Stadt Herne sucht Mehrfamilienhäuser für Flüchtlinge

Diese Wohnung in einem von der Stadt angemieteten Mehrfamilienhaus an der Gneisenaustraße in Horsthausen wird in Kürze an Flüchtlinge übergeben. Hausmeister Georg Wroblewski schaut regelmäßig nach dem Rechten.
Diese Wohnung in einem von der Stadt angemieteten Mehrfamilienhaus an der Gneisenaustraße in Horsthausen wird in Kürze an Flüchtlinge übergeben. Hausmeister Georg Wroblewski schaut regelmäßig nach dem Rechten.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Weil immer mehr Asylbewerber nach Herne kommen, sind Unterkünfte erstmals überbelegt. DieStadt sucht deshalb Mehrfamilienhäuser für Flüchtlinge.

Herne..  Es gibt keine Entspannung in der Flüchtlingslage in Herne. Im Gegenteil: „Der Zustrom der Asylbewerber reißt nicht ab“, sagt Sozialdezernent Johannes Chudziak im Gespräch mit der WAZ. Die städtischen Unterkünfte, im Februar bereits restlos belegt, seien nun zum Teil überbelegt. Nach defensiver Schätzung fehlten der Stadt trotz der geplanten Öffnung einer vierten Flüchtlingsunterkunft an der Südstraße bis zum Jahresende 100 Plätze, deshalb sucht die Stadt händeringend Privat-Unterkünfte. Chudziak appelliert an Eigentümer, ihre Häuser der Stadt als Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen.

Zu den Zahlen: Knapp 460 Asylbewerber aus 29 Nationen sind derzeit in den drei städtischen Flüchtlingsunterkünften und angemieteten Häusern untergebracht. Im Januar waren es noch 416 Menschen aus 27 Nationen. Hinzu kommen zurzeit 350 Asylbewerber, die mittlerweile in Privatwohnungen umgezogen sind. Insgesamt rechnet die Stadt zum Jahresende mit rund 1000 Flüchtlingen in Herne. Sozialverträglich, erinnert Chudziak, sei eine Zwei-Drittel-Belegung in den städtischen Notunterkünften. Trotz der Überbelegung, die durchaus „konfliktträchtig“ sei, sei die Situation „noch gut beherrschbar“.

Ziel der Stadt sei es, Asylbewerber auch im Sinne einer besseren Integration so schnell wie möglich in Privatwohnungen zu vermitteln. Dafür, so der Sozialdezernent, erhielten sie Unterstützung durch die Verwaltung. Auch in den von der Stadt angemieteten Mehrfamilienhäusern – derzeit an der Horst-, Gneisenau- und Dorstener Straße – lasse die Stadt die Menschen nicht allein. Ein Hausmeister schaue regelmäßig nach dem Rechten, Sozialarbeiter kümmerten sich um die Bewohner. Der Vorteil für die Hausbesitzer: „Die Miete kommt pünktlich und zuverlässig, und wir geben die Objekte in einem guten Zustand zurück“, wirbt Sozialdezernent Chudziak um Angebote.

Der Flüchtlingsrat Herne nennt eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber als „dringend notwendig“, sagt Anja Stahl, eine der drei Sprecher, zur WAZ. In großen städtischen Einrichtungen drohe eine Ghetto-Bildung, die Flüchtlinge hätten kaum eine Chance auf Integration. Das sei in Privatwohnungen anders.

Flüchtlingsrat schlägt Erstaufnahme-Einrichtung für Herne vor

Der Flüchtlingsrat Herne schlägt der Stadt vor, das ehemalige Siemens-Werk an der Südstraße nicht wie geplant als vierte Asylbewerber-Unterkunft zu nutzen. Stattdessen, sagte

Sprecherin Anja Stahl zur WAZ, solle die Stadt die seit 2012 geschlossene Betriebsstätte für Windkraftanlagen dem Land als Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge anbieten. Das Argument des Flüchtlingsrates: Werde auch das Siemens-Werk als Not-Unterkunft genutzt, würde auch in dieser Groß-Einrichtung die Integration erschwert. Bislang betreibt die Stadt Flüchtlingseinrichtungen am Zechenring sowie an der Buschkamp- und Dorstener Straße. Als Erstaufnahme-Einrichtung wäre das ehemalige Siemens-Werk aber durchaus nutzbar, mit einem entsprechenden Konzept sei dort „eine menschenwürdige Unterbringung möglich“. Vorteil für die Stadt: Das Land übernähme die Finanzierung, und Herne bekäme entsprechend weniger Flüchtlinge zugewiesen.

Laut Sozialdezernent Chudziak verzögert sich die Inbetriebnahme der neuen Unterkunft um einige Wochen. Die Stadt wolle dort nun zunächst 95 Menschen unterbringen. Platz für die zunächst geplanten 175 Asylbewerber zu schaffen, sei wohl zu kostenintensiv, begründet er.