Spielmannszug Herne-Süd ist fest in Familienhand

Zweimal in der Woche proben die Mitglieder im Haus Voss. Dort geht’s eher formlos zu – Uniformen tragen sie nur während der Auftritte.
Zweimal in der Woche proben die Mitglieder im Haus Voss. Dort geht’s eher formlos zu – Uniformen tragen sie nur während der Auftritte.
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Der Spielmannszug Herne-Süd wird seit Jahrzehnten von einer Familie geprägt: den Callenbergs. Vater Otto rührt manche Mitglieder zu Tränen.

Diese Kapelle ist ein echter Familienbetrieb: Die Callenbergs prägen den Spielmannszug Herne-Süd seit Jahrzehnten. Vom vierjährigen Nesthäkchen bis zum Vorsitzenden – die Vereinsgeschichte gleicht einer Familiensaga. Wenn andere Mitglieder über den Gründer sprechen, fließen schonmal Tränen.

Karl-Heinz Harder (64) sitzt an einem Ecktisch im Haus Voss, der Constantiner Vereinskneipe der Spielleute. Er erzählt von Otto Callenberg, der die Musikgruppe 1987 mit aus der Taufe hob. „So einen Vorsitzenden“, sagt Harder, „findet man nicht oft im Leben. Er kümmert sich um alles.“ Harder macht im Verein den Pressewart, ein gestandener Mann mit festem Händedruck. Als er mit zittriger Stimme vom Chef redet, werden seine Augen feucht – „bitte haben Sie Verständnis für meine Emotionen“. Was macht diesen Spielmannszug für seine 52 Mitglieder so besonders?

Otto Callenberg (59) sitzt daneben, als Harder ihn lobt. Er wirkt zurückhaltend, seine Sätze sind frei von Pathos. 1987 spalteten sich elf Männer und Frauen von den Spielleuten Herne 08 ab. Zwischen den Zeilen klingt heraus: Es war wohl keine harmonische Trennung damals, sie wirkt bei manchen Vereinsangehörigen immer noch nach. „In den 80ern war der Markt für Spielmannszüge viel größer als heute“, sagt Callenberg. Heute gebe es nur noch vier Flötenorchester in Herne, das Geschäft ist umkämpft. Manche stehen zueinander in Konkurrenz, es geht um Stolz – aber auch um Geld. „Unser Verein lebt von den Gagen, die wir bekommen, wenn wir als musikalische Unterhaltung gebucht werden. Etwa von der Karnevalsgesellschaft, deren Vertragspartner wir sind.“ Die Kapellen stehen im Wettbewerb um Auftritte und Nachwuchs. Deshalb bemüht sich der Spielmannszug Herne-Süd gezielt um Jugendliche und junge Erwachsene. Für den Klub bedeuten die eine Lebensversicherung – solange genügend Jüngere dem Spielmannszug angehören, stirbt er nicht aus.

Der Jugendwart heißt André Callenberg, ist 27 und der Sohn des Vorsitzenden. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt der Gebäudemanager. Auf Facebook wirbt er für die Unterabteilung „Drumholics“, die bei Schwarzlicht eine richtige Bühnenshow veranstaltet und mit der alten Ufftata-Musik nichts mehr zu tun hat. „Märsche spielen wir zwar, aber wir können auch ,Atemlos’ von Helene Fischer. Man muss mit der Zeit gehen.“ Einen Marsch könne man im Schützenzelt spielen. „Aber auf einer Geburtstagsfeier oder im Karneval will das keiner hören.“

Schon die allerjüngstenCallenbergs machen mit

Auch André Callenbergs Töchter, vier und fünf Jahre alt, machen schon mit, sie sind die Jüngsten im Verein. „Die Mädchen sollen da rein wachsen, ein Gefühl für Rhythmus und Melodie bekommen“, sagt Mama Joaline Callenberg (26). Seit ihrem 18. Lebensjahr, seit sie mit André zusammenkam, ist auch sie mittendrin bei den modernen Spielleuten aus Herne-Süd.

Langweilig fand die Sekretärin ihr zeitaufwendiges Hobby nie. „Wenn ich meinen Freunden erzähle, dass es coole Videos davon im Internet gibt“, sagt Joaline, „interessiert das jeden.“