Stadt Herne will den Rettungsdienst verstärken

Die 112 wird immer häufiger gewählt: Die Zahl der Rettungsdiensteinsätze - im Bild die Brandmeister Alexander Clement  (li.) und Ralf Krenzke - hat seit 2003 stark zugenommen.
Die 112 wird immer häufiger gewählt: Die Zahl der Rettungsdiensteinsätze - im Bild die Brandmeister Alexander Clement (li.) und Ralf Krenzke - hat seit 2003 stark zugenommen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Zahl der Rettungsdiensteinsätze hat seit 2003 um 72 Prozent zugenommen. Ein Gutachter soll nun den Bedarf an Personal und Fahrzeugen ermitteln.

Herne..  Eine solche Situation habe er in 35 Dienstjahren im Rettungsdienst noch nie erlebt! So beschrieb ein Mitarbeiter der Herner Feuerwehr die Situation am vergangenen Freitag. 147 Einsätze verzeichnete der Notdienst an diesem Tag, im Schnitt sind es sonst „nur“ 75. Um auf alle Notfälle reagieren zu können, mussten Rettungsdienste aus Nachbarstädten aushelfen.

Die Zahl der Einsätze sei eine absolute Ausnahme, weiß Feuerwehrdezernent Johannes Chudziak. Über die Ursachen kann er nur rätseln. „Ein Großschadensereignis gab es nicht.“ Was der Dezernent aber genau weiß: „Die Zahl der Rettungseinsätze hat deutlich zugenommen.“ Konkret: um 72 Prozent von 2003 bis 2013. Die Zahlen für 2014 können angesichts der Inbetriebnahme der neuen Leitstelle noch nicht ermittelt werden.

Die Stadt hat auf diesen auch in anderen Städten auftretenden Trend reagiert. „Wir haben im Verwaltungsvorstand beschlossen, ein Gutachten zum Rettungsdienst in Auftrag zu geben“, so Chudziak. Ein externes Unternehmen soll die Leitstellendaten auswerten, um Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, sprich: den Bedarf an Personal und Fahrzeugen zu ermitteln.

Zurzeit seien stets fünf Rettungswagen mit jeweils zwei Rettungssanitätern – alle Feuerwehrleute haben eine entsprechende Ausbildung – im Einsatz. Hinzu kämen ein 24-Stunden-Notarzt sowie ein weiterer Notarzt für die Nachtstunden, so Chudziak. Gestellt werden die Mediziner von den Herner Krankenhäusern.

Eine Botschaft ist dem Dezernenten wichtig: „Wer die 112 anruft und Hilfe benötigt, bekommt sie auch.“ Ein Stufenplan gewährleiste den Schutz der Bürger. Dieser Plan sorge an Tagen wie Freitag für Unterstützung aus Nachbarstädten. Wenn zusätzliche Rettungssänitäter aus den Reihen der Feuerwehr benötigt würden, sprängen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in die Bresche.

Und was sind die Ursachen für die Zunahme der Einsätze? Johannes Chudziak führt die Entwicklung nicht zuletzt auf die demographische Entwicklung zurück. Auch die Zahl der „internen“ Rettungsfahrten zwischen Krankenhäusern hätten zugenommen.

„Wenn es medizinisch notwendig ist, werden Patienten im Rettungswagen in andere Kliniken verlegt“, sagt Theo Freitag, Geschäftsführer der St. Elisabeth-Gruppe. Dies sei dann der Fall, wenn die bestmögliche Behandlung nur durch die Spezialisten anderer Krankenhäuser – unabhängig von deren Träger – erfolgen könne.

Dass auch missbräuchliche Nutzungen des Notrufs zum Anstieg der Zahlen beitragen, kann Chudziak nicht bestätigen.

Fahrt nach Aachen zur Spezialbehandlung

Ein Einsatz band den Rettungsdienst am Freitag gleich für mehrere Stunden. Wie berichtet, hatten Mieter an der Paderborner Straße eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitten, weil sie ihre Wohnung mit einem Holzkohlegrill geheizt hatten.

Eine Frau musste zur Spezialbehandlung in einer Druckkammer nach Aachen gefahren werden. Das Land wolle nun auch in einer Ruhrgebietsklinik eine solche Druckkammer einrichten, so Dezernent Johannes Chudziak.