Stadt Herne öffnete Türen des ehemaligen Hertie-Hauses

Spuren der Verwüstung finden sich im ehemaligen Hertie-Haus am Robert-Brauner-Platz. Die Stadt hat die Sicherungsmaßnahmen verstärkt.
Spuren der Verwüstung finden sich im ehemaligen Hertie-Haus am Robert-Brauner-Platz. Die Stadt hat die Sicherungsmaßnahmen verstärkt.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
2009 schloss Hertie in Herne für immer die Pforten. Die Stadt lud jetzt als neue Eigentümerin zur Besichtung des ehemaligen Kaufhauses ein.

Herne.. Sage keiner, Hertie habe nicht alles, wirklich alles versucht, um den Standort Herne zu halten. „Damen-Slip – Sie zahlen 1 Euro“ steht auf einem Preischild, das in einem Scherbenhaufen liegt. Und in einem verwüsteten Mitarbeiterraum hängt noch ein Plakat mit dem Aufdruck „Kunde – Blickkontakt, Ansprache, Empfehlung“.

Geholfen hat es am Ende bekanntlich nicht. Im Februar 2009 schloss das Warenhaus, das über mehr als vier Jahrzehnte die Herner Innenstadt prägte, für immer die Pforten. Am Mittwoch, also sechs Jahre nach der Schließung, öffnete die Stadt als neue Eigentümerin das ehemalige Kaufhaus für eine Begehung mit Pressevertretern.

Apocalypse now. Dieser Eindruck drängt sich vor allem im ersten Stock auf. Neben Haufen von Verpackungsmaterial und alten Regalen liegen ein weißer Kinderturnschuh und ein „Perlen-Tattoo-Halsband“ - letzte Reste des ehemaligen Sortiments.

Bereits mehrfach haben sich in den vergangenen Jahren Einbrecher Zugang ins Hertie-Haus verschafft. „Zuletzt vor drei Wochen“, weiß Achim Wixforth, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung. Abgesehen hatten sie es nicht auf Tattoo-Halsbänder oder Turnschuhe, sondern vor allem auf Kabel.

„Im Grund ist das hier nur noch eine Art Rohbau“, sagt Wixforth mit Blick auf ausgeweidete Kabelschächte. Zerschlagene Scheiben und Lampen zeugen davon, dass im alten Kaufhaus auch die reine Lust an der Zerstörung zelebriert wurde. Immerhin: Die Hunderttausende von Litern Löschwasser, die nach einem Brand im Mai 2013 das 2. Untergeschoss füllten, sind inzwischen abgepumpt worden.

Fotos von Betriebsfesten

In der alten Mitarbeiterkantine im dritten Stock finden sich dagegen deutlich ältere Spuren. Zwischen gebrauchtem Geschirr und Gerümpel liegen mehrere Fotoalben. In den Klarsichthüllen stecken Schnappschüsse von Hertie-Jubilarehrungen und feucht-fröhlichen Betriebsfesten, die von besseren Zeiten künden.

Zurück ins Hier und Jetzt: Achim Wixforth greift nicht zum ersten Mal zur Taschenlampe, um Besucher durch den einstigen Konsumtempel zu führen. Nach den Presseberichten über den Kauf durch die Stadt hätten sich erste potenzielle Investoren gemeldet, berichtet er. Weitere sollen folgen: „Das Haus ist noch nie richtig am Markt platziert worden“, sagt Achim Wixforth.

Ob in den Bestand investiert wird oder ob nach der angestrebten Aufhebung des Denkmalschutzes ein Abriss und ein Neubau stehen wird – „das wird die spannende Frage sein“. Weil die Stadt auch die Option ,Wohnen’ für den Standort nicht ausschließen möchte, soll nun auch der Bebauungsplan entsprechend angepasst werden.

Am morgigen Freitag erwartet die Stadt übrigens bereits die nächste Gruppe im Hertie-Haus. Architekturstudenten aus Bochum wollen sich ein Bild von dem Gebäude machen. Aus gutem Grund, denn: Sie werden sich für mehrere Monate mit dem ehemaligen Kaufhaus beschäftigen, um neue und auch wirtschaftliche Nutzungskonzepte zu entwickeln.

Und wer weiß: Vielleicht kommen einige Studenten am Ende sogar zu dem Ergebnis, dass auch der Verkauf von Damen-Slips sowie gut geschulte Verkäufer – Stichwort: Blickkontakt, Ansprache, Empfehlung – eines Tages wieder zur Zukunftsfähigkeit dieses Standorts beitragen können.

Eine kleine Chronologie

„Kaufhaus mit Großstadt-Atmosphäre“ titelt die Herner Zeitung am 21. August 1961 zur Eröffnung eines Neubaus des Althoff-Warenhauses durch den Karstadtkonzern auf der Bahnhofstraße. Das Kaufhaus in der Herner City ist nach den Plänen des Stararchitekten Emil Fahrenkamp errichtet worden. Bereits 1963 wird es offiziell in Karstadt umbenannt.

Im Jahr 1995 wird das inzwischen unter dem Namen „Hertie“ firmierende Kaufhaus unter Denkmalschutz gestellt.

Am 28. Februar 2009 schließt das Hertie-Haus auf dem Robert-Brauner-Platz für immer die Pforten.

Im Dezember 2014 unterzeichnet die Stadt bzw. die Stadtentwicklungsgesellschaft den Kaufvertrag fürs Hertie-Haus. Die Verwaltung strebt an, den Denkmalschutz aufzuheben und das Gebäude an einen Investor zu verkaufen.