Sport und Sprache in Herne

Michael Klein trainiert Flüchtlingsjungen in Selbstverteidigungstechniken.
Michael Klein trainiert Flüchtlingsjungen in Selbstverteidigungstechniken.
Foto: Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Der wohltätige Verein Ruhrwerk unterstützt ein neues Projekt für Flüchtlingskinder: Selbstverteidigungsunterricht am Otto-Hahn-Gymnasium.

Herne..  Wenn Michael Klein „seine Jungs“ trainiert, braucht er dafür nur wenige Worte. Das ist gut, denn einige seiner Schützlinge lernen gerade erst Deutsch. Sie sind Schüler der Willkommens-Klasse des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG), größtenteils Flüchtlinge aus Syrien. Seit kurzem nehmen sie an einem Sportangebot teil, das die wohltätige Organisation Ruhrwerk mitfinanziert.

„Das Thema Flüchtlinge ist so akut wie nie“, meint Cordula Klinger-Bischof, Vorstandsvorsitzende des Herner Vereins. Die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten werde entsprechend immer größer. Dem komme man natürlich gerne nach.

Bereits seit vergangenem Jahr läuft ein Projekt am Zechenring: sechs Studenten und Pädagogen bieten dort mehrmals pro Woche Bastel-, Sport- und Lerngruppen für Kinder an. Mit dem so genannten Gewaltpräventionskurs am OHG, einer Mischung aus Sport und Selbstverteidigung, kam kürzlich ein weiteres Angebot für junge Migranten hinzu.

Fokus Sprache

„Im Fokus steht dabei immer die Sprache“, erklärt Klinger-Bischof. Durch die Instruktionen von Trainer Klein und die Interaktion mit ihren Mitschülern steige die Sprachkompetenz. „Beim Sport kann jeder trotz Sprachbarriere gleich durchstarten“, ergänzt Klassenlehrerin Namine Stock. Sie ist begeistert von dem Angebot - ebenso wie die Jungen: „Am liebsten würden sie jeden Tag trainieren und nicht nur ein Mal pro Woche.

„Ich habe hier sehr viel Spaß“, berichtet der 16-jährige Kanan zwischen Tritt- und Boxtechnikübungen. Der Junge lebt seit Anfang des Jahres in Deutschland und durchlief davor drei Monate lang zu Fuß und in Lkw von Syrien über die Türkei und Griechenland eine Odyssee aus Warten und Bangen. Seine Eltern und acht Geschwister hat er zurück gelassen. „Die hole ich hoffentlich irgendwann auch her“, träumt er. Als Arzt möchte er später mal für sie sorgen können. „Kanan hat seine Ziele fest vor Augen“, so Stock. Der Junge sei sehr fleißig, sein Deutsch mittlerweile gut genug, um ihn nach den Sommerferien vollständig in eine der neunten Regelklassen zu integrieren. Auch der Sport stärkt sein Selbstbewusstsein.

„Durch das Selbstverteidigungstraining können teils auch Traumata aufgearbeitet werden“, so Klein. Hauptsächlich sollten die Zehn- bis 17-Jährigen aber „einfach Spaß und Freude“ haben.

OHG und Ruhrwerk arbeiten gerade an einem ähnlichen Angebot für die Schülerinnen der Willkommensklasse. Sie wollten bisher nicht an dem Training teilnehmen.