sich ab, indem sie diverse Ticks und Schrullen entwickeln, die Regina und Daniel Wagner in Mehrfachrollen mit umwerfender Wort- und Situationskomik und einem eigenen „Ton“, einer eigenen Stimme für jede der liebevoll gestalteten Puppenfiguren meisterlich ausspielen und die Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln und Lachen bringen.

Dabei sind die zur Livemusik von Stefan Frischbutter so tierisch angesprochenen und sehr scharfsinnig beschriebenen Probleme gesellschaftlich hoch aktuell und brisant, genauso wie es auch das Vorbild für dieses Puppenspiel war und ist, das Märchen der Gebrüder Grimm von den „Bremer Stadtmusikanten“. Aber die vier Heiminsassen wollen nicht nach Bremen ausbrechen, sondern in die Stadt ihrer Jugendträume – nach Berlin.

Frau Kuh möchte auf den Kudamm und ins Theater. Wehmütig erinnert sie sich an ihre Zeit als Ballerina am Anklamer Stadttheater zurück und probiert eben mal schnell aus, ob sie immer noch tanzen kann und sich in Berlin als Straßenmusikantin durchschlagen könnte. Als sie feststellt, dass es noch klappen könnte, hat sie auch schon die Jobidee für die anderen. Herr Wolf singt sich daraufhin ein, Frau Katz und Herr Spatz üben auch schon mal ein bisschen.

Ein urkomisch gestalteter verbaler Schlagabtausch prägt die vielen kleinen Scharmützel, die den Ausbruch der vier angehenden Stadtmusikanten begleiten. Aber sie laufen nur im Kreis. Mit einem Trick erschrecken sie dann Gisela und Eugen so, dass diese die Flucht ergreifen, und übernehmen selbst das Altenheim, das sie jetzt zu ihrem eigenen Berlin, dem Zuhause ihrer Sehnsucht machen können.