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Poetry Slam

Sprechreizüberflutung

19.02.2010 | 19:59 Uhr
Sprechreizüberflutung

Die Slammer waren geflasht; zu deutsch: Die Dichter waren beeindruckt. Die aktuelle Ausgabe des Poetry Slams „Sprechreiz” in den Flottmann-Hallen bescherte den Veranstaltern am Donnerstagabend (18.) ein volles Haus und den Zuschauern einen stimmungsvollen, amüsanten und rundum gelungenen Abend.

Das Werben in Schulen, in sozialen Netzwerken und über die Kulturhauptstadtmaschine Ruhr2010 hat sich ausgezahlt: Das Organisationsteam an der Schnittstelle von Flottmannschem Roomservice und dem Kulturhauptstadtprojekt „U20-Slam” freute sich über exakt 312 zahlende Gäste. „Die Leute standen bis auf die Straße an. Im Vergleich zum letzten Sprechreiz haben wir die Zuschauerzahl glatt verdoppelt”, freute sich Chris Wawrzyniak vom Roomservice. Die Halle war prall gefüllt, ein Teil der Zuschauer beobachtete das Treiben auf der im Foyer errichteten Dichterbühne von Plätzen auf der Galerie aus.

Im Wettstreit begegneten sich diesmal zwölf Slammer. Die vorgetragenen Texte skizzierten dabei die Gedanken- und Gefühlswelt der jungen Generation um die 20: Ein Ort irgendwo zwischen Facebook und Supermarktkasse, kategorischem Imperativ und Morgenlatte, Selbstreflexion und Tierkadaver, zwischen Vegetarier- und Cool-Sein, zwischen Individualdrang und Kommerz. Der eine Slammer ruderte beim Vortrag extrovertiert mit den Armen in der Luft, dem anderen zitterten die Knie; der eine erzählte eine Geschichte, der andere reimte sich die schönsten Wortkreationen zusammen. Dabei ging es im Schnitt sehr humorvoll, nur punktuell bedeutungsschwer zu.

Neben zwei Poetry-Slam-Neulingen gingen auch Szenegrößen wie Andy Strauß, Thorsten Sträter und Bleu Broode mit ihren Texten ins Rennen. Letztere drei machten das Finale schließlich – wie erwartet – unter sich aus und nach rund drei Stunden (!) holte Thorsten Sträter aus Waltrop den Sieg. Eine kleine Sensation: Sträter verzichtete auf die dem Gewinner zustehende Redezeit und bat stattdessen den in der Vorrunde knapp ausgeschiedenen, wirklich großartigen Julius Fischer darum, einen weiteren Text vorzutragen. Das hatte Stil und passte ins Gesamtbild des Abends, das mit charmanten Persönlichkeiten, teilweise erstklassigen, fast immer aber sehr lustigen Texten und super „Saal-Atmosphäre” fast schon als kleines Meisterwerk gelten darf.

Susanne Meimberg

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