Stadt Herne will Gelbe Säcke wieder selbst abholen

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Probleme mit den Gelben Säcken, viele blieben liegen. Nun will Entsorgung Herne übernehmen.
Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Probleme mit den Gelben Säcken, viele blieben liegen. Nun will Entsorgung Herne übernehmen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Entsorgung Herne will ins Geschäft mit den Gelben Säcken einsteigen. Dafür würde eine neue Tochter gegründet – mit weniger Geld für die Beschäftigten.

Entsorgung Herne will wieder die Gelben Säcke abholen. Das sagt Horst Tschöke, Chef der städtischen Tochter, zur WAZ. Das Unternehmen beteiligt sich bis Juni an der Ausschreibung für die Jahre 2016 bis 2018. Derzeit ist der Borkener Entsorger Borchers für die Gelben Säcke zuständig. Tschöke sieht eine „realistische Chance“, das Rennen zu gewinnen.

Dafür allerdings müssten neue Strukturen geschaffen werden, betont er. Konkret: Für die Abfuhr der Gelben Tonne müsse ein Tochterunternehmen gegründet werden, in dem die Beschäftigten nach dem Entsorgungstarif BDE entlohnt werden. Dadurch würden sie weniger verdienen als die Kollegen, die etwa die Restmülltonnen leeren. Nur so, sagt Tschöke, habe Entsorgung Herne überhaupt eine Chance auf einen Erfolg im Ausschreibungsverfahren: „Wir stehen im Wettbewerb.“

Neuer Testlauf fürdie Wertstofftonne

Bekomme Entsorgung Herne den Zuschlag, will Tschöke so bald wie möglich die Wertstofftonne statt der Gelben Säcke einführen. Um dies planen zu können, möchte er einen weiteren Probelauf durchführen. Wie 2012 in Pantringshof, nun aber erweitert um Elpeshof und Teile von Börnig.

Die SPD begrüßt den Vorstoß. Zum einen wegen der massiven Kritik von Bürgern am Entsorger Borchers (die WAZ berichtete mehrfach). Dieser, stellt Fraktionschef Frank Dudda fest, habe Probleme bei der Verteilung und der Qualität der Gelben Säcke. Und vor allem blieben gefüllte Säcke immer wieder am Straßenrand liegen. „Der Ärger mit den Gelben Säcken muss ein Ende haben“, sagte er zur WAZ. Nicht zuletzt sei die Herner SPD der grundsätzlichen Auffassung, dass die Sammlung sämtlicher Abfälle aus privaten Haushalten als Aufgabe der Daseinsvorsorge in städtische Hände gegeben werden sollte.

Entsorgung Herne, meint auch Dudda, müsse nun Strukturen schaffen, um das Verfahren zu gewinnen. Auch er spricht sich deshalb für die Gründung eines Tochter-Unternehmens aus: „Wir ermutigen Entsorgung Herne ausdrücklich dazu, neue Wege zu beschreiten, um das Ausschreibungsverfahren für sich zu entscheiden.“ Er fügt an, dass die SPD Tschöke dafür Rückendeckung geben und ihn politisch bei diesem Vorhaben unterstützen werde.

Auch Dudda hofft: Mache die städtische Tochter das Rennen, „würde das auch die Chancen zur Einführung einer Wertstofftonne und damit weg von den Gelben Säcken deutlich erhöhen“. Jede Kommune, betont er, müsse selbst entscheiden können, welches System in der Stadt aufgestellt werde – „ohne auf die Zustimmung von Dualen Systemen angewiesen zu sein“.

Viele Beschwerden von Lesern

Etliche WAZ-Leser beschwerten sich in den vergangenen Wochen bei der WAZ über die mangelhafte Belieferung mit Gelben Säcken durch das Borkener Unternehmen Borchers. Aber nicht nur das: Auch die Abholung des Mülls mit dem Grünen Punkt funktioniere nicht einwandfrei.

So habe Borchers die Gelben Säcke über die Osterfeiertage auf zahlreichen Bürgersteigen im Stadtgebiet liegen gelassen, zum Beispiel in Bickern. Auch an der Pestalozzistraße habe es Probleme gegeben, wie der dort wohnende Rainer Thiemann berichtet: „Laut Plan war der letzte Abholtermin am Mittwoch, 15. April. Dieser wurde aber nicht eingehalten.“ Thiemann habe die Firma Borchers mehrmals auf den Mangel aufmerksam gemacht und unterschiedliche Erklärungen sowie nicht eingehaltene Versprechungen erhalten.

Bernhard Strotmeier, (51) Geschäftsführer bei Borchers, sieht aber nicht sein Unternehmen, sondern die Bürger selbst als Verursacher des Problems: „Ostern ist der einzige Termin im Jahr, wo wir die Abfuhr der Gelben Säcke vorverlegen.“ So habe man den Montagsbezirk beispielsweise schon samstags angefahren. Wegen der Verschiebung der Abfuhr nach vorne hätten aber längst nicht alle Müllsäcke vor der Tür gelegen, obwohl die Regelung im Abfuhrplan vermerkt sei.

Dadurch sei die gesamte Entsorgung durcheinander geraten. Beim nächsten regulären Termin hätten so viele Gelbe Säcke auf den Bürgersteigen gelegen, „dass das die Touren gesprengt hat.“ Folglich hätte Borchers notgedrungen einen Teil der Gelben Säcke liegenlassen müssen.