Sportabzeichen an einem einzigen Tag

Der Stadtsportbund Herne lud zum Tag des Sportabzeichens auf die Platzanlage des ESV Herne ein.
Der Stadtsportbund Herne lud zum Tag des Sportabzeichens auf die Platzanlage des ESV Herne ein.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
WAZ-Mitarbeiterin Tabea Grossek testete sich beim „Tag des Sportabzeichens“.Schafft man das Abzeichen in nur einem Tag?

Herne..  Mein letztes Sportabzeichen habe ich vor einer gefühlten Ewigkeit absolviert. Als mir vor vier Jahren nur zwei Zentimeter beim Weitsprung fehlten, hatte ich die Nase voll. Beim offiziellen „Tag des Sportabzeichens“ des Stadtsportbundes am Samstag bin ich das Projekt Sportabzeichen erneut angegangen.

Da stehe ich nun im Abwurfkreis und halte einen schweren ledernen Medizinball zwischen beiden Händen. Wie soll ich dieses unhandliche Teil in die Luft befördern? Ich laufe an und werfe mit aller Kraft. Ohne Erfolg. Der Ball plumpst gefühlte drei Schritte vor mir auf die Erde. „Nicht so nach vorne schleudern!“ – Fritz Nedbal nimmt mich zur Seite und zeigt mir den richtigen Bewegungsablauf. „Und jetzt nochmal, Mädchen“, er nickt mir aufmunternd zu. Tatsächlich habe ich beim dritten Anlauf die 8,50 Meter geknackt, die in meiner Altersklasse für die Einstufung „Gold“ vorgegeben sind.

Ein guter Anfang. Ich schaue mich auf dem Sportplatz am Stadtgarten um. Ein kleines Anmeldezelt steht neben der Sandgrube für den Weitsprung. Über den Platz verteilt werfen, springen oder sprinten geschätzt 50 vorwiegend ältere Teilnehmer. Laufen ist meine nächste Herausforderung: 100 Meter in weniger als 17 Sekunden. Mit dem Knall der Startklappe renne ich los. Meine Beine bewegen sich zwar nicht so schnell wie die meines Mitläufers, aber immerhin komme ich mit einer soliden Zeit ins Ziel. Sie reicht nicht für Silber oder Gold. Aber Bronze ist okay, denke ich mir. „Beim ersten Mal tut’s immer weh“, höre ich jemanden rufen. Für mich gibt es heute aber kein zweites Mal. Ich muss meine Kräfte für den 3000-Meter-Lauf einteilen.

Die Langstrecke fällt mir leicht, weil ich selbst regelmäßig joggen gehe. Drei Kilometer in knapp 15 Minuten reichen für Gold. Nach fünf Anläufen mit dem Schleuderball habe ich auch hier das Soll erfüllt und an einem Tag alle Anforderungen für ein insgesamt silbernes Sportabzeichen erledigt.

Die vielseitigen Disziplinen haben mir – wider Erwarten – wirklich Spaß gemacht, was auch daran liegt, dass jeder Prüfer immer einen Tipp parat hatte. Trotzdem werden die Teilnehmer immer weniger, bedauert Hans-Peter Karpinski, Vorsitzender des SSB. Auch Hans Basinski, der bereits im 44. Jahr das Abzeichen abnimmt, erkennt, dass „die mittlere Generation“ zunehmend fehle. Interessierte seien beim Training immer willkommen. Der 80-Jährige sagt: „Nur Mut. Jeder, der ein bisschen sportlich ist, kann das Sportabzeichen schaffen.“