Spielebrunch in Herne hat keine Zukunft

Der beliebte Spielebrunch steht vor dem Aus. Im Bild die Familie Moczarski mit (v.l.) Maximilian, Birgit, Dieter und Sebastian im März 2014.
Der beliebte Spielebrunch steht vor dem Aus. Im Bild die Familie Moczarski mit (v.l.) Maximilian, Birgit, Dieter und Sebastian im März 2014.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Der Spielebrunch im Spielezentrum Herne hat wegen Brandschutzmängeln keine Zukunft. Für andere Veranstaltungen im Hause werden neue Standorte gesucht.

Das Spiel ist aus - diese Botschaft wäre für die Herner Vorzeige-Einrichtung Spielezentrum maßlos übertrieben. Doch die von der Verwaltung an Vorschriften angepassten Brandschutzbestimmungen sorgen doch für Einschnitte und Einschränkungen für das bisherige Angebot und das Programm in dem von der Stadt betriebenen Haus an der Jean-Vogel-Straße in Herne-Mitte. Hier eine „spielerische“ Bestandsaufnahme.

Tabu

Die oberen beiden Stockwerke des über 80 Jahre alten Gebäudes dürfen seit Ende Oktober aufgrund von Brandschutzmängeln für Veranstaltungen nicht mehr genutzt werden (wir berichteten). Fest steht: Das bisher einmal monatlich an einem Sonntag stattfindende Erfolgsformat „Spielebrunch“ kann damit nicht mehr stattfinden. Auch andere bewährte Veranstaltungen wie die Rollenspiel-Convention „Morpheus“ (einmal jährlich mit bis zu 500 Teilnehmern) und so genannte Table-Top-Turniere (dreimal jährlich) - beides Angebote des Herner Brett- und Rollenspielvereins „Herner Burg“ - können an der Ecke Jean-Vogel-Straße/Hölkeskampring nicht mehr über die Bühne gehen. Außerdem fällt aktuell der regionale Vorentscheid der Brettspielmeisterschaft flach.

Schach

Die Stadt denkt über Strategien und Optionen nach, um ein Schachmatt, sprich: ein endgültiges Aus für die „wenigen, aber sehr gut besuchten Großveranstaltungen“ (Elisabeth Popp-Heimken vom Fachbereich Jugend) zu verhindern. So suchen Verwaltung und „Herner Burg“ nach Alternativstandorten, um „Morpheus“ im Sommer in anderen Räumlichkeiten durchführen zu können. So viel steht fest: Für den Spielebrunch – dabei gab es einen Brunch, einen Spieleverleih und eine Aufführung - ist das definitiv nicht möglich, weil dieses Angebot zu sehr von der Atmosphäre und den Voraussetzungen im Spielezentrum gelebt habe. Und eine komplette Verlagerung der Einrichtung ist aus Sicht der Stadt nicht denkbar, weil sie an diesem Standort in der Mitte Hernes zu fest verankert sei.

Mensch ärgere dich nicht

Der rund 65 Mitglieder zählende Verein „Herner Burg“ trifft sich nach wie vor regelmäßig im Spielezentrum. Einzelne Gruppen unterliegen dabei gewissen Einschränkungen. Gegen Brandschutzmaßnahmen könne man nichts haben, sagt Vorsitzender Christian Wiezorrek auf WAZ-Anfrage. Dass der Verein aber von einem Tag auf den anderen vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei, könne man nicht nachvollziehen: „Wir waren mitten in den Vorbereitungen für Großveranstaltungen.“

Über angebliche Angebote für Alternativen habe man erst aus der WAZ erfahren. Hintergrund: Die Stadt hatte Mitte November in einer Pressemitteilung berichtet, dass entsprechende „Angebote“ gemacht worden seien.

Strategie

Kurzfristig sieht die für das städtische Spielezentrum zuständige Dezernentin Gudrun Thierhoff keine Möglichkeit, die Einrichtung an der Jean-Vogel-Straße baulich so zu ertüchtigen, dass dort neben dem Regelbetrieb auch wieder größere Veranstaltungen stattfinden können. Dafür fehlten die finanziellen Mittel, denn die Stadt müsse sich nicht nur im Spielezentrum den riesigen Herausforderungen des Brandschutzes in öffentlichen Gebäuden stellen.

Eine Projektgruppe der Stadt hat inzwischen ein Umsetzungskonzept erarbeitet, um den Brandschutz systematischer anzugehen. Auf Grundlage einer „Risikobewertungsmatrix“ ist eine Priorisierung der Objekte erstellt worden. Bis Oktober 2015 soll ein Maßnahmenplan 2016/17 stehen. Völlig offen ist aber, ob und wie sich die von der Verwaltung angestrebten Reformen im Gebäudemanagement auf diesen Bereich auswirken werden.