Stadt Herne baut einige Berliner Kissen aus

Umstritten: die Berliner Kissen - hier auf der Mont-Cenis-Straße. Auf Empfehlung der Bezirksregierung ersetzt die Stadt die Aufpflasterungen an der Gesamtschule Mont-Cenis durch einen Fußgängerüberweg.
Umstritten: die Berliner Kissen - hier auf der Mont-Cenis-Straße. Auf Empfehlung der Bezirksregierung ersetzt die Stadt die Aufpflasterungen an der Gesamtschule Mont-Cenis durch einen Fußgängerüberweg.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Stadt ersetzt auf der Mont-Cenis-Straße einige Berliner Kissen durch einen Fußgängerüberweg. Das könnte künftig auch anderswo häufiger geschehen.

Herne..  Rund 300 Berliner Kissen sind in Herne eingebaut. Während die Stadt die Aufplasterungen als wirksames Mittel zur Reduzierung der Geschwindigkeit von Verkehrsteilnehmern schätzt, sind die Plateaus bei vielen Bürgern und in Teilen der Politik so beliebt wie ein Schnupfen. An der Gesamtschule Mont-Cenis wird die Stadt nun einige Kissen entfernen und durch einen beleuchteten Fußgängerüberweg ersetzen – auf Empfehlung der Bezirksregierung.

Anlass für den Abbau von Kissen auf der Mont-Cenis-Straße ist die Sanierung der Fahrbahndecke in Höhe der Schulturnhalle. In Folge eines Förderantrags der Stadt hat die Bezirksregierung die Lage vor Ort untersucht. „Wir haben der Stadt empfohlen, auf eine Wiederherstellung der Aufpflasterung zu verzichten“, sagt Christian Chmel-Menges, Sprecher der Bezirksregierung, auf WAZ-Anfrage.

Zwei Gründe führte die Behörde an. „Ob sich die Gefahrenquelle durch die Kissen verringern, ist in der Gesamtbetrachtung durchaus fraglich“, so Chmel-Menges. Und: Für Rettungs- und Krankenfahrzeuge stellten die Kissen eine Behinderung dar, weil wertvolle Zeit verloren gehe bzw. die Erschütterung bei zügigem Überfahren des Kissens den Gesundheitszustand von Patienten mit inneren Verletzungen negativ beeinflussen könne. Der Bau eines Überwegs auf der Mont-Cenis-Straße sei im Konsens abgestimmt worden, so Bezirksregierung und Stadt unisono.

Die Verwaltung betont, dass sie bei Erneuerungsmaßnahmen grundsätzlich prüfe, ob die Berliner Kissen an dem jeweiligen Standort wieder hergestellt werden sollen oder ob Begleiterscheinungen wie unter anderem Lärm, Erschütterungen oder Qualitätsverlust dagegen sprechen. So sehe es auch ein politischer Beschluss vor.

Aus Sicht der CDU sind die Aufpflasterungen auch an anderen Standorten „entbehrlich“. Als Beispiel nennt CDU-Fraktions-Chef Markus Schlüter den Heisterkamp in Wanne, auf dem Autofahrer durch gefühlt 36 Kissen drangsaliert würden. „Es gibt bessere Alternativen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen“, sagt Schlüter.

Die Verkehrswacht Wanne-Eickel sieht dies ähnlich. „Wir halten die Berliner Kissen nicht für sinnvoll“, sagt Vorsitzender Heinrich Hendricks. Ein beleuchteter Fußgängerüberweg sei die deutlich bessere, weil sicherere Lösung.

Viele Anwohner würden lieber heute als morgen von den künstlichen Huckeln vor ihrer Haustür befreit. Im Umfeld der Kissen klagen Hausbesitzer nicht nur über Lärm, sondern bisweilen auch über Risse in der Hauswand, die auf Erschütterungen bei Überfahren der Aufpflasterungen zurückgeführt werden. So kämpfen zum Beispiel Bewohner des Horsthauser Feldherrenviertels seit Jahren gegen Kissen beziehungsweise für eine Abflachung der Einbauten - ohne Erfolg.